Besuch bei fünf Äbten
Heimat, bist du wunderbarer Stifte

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Heuer ist ein klösterliches „Superwahljahr“: „Kirche bunt“ besuchte bei einer Pressereise die neu- und wiedergewählten Ordensoberen der Stifte Melk, Seitenstetten, St. Peter (Salzburg), St. Florian und Kremsmünster (beide OÖ).

Wenn würdevolle Gotteshäuser, stille Kreuzgänge und jahrhundertealte Gebetszeiten mit aktuellen kirchlichen Weichenstellungen zusammentreffen, dann wird Geschichte spürbar. „Kirche bunt“ war bei einer besonderen Pressereise der Vereinigung der Ordensgemeinschaften dabei: Ziel waren vier traditionsreiche Benediktiner- und ein Augustiner-Chorherrenstift, die mehr gemeinsam haben, als dass es in allen Abtwahlen gegeben hat (im St. Pöltner Diözesangebiet gab es zudem noch Wahlen in den Stiften Lilienfeld, Geras und Göttweig): Alle fünf besuchten Männerklöster sind Glaubensoasen; sie prägen ihre Region: kulturell, wirtschaftlich, als Schulzentren und pastoral. Und vor allem: Seit hunderten, ja teils seit über 1.200 Jahren versammeln sich dort Mönche ununterbrochen mehrmals täglich zum Gebet, um Gott zu bitten und zu danken.

Für die Kirche sind die Orden unverzichtbar. Ein Blick auf die Zahlen: Insgesamt leben in Österreich 3.802 Ordensleute – 2.417 Frauen und 1.385 Männer – in 191 Ordensgemeinschaften.

Die Pressereise führte von der Freyung in Wien – wo die österreichische Ordenskonferenz ihren Sitz hat – nach Melk, Seitenstetten, St. Florian, St. Peter in Salzburg und Kremsmünster. Orte, die seit Jahrhunderten geistliches, kulturelles und intellektuelles Leben in Österreich prägen – und die nun erneut Zukunft gestalten.

Stift Melk: Neuer Abt tritt Amt an

Nach seiner Wahl am 11. September und der am 26. Oktober erfolgten Benediktion zum Abt von Stift Melk übernimmt der Benediktiner Ludwig Wenzl (40) am 7. November alle Vollmachten zur Leitung des Stiftes. Das haben der neue Abt und sein Amtsvorgänger Georg Wilfinger (76) im Rahmen der Pressereise bekannt gegeben. Damit obliegt Abt Wenzl die Letztverantwortung für das Stift mit seinen 21 Mönchen und 23 Pfarren sowie für die Wirtschaftsbetriebe, das Stiftsgymnasium, das von 840 Schülerinnen und Schülern besucht wird, und die 340 Bediensteten. Ein Großprojekt ist derzeit die Restaurierung der Stiftsbibliothek mit bedeutenden, jahrhundertealten Büchern.

Wir müssen die Zeichen der Zeit lesen im Sinn des Evangeliums und im Rückgriff auf die Tradition.
Zentrales Anliegen von Abt Wenzl ist es, das „seit der Auferstehung Jesu Christ entfachte Glaubensfeuer weiterzutragen“ und dies vor allem im Dialog. Sein Wahlspruch „Gaudium et spes“ („Freude und Hoffnung“) in Anlehnung an das gleichnamige Konzilsdokument über die Kirche in der Welt wolle bewusst diesem dialogischen Grundauftrag von Kirche entsprechen und sei prägend für sein Amtsverständnis. „Nur wenn diskutiert wird, bewegt sich auch etwas“, sagt der neue Abt.

Seitenstetten – „Vierkanter Gottes“

Für Petrus Pilsinger (61), den wiedergewählten Abt von Seitenstetten, bieten die Ordensregeln des heiligen Benedikt nach wie vor gültige Orientierungspunkte für alle, die Leitungsverantwortung in Kirche und Welt tragen: „Angstfrei führen ist wichtig“, diese Erfahrung habe er sowohl als Direktor des Stiftsgymnasiums gemacht als auch in den letzten zwölf Jahren als 63. Abt des Benediktinerstifts. Im „Superwahljahr“ der Stifte war Pilsinger der einzige Vorsteher eines Klosters, der im Amt wiedergewählt wurde. Das „eindeutige Vertrauen der Mitbrüder“ habe ihn „sehr gefreut“, so Pilsinger.

