Zeitungsherausgeberin Gudula Walterskirchen
Finde es befreiend, aus dem Glauben Kraft zu schöpfen

Gudula Walterskirchen blickt mit Optimismus in die Zeitungszukunft.
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  • Gudula Walterskirchen blickt mit Optimismus in die Zeitungszukunft.
  • Foto: Markus A. Langer
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Gudula Walterskirchen ist Herausgeberin der Niederösterreichischen Nachrichten, der erfolgreichsten Regionalzeitung Österreichs.

Im SONNTAG-Sommergespräch spricht sie über den Erfolg der Zeitung, warum Berichte aus den Diözesen darin wichtig sind und wie sie die Zukunft der Zeitungen sieht.

Ich treffe Gudula Walterskirchen in der Wiener Innenstadt zum Gespräch. Nach einem langen Sitzungstag in St. Pölten freut sie sich in Wien zu sein. Besonders die Innenstadt wie auch der Bezirk Hietzing sind ihr vertraute und geliebte Orte. Zu Beginn frage ich Sie:

  • Was ist aus Ihrer Sicht das Erfolgsrezept der NÖN?

Das Besondere an den NÖN und auch an der Burgenländischen Volkszeitung, die zu uns gehört, ist, dass sie wirklich sehr lokal orientiert sind. Die NÖN ist keine Lokalzeitung, die irgendwie mutiert für die verschiedenen Regionen, sondern wir haben Einzelausgaben für jede Region, beziehungsweise für jeden Bezirk, in dem wir erscheinen, gibt es eine eigene Redaktion.

Die Redakteure wohnen großteils in den Gemeinden, aus denen sie berichten. Das macht den Reiz insofern aus, als die Themen in der Region den Menschen noch immer ganz besonders nahe sind. Ob das jetzt ein Verkehrs- oder ein Schulprojekt ist, oder irgendwelche Vorfälle in der Gemeinde, das betrifft die Menschen ganz unmittelbar im persönlichen Lebensbereich.

  • Das heißt, man legt sich da durchaus auch mit den Bürgermeistern an?

Ja, das ist in der Natur der Sache, weil Medien sollen ja kritisch sein. Das ist ja auch wichtig für die Glaubwürdigkeit. Das ist auch der Auftrag von Medien. Dieses Wechselspiel von Nähe und Distanz, Vertrauen und Kontrolle, das ist die große Herausforderung im Lokaljournalismus.

  • Nähe und Distanz sind auch Thema bei Ihrer Eigentümerschaft, dem Pressverein. Da spielt die Diözese Sankt Pölten eine wesentliche Rolle. Wie unabhängig können Sie da agieren?

Das ist natürlich ein besonders spannendes Umfeld in dem Sinne, wie geht es mit den Eigentümern? Die Pressvereine sind aus der Haltung entstanden, dass man dem liberalen Zeitgeist Ende des 19. Jahrhunderts etwas von katholischer Seite entgegensetzen wollte. Und dieser Ansatz war eigentlich durchaus modern. Den führe ich auch bewusst weiter.

  • Was ist Ihnen da wichtig?

Dass katholische, christliche Stimmen in der Medienwelt weiterhin gehört werden wollen und sollen. Das gehört zum Konzert der Vielfalt dazu.

  • Wie sieht es mit den Schnittstellen zur Diözese aus?

In den Statuten ist festgelegt, dass der Generalvikar der Diözese St. Pölten automatisch auch im Vorstand des Pressvereins vertreten ist. Diese Verbundenheit bedeutet für die diözesanen Mitarbeiter eine Stärkung.

  • Wie unterscheiden sich die NÖN von einer Kirchenzeitung?

Wir wollen auch Menschen mit politischem Anspruch erreichen, die mit Kirche und Glauben nichts am Hut haben.

  • In der NÖN finden sich aber Elemente des Glaubens und der Kirche?

