Sommerserie: Wehrkirche Weißenkirchen
Ein Lächeln als Zeichen der Hoffnung

Die Wehrkirche von Weißenkirchen | Foto: K. Lugmayer/Stock.Adobe
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Mitten in der malerischen Wachau erhebt sich die Wehrkirche Maria Himmelfahrt über den Ort von Weißenkirchen – als Kirchenfestung thront sie mit drei Ecktürmen über der Gemeinde weithin gut sichtbar. Im Heiligen Jahr 2025 ist die Wehrkirche eine der 13 „Kirchen der Hoffnung“. Folge 11 unserer Sommerserie.

Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass wir im heurigen Heiligen Jahr eine der 13 diözesanen Kirchen der Hoffnung sein dürfen“, sagt Pfarrmoderator Przemyslaw Kocjan. Und er betont: „Es ist schön, dass in dieser besonderen Zeit zahlreiche Pilgerinnen und Pilger unsere Kirche besuchen – sowohl aus unserer eigenen Diözese, als auch von weiter her.“ Als Pfarre in einer touristisch geprägten Gemeinde sei man daran gewohnt, so der Pfarrmoderator, dass tagtäglich Menschen die Kirche aufsuchen, um dort den Gottesdienst mitzufeiern oder um für einen Moment der Stille, des Gebets und der Begegnung mit Gott zu verweilen. Heuer bemerke man, dass viele Menschen bewusst auf Pilgerschaft sind, eine Kirche der Hoffnung aufsuchen und Perlensteine für das Pilgerarmband sammeln.

Viele der Menschen nutzen auch das Angebot der professionellen Kirchenführung, die liebevoll und mit Fachwissen von Hilde Netter angeboten wird. Zu erzählen hat Frau Netter sehr viel, denn die Wehrkirche Maria Himmelfahrt gilt als eine der bedeutendsten Kirchenfestungen in Niederösterreich.

Die Pfarre Weißenkirchen gehörte bis in die 1950er-Jahre herauf zum Stift St. Florian.

Die Ursprünge der Pfarrkirche von Weißenkirchen in der Wachau gehen ins Jahr 1000 zurück, als sich hier bereits eine Kapelle befand. In der Frühgotik (Ende 13. Jhdt.) entstanden der weiße Turm und ein Mittelschiff. Das nördliche Seitenschiff wurde um 1439 errichtet und mit dem Bau des großen Turms wurde 1450 begonnen, nach einem Brand 1502 wurde der Turm erhöht.

Die spätmittelalterliche Befestigung wurde um 1500 erbaut und ist größtenteils heute noch erhalten. Sie bildet mit dem darunterliegenden Teisenhoferhof eine einheitliche Wehranlage. Etwa um die gleiche Zeit entstanden auch der Nebenchor und die Sakristei. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden an der Kirche einige Änderungen vorgenommen, zu denen der Einbau eines gotischen Portals aus Wieselburg gehörte.

Schutz vor feindlichen Heeren

Die gut befestigte Wehrkirche bot Schutz, denn nicht wenige Heere zogen durch die Wachau. Im Bergeraum im Turm der Kirche versteckten in damaligen Zeiten die Bürger aus Weißenkirchen ihr Hab und Gut. Um 1530 gab Kaiser Ferdinand I. den Befehl, die Wehranlage zu verstärken. „Wie klug durchdacht diese Anlage ist, zeigt sich auch in der Tatsache der Wendeltreppe, die sich ganz untypisch gegen den Uhrzeigersinn in die Höhe windet“, wie Kirchenführerin Hilde Netter weiß. „So konnten potenzielle Eindringlinge ihr Schwert beim Aufstieg nicht zum Angriff bereithalten.“

Auch wenn im Laufe der Jahrhunderte mehrfach Brände in der Wehrkirche ausbrachen, blieb vieles erhalten. Auch das imposante Dachgebälk, das aus dem 16. Jahrhundert stammt und für dessen stabile Konstruktion kein einziger Nagel benötigt wurde, ist original erhalten.

Eigene pfarrliche Rechte erhielt die Kirche um 1450. 1632 wurde sie zur selbständige Pfarrkirche und erhielt 1685 einen eigenen Friedhof außerhalb des Ortes. 1736/1738 wurde das Langhaus barockisiert. 1793 wurde bei einem Brand das Kirchendach zerstört.

