Ukraine-Konflikt
Mit Kindern über den Krieg sprechen

Schwierige Themen. Zuerst zuhören, dann darüber sprechen.
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Eltern, Großeltern, Pädagoginnen und Pädagogen stehen derzeit vor der Frage, wie man mit Kindern und Jugendlichen über den Krieg spricht. Wie erklärt man, was man selber kaum verstehen kann? „Der SONNTAG“ hat fünf Tipps für Sie.

  1. Wissensstand herausfinden
    „Versuchen Sie herauszufinden, wo das Kind steht“, rät Verena Laimer-Horak, klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin im mobilen Team der St. Nikolausstiftung. „Egal, in welcher Altersstufe sich das Kind befindet, fragen Sie, was es schon von den Geschehnissen in der Ukraine gehört hat. Mit diesen Fragen sieht man, auf welchem Verständnislevel das Kind ist und ob das Ganze überhaupt schon Thema war bzw. ob es sich damit schon beschäftigt hat, ob es Phantasien dazu gibt, Ängste.“

  2. Fragen beantworten
    In einem weiteren Schritt rät die Psychologin dann dazu, die Fragen des Kindes zu beantworten. „Kinder haben meist eine klare Vorstellung, was sie wissen wollen. Und sie haben auch – unbewusst – ein Gespür, wie viel sie vertragen und fragen dann auch nur so weit sie die Informationen verarbeiten können.“ Oft gibt es ganz konkrete Fragen: „Was passiert mit den Kindern, die dort wohnen?“ oder „Was machen die Menschen, wenn ein Panzer kommt?“ Und ganz generell gilt – wie auch sonst: Machen Sie klar, dass Sie da sind und bereit sind zu reden.

  3. Ehrlich bleiben
    Wichtig ist auch: Worüber auch immer die Kinder sprechen wollen, welche Fragen sie auch immer haben, bleiben Sie in jedem Fall ehrlich. „Gerade bei so schwierigen Themen wie einem Krieg ist es auch für uns Erwachsene schwer verstehbar, warum etwas passiert“, sagt Verena Laimer-Horak. Dass wir im Gespräch mit Kindern an Grenzen stoßen, ist damit vorprogrammiert. „Vor allem aber ist es kein Problem“, beruhigt Verena Laimer-Horak. Eltern wissen nicht alles – das dürfen Kinder auch so erfahren. „Am besten ist es dann, zu sagen, schau, ich weiß auch nicht genau, warum das so passiert. Genauso darf man zugeben, dass man manches falsch findet oder beängstigend.“

  4. Medien nutzen
    Medien sind ein Teil unseres Alltags – daran führt kein Weg vorbei. Generell gilt aber – und damit auch jetzt in dieser Situation: „Vor allem Kindergarten- und Volksschulkinder sollten nicht mit ungefilterten Bildern und Eindrücken aus einem Krieg allein gelassen werden“, sagt Verena Laimer-Horak: „Das können sie nicht verarbeiten.“ Realistisch gesehen, werden Kinder Nachrichten aber mitbekommen – sei es in einer Zeitung, die herumliegt, im Radio oder im Fernsehen. Es ist die Aufgabe der Eltern und Großeltern, sie vor einem „Zuviel“ zu schützen. Gerade für ältere Kinder kann man Medien aber auch gut nutzen: So gibt es etwa Nachrichtenformate wie „logo“ auf www.kika.de, die auch schwierige Themen kindgerecht aufbereiten und die man sich gemeinsam anschauen kann.

  5. Hoffnung geben
    Und last but not least: Seien Sie auch bei den schwierigsten Themen so zuversichtlich wie möglich. Die Hoffnung stirbt nicht. Das ist eine Wahrheit, die aus unserem Glauben heraus kommt und die Sie unbedingt und selbstverständlich auch Ihrem Kind vermitteln dürfen. Zeigen Sie im Gespräch mit dem Kind, was weltweit versucht wird, um die Kämpfe zu stoppen und den Konflikt zu lösen. Sprechen Sie über Demonstrationen, erklären Sie, was Sanktionen bringen sollen und wie versucht wird, den Menschen vor Ort und jenen, die flüchten müssen, zu helfen.
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Der SONNTAG Redaktion aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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