Es gibt bei uns spirituelle Inputs. Die niederösterreichischen Äbte schreiben Kolumnen, damit bringen wir Glaubensbotschaften näher an die Menschen. Das darf man nicht übertreiben, sonst schreckt man manche Menschen vielleicht sogar ab. Aber es soll ein bisschen auch die Geisteshaltung zeigen, die dahintersteht. Inhaltlich sind wir aber kein Teil einer diözesanen Struktur. Diese Unabhängigkeit braucht es auch, um in alle Richtungen frei und unbeeinflusst berichten zu können.

  • Wahren Sie kritische Distanz auch bei heiklen kirchlichen Themen?

Die müssen wir sogar wahren, aber natürlich nicht in einer Kampagnenart. Wir fahren prinzipiell keine Kampagnen, weder in der politischen Berichterstattung, bei Wirtschaftsthemen und auch nicht in kirchlichen Themen, sondern in einer seriösen Berichterstattung.

  • Sie bringen wöchentlich eine Seite mit Berichten aus der Erzdiözese Wien. Warum ist Ihnen das wichtig?

Wir lassen diese diözesanen Seiten von der jeweiligen Kirchenzeitung gestalten, also für die Erzdiözese Wien kommen die Berichte vom „SONNTAG“. Es ist eine kostenlos zur Verfügung gestellte Seite, als besonderer Service für unsere Leserinnen und Leser, die an diesen Themen interessiert sind und auch als Brücke in Richtung derer, die zum Beispiel keine Kirchenzeitungsabonnenten sind. Es ist nicht immer eins zu eins dasselbe Thema. Das liegt ganz in der freien redaktionellen Entscheidung der Gestalter der jeweiligen Kirchenzeitungsredaktion. Mit Sorgfalt und viel Hintergrundwissen werden diese Seiten gestaltet und geschrieben. Wir sind ganz zufrieden und glücklich über diese Kooperation und wollen sie unbedingt weiterführen.

  • Wie halten Sie es persönlich mit dem Glauben?

Ich habe natürlich eine tiefe Verankerung im Glauben, bei allen Krisen, die es im Leben immer wieder gibt. Der Glaube ist einfach eine ganz wichtige Ressource. Ich habe auch immer den Ansatz gehabt, dass Christen eine spezielle Berufung und Aufgabe haben und nicht darauf warten sollten, bis der Klerus irgendetwas tut, sondern dass jeder Einzelne etwas tun kann und tun soll im Sinne eines positiven Wirkens und einer beispielhaften Lebensweise, ohne dass wir jetzt da auch vollkommen sein müssen.

Da hat jeder seinen Platz. Ich finde es einfach befreiend und wunderschön, wenn man aus dem Glauben Kraft schöpfen kann.

  • Die Zeitgeschichte interessiert Sie seit jeher. Wie kam es dazu?

Ich habe mich immer schon sehr für Menschen und ihre Geschichten interessiert. Jeder hat eine spannende Geschichte zu erzählen. Mein Zugang ist, dass Geschichte nichts anderes ist als die Summe von einzelnen Schicksalen. Das setzt sich dann zusammen zur großen Weltgeschichte.

  • Ungewöhnlich ist, dass Sie als Herausgeberin einer Zeitung auch selbst Kolumnen schreiben. Warum ist Ihnen das wichtig?

Ich schreibe sehr gerne, das ist mein Beruf und darauf möchte ich gar nicht verzichten.

  • Wo sehen Sie denn die Zukunft vom gedruckten Lesestoff?

Natürlich positiv. Es ist in allen Medienhäusern ein gewisser leichter Rückgang bei der gedruckten Auflage von Zeitungen zu beobachten. Aber ich sehe das jetzt nicht als das große Problem.

Menschen, die den ganzen Tag vor dem Bildschirm verbringen, sind oft ganz froh, wenn sie in ihrer Freizeit nicht mehr vor dem Bildschirm Zeitung lesen, sondern ein gedrucktes Exemplar in die Hand nehmen können.

Autor:

Stefan Hauser aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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