Die Sonntagsspaziergänge
2 Beine, 2 Reifen, 1 Team: Spazieren mit dem Rad

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Heute interpretiere ich das Spazierengehen ein wenig freier: Ich steige auf mein Fahrrad und spaziere sozusagen auf 2 Reifen raus aus Wien. Den Wienflussweg entlang und noch ein Stückchen weiter. Mit dem Fahrrad bin ich ein wenig schneller unterwegs als zu Fuß, aber nicht weniger gemütlich.

Ich will sehen, was sich mit dieser Art der Fortbewegung alles entdecken lässt.

Sie ist ein wiedergefundenes „Kind“ der vielen Lockdowns: Meine Liebe zum Fahrrad-Fahren. Seit mehr als einem Jahr steige ich anstatt in die U-Bahn lieber auf mein rotes KTM-Rad, liebevoll Rosinante genannt – ja richtig, wie Don Quichotes alter Klappergaul. Vor gut 30 Jahren habe ich es von meinen Eltern bekommen und es trägt mich immer noch sicher und verlässlich bei Wind und Wetter durch die Straßen bis in die Redaktion am Stephansplatz.

Mitten im Flussbett

Heute darf es sich aber gemeinsam mit mir abseits von Autolärm und Großstadthektik bewegen. Ich starte an einem Freitag in der Früh. Die Sommerhitze soll mir meine kleine Fahrradtour ja nicht vermiesen. Außerdem weiß ich, dass der Teil des Weges, der der Sonne stärker ausgesetzt ist, bis etwa 9.30 Uhr noch teilweise im Schatten ist – das möchte ich nutzen.

Der Wienfluss war früher ein recht unberechenbares und auch nicht immer ungefährliches Gewässer. Und auch heute kann er bei langen Regenperioden oft recht wild daherkommen – da ist dann schon mal der Wienflussweg gesperrt, an manchen Stellen sogar komplett unter Wasser. Meistens aber fließt die Wien ruhig und beschaulich dahin.

Den Wienflussweg gibt es übrigens seit 2010 – radeln, spazierengehen, Roller oder Skateboard fahren ist seither hier im Grunde mitten im Flussbett möglich. Gerade von vielen Radfahrern wird er aber nicht nur für Freizeitspaß genutzt, sondern besonders gerne auch als schnelle Verbindung und Teil des Radwegnetzes in die Wiener City.

Verschiedenste Gesichter
Ich bewege mich heute allerdings in die entgegengesetzte Richtung: Hinaus aus Wien. Bei der Kennedybrücke in Hietzing geht es los. Die Sonne scheint so stark vom Himmel, dass ich recht froh darüber bin, dass die Bepflanzung da und dort und auch die eine oder andere Brücke noch ein wenig Schatten spenden. Selbst über den Wind, der in Wien ja so gut wie immer weht und hier in der Schneise des Wienflussweges besonders stark pfeift, bin ich froh. Auch wenn er das Fahren ein wenig erschwert. Bei der Rückfahrt wird’s besser, tröste ich mich, denn da wird mich der Wind regelrecht nach Osten blasen.

Ich fahre vorbei an wunderschönen alten Gründerzeithäusern und modernen Bauten. Immer wieder gibt es entlang der Strecke „Ausstiege“ – lange Rampen, die das Verlassen des Wienflussweges an verschiedensten Stellen möglich machen.

Ich lasse das Allianzstadion, das mir als Rapid-Fan geradezu entgegenlacht, hinter mir und komme jetzt in den beschaulicheren Teil des Wienflussweges. Der hat nämlich tatsächlich die verschiedensten Gesichter: Am Anfang noch mehr „Highway“, später dann nahezu idyllischer Weg am (renaturierten) Fluss. Was mir besser gefällt, muss ich nicht überlegen. Auch wenn der Weg, je näher ich dem Auhofcenter komme, immer schmäler wird, ist es hier doch ganz besonders schön. Viele sitzen hier auch direkt am Fluss, kühlen ihre Füße im Wasser – fast ein bisschen so, wie an einem Bächlein auf einer Bergtour. Eine solche im Miniminiminiformat muss ich kurz unternehmen, denn an einer Stelle des Wienflussweges muss man ein paar Stufen überwinden, um weiter zu kommen. Gott sei Dank wurde hier für alle Fahrradfahrer eine Schiene angebracht, auf der man sein Fahrrad nach oben bewegen kann – wer es liebt, der schiebt. Sozusagen.

Oben angekommen, geht es aber auch schon im Sattel weiter. Langsam komme ich wieder in eine belebtere, befahrenere Gegend, muss sogar, um weiter dem Radweg folgen zu können, eine Straße – die Badgasse – kreuzen und fahre dann auf der anderen Seite noch bis zur Bahngasse wenige Meter weiter. Hier endet der

Wienflussweg.
Aber ich habe noch nicht genug. Möglichst autofrei möchte ich noch bis Purkersdorf fahren und weiß, wie das möglich ist: Wenn ich mich links halte und dem sich auftuenden Radweg folge, vorbei am Auhofcenter. Hier neben der B1 sind natürlich eine Menge Autos – aber nach nicht einmal fünf Minuten bin ich bei der Alois Czedik Gasse angelangt, hier fahre ich nach rechts, beim Bahnhof Wien Weidlingau über den Steg und bin schon wieder mitten im Idyll: ein nicht asphaltierter Weg, viele Bäume und der Wienfluss etwa drei Meter unter mir.

Hier radelt man selbst am heißesten Sommertag bei erträglichen Temperaturen. Nebenbei bemerkt, hat der Weg auch noch einen netten Namen: Christkindlweg. Zwischendurch geht es auch durch die eine oder andere Siedlung – aber auch hier: kaum Autos, nur wenige Fußgänger und ein paar andere Radfahrer.

Endstation St. Jakob
Erst beim Bahnhof Unter Purkersdorf geht es wieder auf die Straße – die Bahnhofsstraße, eine recht breite und kaum befahrene Allee, die in die Wiener Straße mündet und schließlich über eine Unterführung direkt zum Purkersdorfer Hauptplatz führt.

Hier statte ich noch der Kirche St. Jakob einen Besuch ab. Ich zünde eine Kerze an und mache mich wieder auf den Heimweg. Wie erwartet, ist der wesentlich flotter und weniger anstrengend als der Hinweg – den Wind im Rücken, komme ich nach etwa 1 Stunde wieder an meinem Ausgangspunkt, der Kennedybrücke in Hietzing, an.

Kleiner Tipp: Wenn Sie es einrichten können, probieren Sie den Weg doch an einem Freitag aus – da ist in Purkersdorf nämlich Markttag und es werden am Hauptplatz allerlei regionale Köstlichkeiten von Gemüse über Käse bis hin zu Brot und Fleisch angeboten.

Serie „Sonntagsspaziergänge"

Autor:

Andrea Harringer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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