Humor in jeder Lebenslage
Den Clown in uns rauszulassen erfordert Mut

Der berühmte Clown Charlie Rivel hat einmal gesagt: ,In jedem Menschen steckt ein Clown. Die wenigsten haben den Mut es zu zeigen.
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Constanze Moritz ist Erwachsenenbildnerin und Coach. Aber Constanze Moritz ist auch Clownin. Als Gwendolin Grübel bringt sie die Menschen dazu über außergewöhnliche, aber auch über die alltäglichsten Dinge zu lachen. Selbst wenn die – auf den ersten Blick – gar nicht zum Lachen sind. Wir sprachen mit ihr darüber, warum Humor uns in einer Krise helfen kann und was wir alle von einem Clown für unseren Alltag lernen können.

Da sitzt sie, die Clownin Gwendolin Grübel – eine große, rote Nase, ein blau weiß gemustertes Kleid, ein altmodischer, cremefarbener Hut und ein breites Lächeln im Gesicht. Eine bunt gemusterte Decke liegt neben ihr auf der Couch. „Manchmal“, sagt sie, „da fällt mir einfach die Decke auf den Kopf.“ Und schon wirft sie die Decke in die Höhe. Und die? Die fällt natürlich direkt auf ihren Kopf.

Ein Wesen aus einer anderen Welt
Gwendolin Grübel ist die Clownin in Constanze Moritz, Erwachsenenbildnern und Coach. Vor einigen Jahren hat Constanze Moritz einen Clownworkshop besucht und dabei „Lust auf Mehr“, bekommen, wie sie heute sagt. In Deutschland machte sie eine 2-jährige, berufsbegleitende Ausbildung in einer Clownschule und entdeckte ihre innere Clownin Gwendolin Grübel. „Ich habe mich immer schon für die Begegnung mit Menschen über geografische und kulturelle Grenzen hinweg interessiert“, sagt sie: „Und deshalb ja auch Sprachen studiert. Vielleicht war der Schritt zur Clownerie daher nur ein logischer? Ist doch die Clownin ein Wesen aus einer anderen Welt.“

Eine andere Welt, die Constanze Moritz seither mit viel Einsatz, Leidenschaft, Liebe zum Detail und Begeisterung erobert und entdeckt. Ganz der Bedeutung des Wortes Clown entsprechend: „Das Wort Clown komme ja auch vom Wort ,Colonus‘, der Kolonist – also jemand, der neues Land besiedelt.“

Vom Clown lernen
Eine andere Welt, die sie aber auch versucht anderen zu vermitteln – etwa als Erwachsenenbildnerin und Coach in ihren Seminaren und Workshops „mit clownesken Methoden“. Oder auch als Clownin Gwendolin Grübel, die bei Veranstaltungen – meist für Erwachsene – auftritt und dort mit einem Augenzwinkern herzerfrischende Stimmung mit- und zu verschiedensten Themen eine ungewöhnliche Perspektive einbringt und im Herzen berührt. „Ich bin überzeugt davon, dass wir alle von einem Clown eine Menge lernen können“, sagt sie: „Dinge, die unseren Alltag enorm bereichern und auch erleichtern könnten.“

Das beginne schon mal bei einer der Grundeigenschaft des Clowns: „Der Clown lebt im Hier und Jetzt. Er lebt von einem Moment zum nächsten“, sagt Constanze Moritz: „Er ist einfach da.“ Das habe natürlich eine ungeheure Intensität. „Der Clown weiß nicht, was kommt und er versucht nicht einmal, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten. Er hat eine positive Grundhaltung und die lässt ihn verblüffende Dinge tun: er sagt zum Beispiel einmal zu allem, was ihm angeboten wird ,ja‘ und schaut dann was daraus wird.“

Ein Clown begegne Allem, auch allem Neuen, somit mit ganz viel Neugierde, mit einer großen Offenheit, großer Unvoreingenommenheit und Leichtigkeit – selbst wenn es Probleme gibt. „Ich möchte sogar sagen“, so Constanze Moritz: „Er hat geradezu einen tiefen, einen lustvollen Zugang zum Scheitern. Er geht einfach unheimlich gelassen mit Fehlern um. Er bewertet nicht. Er sagt nicht, was richtig ist und was falsch, ist weder erfolgs- noch leistungsorientiert.“

In jeder Lebenslage
Und ein Clown passt damit eigentlich sehr gut in jede Lebenslage, ist Constanze Moritz überzeugt. „So ein Leben im Moment, eine Offenheit und Gelassenheit, Neugierde, Leichtigkeit und Unvoreingenommenheit, so ein spielerischer Zugang zu und Umgang mit den Dingen, das hat schon was. Es kann wirklich in jeder Lebenslage hilfreich sein, sich selbst, den Moment, die Situation nicht zu ernst zu nehmen.“

Den Clown in uns rauszulassen, habe damit aber natürlich auch immer etwas mit Mut zu tun. „Der berühmte Clown Charlie Rivel hat einmal gesagt: ,In jedem Menschen steckt ein Clown. Die wenigsten haben den Mut es zu zeigen‘“, so Constanze Moritz. „Vielleicht sollten wir alle in diesem Sinn viel mutiger sein und uns viel mehr bewusst machen, was für eine wichtige Ressource Humor sein kann.“

Gerade auch in Krisenzeiten wie derzeit, könne es nämlich durchwegs hilfreich sein, so vielem wie möglich mit Humor zu begegnen und auch ein bisschen mehr den Clown in uns zu suchen – und rauszulassen.

„Niemand hat es derzeit leicht – es gibt Ängste, Einsamkeit, Konflikte, Sorgen. Und auf all das immer einen humoristischen Blick zu haben, darüber zu lachen, ist natürlich zu viel verlangt“, sagt Constanze Moritz. Aber manchmal gelinge es uns vielleicht. Vielleicht auch mit dem einen oder anderen ,Clowns-Trick‘ – wenn wir etwa etwas sehr spielerisch angehen, etwas bildlich verstehen, etwas übertreiben. „Vielleicht können wir so in einer schwierigen Situation eine innere Distanz schaffen und aus dieser inneren Distanz heraus über die Situation lachen.“ So wie es eben auch Gwendolin Grübel mit der Decke macht, die ihr auf den Kopf fällt. „Das ändert die Situation im Grunde natürlich nicht, aber es hilft uns vielleicht, die Situation so anzunehmen, wie sie nun eben einmal ist. Oder es schenkt uns vielleicht ein Lachen, oder wenigstens ein Schmunzeln.“ Und Lachen sei ja erwiesenermaßen sehr gesund, sagt Constanze Moritz: „Lachen baut Stresshormone ab und setzt Glückshormone frei. Lachen stärkt das Immunsystem.“

Einen anderen Blickwinkel einnehmen
In ihren Seminaren und Workshops treffe sie immer wieder Leute, die Sorge haben, jetzt, wo der Clown – in diesem Fall die Clownin – anwesend ist, müssen sie lustig sein. „Aber darum geht es nicht“, sagt Constanze Moritz: „Ein Clown ist ja nicht automatisch, nicht immer und nicht nur lustig. Aber er hat vielleicht einen anderen Blick auf eine Situation. Und in seine Fußstapfen zu treten, oder diesen Blickwinkel einzunehmen, ist vielleicht sehr heilsam. Einen Versuch ist es in jedem Fall wert.“

Nähere Informationen über die Arbeit von Constanze Moritz (und Gwendolin Grübel) unter www.clownenundstaunen.at

Autor:

Andrea Harringer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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