Wort zum Sonntag von P. Vitus Weichselbaumer OSB
Gezeichnet mit dem „Gütesiegel“ Gottes

Die Kirche auf dem Berg der Seligpreisungen nördlich vom See Gennesaret hat einen achteckigen Grundriss. In den Fenstern unterhalb der goldenen Kuppel stehen acht Seligpreisungen – der Evangelist Matthäus überliefert neun, Lukas hingegen nur vier. Wie auch immer – es sind heilbringende Voreinstellungen, die uns ein Leben nach dem Willen Gottes überhaupt ermöglichen.
  • Die Kirche auf dem Berg der Seligpreisungen nördlich vom See Gennesaret hat einen achteckigen Grundriss. In den Fenstern unterhalb der goldenen Kuppel stehen acht Seligpreisungen – der Evangelist Matthäus überliefert neun, Lukas hingegen nur vier. Wie auch immer – es sind heilbringende Voreinstellungen, die uns ein Leben nach dem Willen Gottes überhaupt ermöglichen.
  • Foto: Harald Oppitz/KNA
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War es früher die große Herausforderung, überhaupt für den Lebensunterhalt genug zu haben, ist die Größe der Auswahl und das reiche Angebot verschiedener Waren ein Charakterzug unserer Zeit. Gerade in den letzten Jahren ist uns dabei angesichts des Zustandes unserer Erde immer bewusster geworden, dass mit der konkreten Auswahl eines Produkts auch eine hohe Verantwortung verbunden ist. Woher kommt es? Wer hat es woraus unter welchen Bedingungen hergestellt? Eine klarere Kennzeichnung soll helfen, die Produktentscheidung bewusst zu treffen, so eine wiederkehrende Forderung.

Ein Siegel bekommen in der Vision des Sehers Johannes die Knechte Gottes (Offb 7,3), die sich im weiteren Verlauf mit der großen „Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen“ (Offb 7,9) verbinden, um vor dem Thron Gottes den Lobpreis zu singen. Auch hier tauchen ähnliche Fragen auf: Woher kommen sie? Wer sind sie? Aus welchen Umständen sind sie hergekommen? Die knappe Antwort von der Bedrängnis erschließt sich uns besser mit Blick auf das Evangelium. Die Umstände, unter denen die von Jesus Seliggepriesenen leben, führen oft in Bedrängnisse. Gegen den Strom derer, die Gott nicht erkannt haben, nicht nach irdischem Reichtum streben, gegen den Strom barmherzig sein, gegen den Strom keine Rache wollen, gegen den Strom an der Wahrheit festhalten, an der Reinheit und Aufrichtigkeit und trotz Verleumdungen und Verfolgungen – das führt in Bedrängnisse, in denen die mit dem „Gütesiegel“ Gottes Gekennzeichneten ihre Gewänder im Blut des Lammes weiß gemacht haben.

All das, was in den Seligpreisungen aufgezählt wird, sind nicht Vorleistungen und Prüfungen, anhand derer Gott beurteilen kann, ob wir der Heiligkeit würdig sind, sondern es sind heilbringende Voreinstellungen, die uns ein Leben nach dem Willen Gottes überhaupt ermöglichen. Wer ein solches Leben führen will, braucht wohl nicht erst Bedrängnisse suchen, sie kommen meist ganz von selbst. Und Gott schaut dabei nicht prüfend zu, sondern er geht mit dem Kreuz voran, denn es ist sein Blut und nicht unseres, das die Gewänder der Heiligen weiß macht. Und er drückt das Siegel in unsere Persönlichkeit. Viele Produkte tragen irgendein selbstgebasteltes „Siegel“ der Firma, aber Vertrauen verdient doch nur das, was von einer höheren Autorität bescheinigt wird.

Das Licht kommt von Gott

Kehren wir zum Bild der großen Schar zurück. Gott ruft uns, ein Teil davon zu sein, wie er selbst in Jesus Christus Teil davon geworden ist. Die Ansprüche, die Jesus äußert, scheinen uns manchmal unerreichbar. Leichter tun wir uns dann, wenn wir uns in dieser Schar wissen und das Leben der Heiligen betrachten. Jeder einzelne Heilige zeigt uns vor, wie es gehen kann, einem Ideal nachzustreben – nicht als Einzelner, sondern als einer aus einer großen Schar. In unserer Klosterkirche Gleiß sind in den Seitenschiffen Glasfenster angebracht, auf denen je ein Heiliger mit einer Seligpreisung zu sehen ist. Nirgendwo stehen alle, überall nur eine Seligpreisung. Natürlich heißt das nicht, dass die anderen Seligpreisungen keine Rolle in deren Leben gespielt hätten. Aber es vermittelt: Ich muss nicht allein perfekt sein. Alle Heiligen gemeinsam aber haben alle Seligpreisungen umgesetzt. Und die Tatsache, dass es Glasfenster sind, verdeutlichen: Das Licht – das Weiß der Gewänder – kommt nicht von mir, sondern von woanders – von Gott. Wir müssen die Vollendung nicht als einsamen Kraftakt erreichen. So macht es uns das Allerheiligenfest leichter, die Ansprüche der Seligpreisungen nicht als erdrückend, die Bedrängnisse, durch die wir auf das Heil zugehen, nicht als Überforderung anzusehen. In den Heiligen werden diese großen Ideale vermenschlicht und auch für uns lebbar.

Woher kommen wir? Welchen Charakter haben wir? Die Antworten darauf werden unterschiedlicher nicht sein können. Aber wir alle Getauften tragen das Siegel, das uns mit Gewissheit als Kinder Gottes ausweist, als Teil dieser großen Schar, die berufen ist, bei Gott zu sein.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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