Wichtig für Seitenstetten sei der Stiftungsauftrag. „Wir sollen zuallererst für die Menschen beten, die uns anvertraut sind“, so Pilsinger, der sagt: „Seit unserer Gründung im Jahr 1112 ist das Chorgebet nie verstummt.“ Der zweite Auftrag sei die „Seelsorge in den 14 Pfarren, die uns anvertraut sind“. Ein wichtiger Arbeitsbereich sei auch das Gymnasium mit rund 450 Schülerinnen und Schülern.

St. Florian: Musik kommt von Gott

„Musik ist für mich ein Teil von Seelsorge, weil sie die Herzen berührt und Menschen für das Höhere öffnet.“ Davon ist der im Februar neu gewählte Propst der Augustiner Chorherren von Stift St. Florian, Klaus Sonnleitner, nicht nur überzeugt, sondern er lebt es auch vor. Wie das klingt, konnte bei der Pressereise bei einer Darbietung des Propstes an der Bruckner-Orgel des Barockstiftes erlebt werden. „Ich bin überzeugt: Musik kommt von Gott her und führt zu ihm hin.“ Sonnleitner betonte: „Klöster sind gerade in Österreich geistliche, kulturelle und wirtschaftliche Zentren, wo Kunst und Wissenschaft immer wichtig waren.“ Hauptaufgabe sei die Seelsorge in den 33 zum Stift gehörenden Pfarren mit seinen 22 Chorherren. Ordensleute seien allein schon durch ihre Existenz und ihr geistliches Leben „wie Fragezeichen in der Landschaft“, die Menschen zum Nachdenken herausfordern, so Sonnleitner.

Jüngster Abt im ältesten Stift

Er ist der derzeit jüngste Abt in Österreich und steht gleichzeitig an der Spitze des ältesten durchgehend bestehenden Klosters im deutschsprachigen Raum: Mit Jakob Auer (34) hat die Salzburger Benediktinerabtei St. Peter am 15. Februar einen Erzabt gewählt, der in der Leitung der Klostergemeinschaft neue Akzente setzt. „Ich setze auf Teamarbeit, das war bisher nicht so üblich“, erläutert der Ordensmann. „Jugend ist kein Verdienst“, betont der Erzabt, der die über 1.300-jährige Geschichte der Abtei, die 696 vom heiligen Rupert gegründet wurde, nicht als Bürde sehen will: „Die lange Geschichte ist für mich nicht eine Last, sondern sie schafft Vertrauen, dass es auch in Zukunft weiter gut gehen wird.“ „Am wichtigsten ist mir, dass wir im geistlichen Leben in der Gemeinschaft wachsen, sodass jeder Mönch in St. Peter zu dem werden kann, zu dem Gott ihn berufen hat“, führt der Erzabt aus.

Klöster als Form der Christus-Nachfolge

Die Frage nach Gott und die Hinwendung zu Jesus Christus muss in der Kirche bestimmend sein, damit sie weiter Zukunft hat. Das erklärt der neue Abt von Kremsmünster, Bernhard Eckerstorfer (54), und betont: „Wir brauchen eine theozentrische Wende in der Kirche.“ In der Kirche gehe es nicht darum, eigene Projekte zu verwirklichen, vielmehr brauche es das Bewusstsein, dass die Kirche das Werk Gottes sei. Dies sei entlastend und könne dazu führen, dass wir „eine gelassene, lockere und freudige Kirche und nahe an den Menschen sind“.
Ein Kloster soll laut Eckerstorfer „ein geistliches Zentrum für Menschen sein, die auf der Suche nach Sinn und Gott sind und etwas anbieten für die, die mehr wollen“. Gebe es Klöster nicht, müsste man sie erfinden, denn: „Sie sind eine tolle Form der Christus-Nachfolge und Orte des beständigen Gebets.“

Als Mönch trete man ein in einen Sinnkosmos, „damit Gott in allem verherrlicht werde“, so der Abt. Es geht laut Abt Eckerstorfer um „Freude am Leben in einer Mönchsgemeinschaft nach einer Regel, die aber auch ein Update braucht.“ Anders gesagt: „Wir müssen die Zeichen der Zeit lesen im Sinn des Evangeliums und im Rückgriff auf die Tradition.“

Autor:

Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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