Unsere neue Sommerserie: Kirchen der Hoffnung
Hoffnung im Zeichen des Kreuzes
- Gertrude Scherner in der Kirche.
- Foto: Leopold Schlager
- hochgeladen von Kirche bunt Redaktion
Für die kleine Pfarre Maria Jeutendorf ist die Erwählung als „Hoffnungskirche“ eine große Auszeichnung. Eine besondere Beziehung zur Diözese besteht durch das Kloster der Karmelitinnen.
Maria Jeutendorf ist eine Kirche der Hoffnung“, sagt Gertrude Scherner und verweist auf die Worte „Siehe deine Mutter“, die im barocken Kirchenraum hoch über dem Altar am Rundbogen stehen. „Jesus hat uns vom Kreuz herab seine Mutter zu unserer Mutter gegeben.“ Das Kreuz ist das zentrale Motiv am Hochaltar. Darunter befindet sich das Bild der Schmerzhaften Muttergottes, auch „Maria mit dem geneigten Haupt“ genannt. „Dieses Bild lädt alle Menschen herzlich ein: Kommt alle zu mir, die ihr voll Sorgen beladen seid“, sagt die pensionierte Caritas-Mitarbeiterin.
Das Pilger-Armband mit den Buchstaben-Perlen hat „voll eingeschlagen“, ist Gertrude Scherner begeistert. Viele Menschen besuchen die heilige Messe und nehmen sich eine Perle mit. Aber auch die vielen Opferkerzen sind Zeichen der Hoffnung, mit der sich die Menschen an die Gottesmutter wenden und ihre Fürsprache bei Gott in vielerlei Nöten erbitten. Und noch nie brannten so viele Kerzen wie in der Zeit der Corona-Pandemie.
Bereits am 26. Jänner hat Diözesanbischof Alois Schwarz die „Hoffnungsmesse“ mit der Pfarre gefeiert. Mit etwa 500 Katholiken ist Maria Jeutendorf eine kleine Pfarre. Hier zählt jeder einzelne, es fällt auf, wenn jemand fehlt. „Das ist Gemeinschaft“, freut sich die nunmehrige ehrenamtliche Pfarrsekretärin. Junge Familien bringen sich aktiv ins Pfarrleben ein. Beachtlich ist auch die Schar von 12 Minis.
„Gott ist da. Ohne viele Worte. Ohne große Gesten.“
Seit 2017 bildet die Pfarre mit Böheimkirchen, Kirchstetten und Totzenbach einen Pfarrverband. Gemeinsam besuchte man mit Maria Dreieichen und Stift Zwettl zwei weitere Hoffnungskirchen. Eine Wallfahrt nach Lilienfeld und Mariazell bietet im September nochmals Gelegenheit, Hoffnungsperlen zu sammeln. Von Mai bis Oktober kommen wiederum Marienverehrer nach Maria Jeutendorf zu den Fatimafeiern.
Warum ist Maria Jeutendorf ein Hoffnungsort für die Diözese St. Pölten und für jeden einzelnen Gläubigen? „Diese Frage lässt sich wohl am besten mit einem persönlichen Zeugnis beantworten“, sagt Pfarrer Kingsley Uzor. „Als ich vor zehn Jahren zum ersten Mal diese Kirche betrat – noch neu in Österreich, unsicher, fremd in Sprache und Umgebung –, war mein erster Eindruck: Gott ist da. Ohne viele Worte. Ohne große Gesten“, erinnert sich der Seelsorger. „Es war etwas in der Atmosphäre: die Stille, die offene Tür, das wunderschöne Marienbild, das Licht – und die betenden Menschen. Ich fühlte mich getragen – und zugleich eingeladen. Maria Jeutendorf wurde für mich zu einem Ort der Geborgenheit, der inneren Ruhe, der Hoffnung.“
Das ist für ihn bis heute spürbar: „Diese Kirche steht im Herzen der Gemeinde – offen, schlicht, kraftvoll. Viele, besonders Wallfahrerinnen und Wallfahrer, finden hier in Maria Jeutendorf Trost, Licht und neue Zuversicht.“
Mit der Diözese St. Pölten verbindet die Pfarre besonders das Kloster der Karmelitinnen. Es geht auf eine Initiative von Bischof Dr. Franz Žak zurück, der zum 200-Jahr-Jubiläum der Diözese St. Pölten einen Ort des kontemplativen Gebets in der Diözese wünschte. Im September 1985 kamen die ersten Karmelitinnen von Mariazell in das frühere Servitenkloster Jeutendorf.
