Musiktherapie
Musiktherapie: Wo Musik zur Begegnung wird

Sr. Katharina Fuchs arbeitet mit verschiedenen Instrumenten, u.a. mit Balafon (Foto), Gitarre und Kantele.  | Foto: ÖOK
  • Sr. Katharina Fuchs arbeitet mit verschiedenen Instrumenten, u.a. mit Balafon (Foto), Gitarre und Kantele.
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Sr. Katharina Fuchs ist Musiktherapeutin und Ordensfrau.
Sie erzählt über diese ungewöhnliche Kombination, die sich
bei näherer Betrachtung als stimmiges Ganzes erweist.

Musik begleitet das Leben von Sr. Katharina Fuchs von Kindheit an: Als Kind hat sie im Gottesdienst stets ungeduldig auf den Beginn des Gesangs gewartet. Wenn alle zu singen begannen, hatte sie das Gefühl, wieder wirklich dabei zu sein.

„Musiktherapeutin zu werden, war meine erste Berufung“, erklärt Sr. Katharina, Ordensfrau in der Kongregation der Helferinnen. „Musiktherapie ist eine künstlerisch-therapeutische Methode, die Musik einsetzt, um eine therapeutische Beziehung aufzubauen und zu gestalten.“
Perfektion ist dabei weder Ziel noch Maßstab. „Die Musik gehört allen. Musik spricht Menschen auf einer anderen Ebene an. Sie funktioniert ohne Worte“, sagt Sr. Katharina. Was zählt, sei der Moment der Verbindung zwischen zwei Menschen – die Begegnung, die im gemeinsamen Klingen entsteht.

Musik am Krankenbett

Sr. Katharina arbeitet im Krankenhaus, an Betten von Patientinnen und Patienten – ob nach einem Schlaganfall, in der Psychiatrie, auf einer Wachkoma-Station oder im Palliativbereich.
Sie kommt mit einer Gitarre auf dem Rücken und einer pentatonisch gestimmten Kantele im Arm, einem Saiteninstrument, auf dem es keine falschen Töne gibt.
„Probieren Sie einmal“, sagt sie den Menschen. Und überraschend oft streckt jemand die Hand aus und probiert es aus. In ihrem Repertoire befinden sich auch Instrumente wie Monochord, Regenstab, Balaphon oder Metallophon.

Ein Volkslied taucht wie eine Insel auf.

In der Arbeit mit Menschen mit Demenz erlebt sie, wie ein bekanntes Volkslied wie eine Insel auftaucht inmitten von Verwirrung – ein Moment, in dem ein Mensch sich wiederfindet, sich erkennt, kurz spürt: „Ich weiß etwas, ich kann etwas.“ Plötzlich können drei Strophen aus der Erinnerung gesungen werden, die Augen leuchten auf. Solche Momente nennt Sr. Katharina „Inseln in einem großen, chaotischen Ozean“ – flüchtig, aber real und bedeutsam.

Bei Patienten im Hospizbereich wird ein gewünschtes Lied manchmal zur Brücke in Lebensgeschichten, zur Sprache für das, was noch gesagt werden muss. Und manchmal ist es schlicht eine Ablenkung – etwas Schönes, das nichts mit Sterben zu tun hat. „Man darf mich auch wegschicken“, erzählt sie.

Was Sr. Katharina an ihrer Arbeit am meisten fasziniert, ist nicht der therapeutische Erfolg, sondern der Moment, in dem das Gefälle zwischen Therapeutin und Patientin aufgehoben wird. „Wir erleben beide gleichermaßen, dass da etwas lebendig ist.“ Ein Zitat von Martin Buber kommt ihr dabei in den Sinn: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“

Kunst tritt in Sr. Katharinas Leben vor allem dort in Erscheinung, wo sie Ordnung und Freiheit gleichzeitig erfährt – im klassischen indischen Tanz.
Der Stil, den sie tanzt, heißt „Bharatanatyam“, ein südindischer Tempeltanz mit über 4.000 Jahren Geschichte, eng verbunden mit der südindischen klassischen Musik. Während ihres Musiktherapiestudiums in Wien entdeckte sie am Sportinstitut einen Kurs – und begann zu lernen, was ihr auf einer Indienreise noch als unlernbar beschrieben worden war.

Tanz zwischen Ordnung und Freiheit

Der Tanz folgt strengen Regeln: festgelegte Bewegungen, klare Choreografien, präzise Rhythmen, die ganz bestimmten musikalischen Einheiten zugeordnet sind. Improvisiert wird nicht. Gerade darin liegt für Sr. Katharina das Besondere. „In der Ordnung geht eine Freiheit auf.“ Dieselbe Logik kennt sie auch aus ihrem Ordensleben: Klare Struktur schafft den Raum, in dem echte Freiheit möglich wird.

Dass Musiktherapie und Tanz nebeneinander entstanden und gewachsen sind, erscheint ihr im Rückblick folgerichtig. Die Arbeit mit kranken Menschen führte sie zur Erkenntnis, dass in der Begegnung etwas geschieht, das sie nicht allein erklären kann – ein Wirken, das sie übersteigt.
Diese Erfahrung wurde zum Keim ihrer Berufung als Ordensfrau.

Der Kongregation der Helferinnen, deren Charisma es ist, Menschen in schweren Lebensphasen zu begleiten, gehört sie seit 2013 an. 2021 feierte sie ihre Ewige Profess – ein Schritt, der sich aus der Tiefe ihrer therapeutischen Erfahrung heraus ergeben hatte.

Dem Artikel liegt ein Podcast mit Sr. Katharina Fuchs bei „Orden on air“ zugrunde, gestaltet vom Medienbüro der Ordensgemeinschaften Österreich.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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