„Das Lächeln Marias und Jesu lädt uns ein, Hoffnung zu schöpfen.“

Beim Betreten der Kirche fällt der Blick auf die Kanzel (1742) mit den vier geschnitzten Evangelisten. Von der ursprünglich gotischen Einrichtung blieben das Taufbecken aus rotem Marmor in der Taufkapelle, das Weihwasserbecken und die Muttergottesstatue mit Jesuskind (1520) erhalten. Jene Statue, die eine zart lächelnde Madonna und ein lächelndes Jesuskind zeigt und zu der Pfarrer Przemyslaw Kocjan einen Impuls geschrieben hat (siehe auf dieser Seite rechts oben). Darin betont er: „Das Lächeln Marias und Jesu lädt uns ein, Hoffnung zu schöpfen.“

Der schwarz-goldene Hauptaltar (die Farben Schwarz und Gold kamen im 17. Jahrhundert in Mode) zeigt das Ölgemälde „Maria Himmelfahrt“ von Karl Ritsch (Anfang des 18. Jhdt.). Dieses wird umrahmt von vier monumentalen Heiligenfiguren: heiliger Josef, heiliger Joachim, heilige Anna und heiliger Johannes der Täufer. 1775 baute der Kremser Orgelmacher Joseph Gatto die in grün-gold gehaltene Barockorgel, welche 2002 originalgetreu restauriert wurde.

Kultur, Alltag und Weinbau

Über die Jahrhunderte hatten mehr als 70 Klöster aus Österreich und Bayern große Besitzungen in der Wachau und betrieben den Weinbau über eigene Lesehöfe. Die Pfarre Weißenkirchen gehörte noch bis in die 1950er-Jahre hinein zum Stift St. Florian (OÖ). Für die umliegenden Dörfer hatte die Pfarrkirche eine wichtige Funktion: Nicht nur als Wehrkirche und als Ort, wo man Gottesdienste besuchte, beichtete und das Brauchtum lebte, sondern auch für den Alltag. So läutete den Weinbauern die als „Elferin“ bekannte Glocke, die über 500 Jahre alt ist, jeden Tag um elf Uhr zum Mittagessen, denn gegessen wurde um 11.30 Uhr. Es war eine Zeit, zu der die Kinder von Weißenkirchen und Umgebung noch in der Schule waren. Am Fuße des Kirchturms befindet sich nämlich die älteste Schule Österreichs. Sie ist seit 1385 durchgehend in Betrieb – bis heute. SP

Spiritueller Impuls von Pfarrmoderator Przemyslaw Kocjan

Wo schöpfen wir Hoffnung?


In der Kirche von Weißenkirchen steht eine besondere Madonna. Wer ihr ins Gesicht blickt, entdeckt etwas Ungewöhnliches: Sie lächelt – und mit ihr auch das Kind Jesu auf ihrem Arm.

Dieses Lächeln ist mehr als nur eine Darstellung. Es ist ein Zeichen der Hoffnung. Inmitten all dessen, was uns im Alltag belastet – Sorgen, Zweifel, Unsicherheit – begegnet uns hier ein leises, aber kraftvolles „Fürchte dich nicht“. Es erinnert uns daran, dass Gott mitten unter uns ist – menschlich, nahbar, liebevoll.

Das Lächeln Mariens und Jesu lädt uns ein, Hoffnung zu schöpfen. Nicht aus eigenen Kräften, sondern aus der tiefen Gewissheit, dass wir nicht allein sind. Dass es Licht gibt – auch wenn der Weg manchmal dunkel ist.


Informationen

Pfarrmoderator Przemyslaw Kocjan betreut die Pfarrkirchen in Weißenkirchen und Wösendorf. Die Wehrkirche ist im Jubiläumsjahr täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet.

Die Termine für die Gottesdienste sind im Internet erfragbar unter: https://pfarreweissenk-wachau.jimdo-free.com/pfarrleben/gottesdienstordnungen/. E-Mail: pfarreweissenk-wachau@aon.at; Tel. 02715/2203.

Kirchenführungen durch die Wehrkirche Weißenkirchen sind gegen Voranmeldung möglich. Im Mittelpunkt stehen dabei die Baugeschichte, Innenausstattung der Kirche sowie die Bedeutung der Heiligenstatuen und deren Symbole. Besichtigt werden auch normalerweise versperrte Teile der Kirche und Wehranlage. Dauer ca 1,5 Stunden.
Voranmeldung bei Hilde Netter unter: Tel. 02715/2522; Mobil: 0664/735 954 53; E-Mail: hh.netter@gmx.at

Die Wehrkirche von Weißenkirchen | Foto: K. Lugmayer/Stock.Adobe
Die von Orgelmacher Joseph Gatto erbaute Orgel. | Foto: zVg
Die lächelnde Madonna und das lächelnde Jesuskind | Foto: zVg/Pfarrhomepage
Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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