„Gelebter Glaube ist Hoffnung“
Heute leben neun Schwestern in der Gemeinschaft. Sie arbeiten im Garten, malen Ikonen, gestalten Kerzen und führen eine Hostienbäckerei. Vor allem aber: Sechs Stunden täglich sind dem Gebet vorbehalten – denn „nur aus dieser Beziehung zu Christus heraus wird es echtes christliches Leben geben“, sagt Priorin Sr. Elia. „Gelebter Glaube ist Hoffnung“, ergänzt Sr. Johanna, die auch Novizenmeisterin ist. Die biblische Zusage „Unsere Hoffnung ist der Herr“ gelte auch im klösterlichen Alltag. „Wir leben nicht vom Verzicht her“, betont Sr. Elia, „wir sind keine Opferseelen, sondern eine fröhliche Gemeinschaft.“ Das Kloster sei ein Pilgerweg, der dazu hilft, loslassen zu lernen und sich auf Gott hin auszurichten – ein Weg mit einem lichtvollen Ziel, in Verbindung mit den Menschen. Die Gemeinschaft betet für Anliegen, die übermittelt werden, lädt zu „stillen Tagen“ im Gebet, im Vertrauen darauf, dass Gott für alles Weitere sorgt.
Im Herbst wird das
40-Jahr-Jubiläum gefeiert
„Maria Jeutendorf ist das schönste Karmelitenkloster in Österreich“, ist Sr. Elia überzeugt. Vor den Fenstern des Gesprächszimmers blühen zum Zeitpunkt des Besuches gerade die Kastanien. Im Herbst, wenn sich ihre stacheligen Hüllen öffnen, begeht die Gemeinschaft am Fest der Schmerzhaften Muttergottes ihr 40-jähriges Jubiläum in Maria Jeutendorf mit Weihbischof Anton Leichtfried. Dass Pilger hier offene Kirchentüren finden, ist den Karmelitinnen zu verdanken, die gern den nachbarschaftlichen Dienst des Öffnens und Schließens der Kirchentür versehen – zur Freude mancher Pilger auf dem Weg nach Mariazell, als Ort der Hoffnung auf dem Pilgerweg zu Gott. Von Leopold Schlager
Spiritueller Impuls
Maria Jeutendorf ist ein Hoffnungsort – weil hier Menschen Gott begegnen.
Und wo Gott wohnt, da kann Hoffnung wachsen. Es ist ein Ort, an dem die Sorgen leiser und die Gebete lauter werden dürfen. Ein Ort, an dem die Gegenwart Gottes nicht nur verkündet, sondern gelebt wird – auch durch die stille Nähe der Klosterschwestern, die das geistliche Klima mittragen. Wir können nicht ohne Hoffnung leben. Denn Hoffnung ist das, was uns aufstehen lässt, selbst wenn es dunkel ist. Hoffnung ist der Glaube, dass das Morgen mehr bereithält als das Gestern. Sie ist leise – aber sie trägt. Sie ist kein bloßes Wunschdenken, sondern tiefes Vertrauen: Gott wird sein – immer und überall. Wer hofft, lebt in Erwartung. Nicht aus Angst, sondern in Zuversicht. Und diese Hoffnung ist kein Zufall – sie wächst an Orten wie Maria Jeutendorf. Hier wird sie genährt – im Gebet, in der Stille, in der Begegnung. Deshalb ist Maria Jeutendorf ein Hoffnungsort – für die Diözese, für die Menschen, für jeden Einzelnen, der Sehnsucht nach Trost, Sinn und Gott verspürt. Von Pfarrer Kingsley Uzor
Pilgerweg: Maria Jeutendorf liegt nicht unmittelbar an größeren Pilgerwegen. Nord-östlich führt der Jakobsweg von Würmla nach Göttweig vorbei.
Route: Vom Friedhof in Pottenbrunn aus gehen jährlich Pilger aus Pottenbrunn, Ratzersdorf und St. Pölten-Wagram nach Maria Jeutendorf. Parkmöglichkeit beim Friedhof Pottenbrunn (Achtung Fahrradstraße mit Tempo 30, Vorrang für Radverkehr). Der Weg beginnt in einer Kellergasse und verläuft ohne Abzweigung zum Wallfahrtsort. Gehzeit ca. eine Stunde.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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