Kirche feiert Josefs-Jahr, 19. März Gedenktag
Der heilige Josef wird bei uns hoch verehrt

Heilige Familie bei der Arbeit; Josefs-Zyklus in Stift Lilienfeld
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  • Heilige Familie bei der Arbeit; Josefs-Zyklus in Stift Lilienfeld
  • Foto: Harald Schmid
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Am 19. März feiert die Kirche den Gedenktag des heiligen Josef. Wir stehen im Josefs-Jahr, das von Papst Franziskus ausgerufen worden ist. Ein Rundblick von „Kirche bunt“ in den Pfarren zeigt, wie bedeutend der Nährvater Jesu im Diözesangebiet ist.

In der Diözese St. Pölten gilt der heilige Josef als sehr populär: Davon zeugen die vielen Menschen, die seinen Namen tragen – als Josefa oder Josef. Bei Stammtischen gehört es noch immer zur guten Sitte, den „Josefis“ am 19. März, also am Gedenktag des Nährvaters Jesu, zu gratulieren. In der Pfarre Tautendorf wird diese Tradition hochgehalten, die Pfarre ist Josef geweiht. Zuerst wird ein Gottesdienst gefeiert, bei dem die „Josefis“ gesegnet werden, und anschließend trifft man sich beim Wirten, wie Pfarrgemeinderatsobmann-Stv. Rudolf Fuchs erzählt.

Auch die Pfarren Nagelberg, St. Pölten-St. Josef, Josefsberg, Ober-Grafendorf und Weinzierl sind dem heiligen Josef geweiht. Anlässlich der Erklärung Josefs zum Patron der Kirche durch Papst Pius IX. vor 150 Jahren hat Papst Franziskus mit dem Schreiben „Patris corde“ („Mit dem Herzen eines Vaters“) ein Josefs-Jahr ausgerufen.

Die St. Pöltner Pfarre St. Josef lädt aus diesem Grund in der Fastenzeit Jugendliche und Erwachsene montags und donnerstags um 18.30 Uhr zu Katechesen in die Kirche ein. Am 19. März feiert die Pfarre um 17 Uhr zu Ehren ihres Patrons ein Hochamt. Man hofft weiters, das 90-Jahr-Jubiläum mit einem Jahr Verspätung in der Osterzeit ausrichten zu können – verbunden mit der Errichtung eines behindertengerechten Pfarrheim-Anbaus.

Der Nagelberger Pfarrer Winfried Seul berichtet über die große Bedeutung von Josef für seine Gemeinde. 1960 wurde die Pfarrkirche errichtet und weil 800 Menschen in einer nahe gelegenen Glasfabrik arbeiteten, wurde sie Josef, dem Arbeiter, geweiht. Das Patro­zinium ist am 1. Mai. Pfarrer Seul bemüht sich, seine beiden Pfarren Nagelberg und Brand via Pfarrmedien umfangreich über Josef zu informieren. Den Menschen würde der Heilige sehr am Herzen liegen. Leider müsse man Corona-bedingt die Festivitäten bescheidener abhalten, aber am 14. März werde man das Hochfest würdig feiern.

„Unser Patron ist Josef geworden, weil uns das Apos­tolische Schreiben ‚Redemptoris cus­tos‘ von Papst Johannes Paul II. beeindruckt hat“, berichtet Prof. Josef Spindelböck von der Gemeinschaft vom Heiligen Josef in Kleinhain, der elf Priester und zwei Brüder angehören. In dem päpstlichen Schreiben werde „die vielfältige kirchliche Sendung des hl. Josef erkennbar und so haben wir unsere Gemeinschaft unter seinen besonderen Schutz gestellt“. Den Josefs-Tag werde man im kleinen Rahmen feiern, die Angehörigen der Gemeinschaft werden die Botschaft des Gefeierten dann in die Pfarren tragen.

Auch ein ganzer Pfarrverband mit den Pfarren Bad Traunstein, Bärnkopf, Gutenbrunn, Kirchbach, Martinsberg, Rappottenstein und Schönbach ist seit 2013 dem heiligen Josef anvertraut. Man hat ihn gewählt, weil die Gegend von Wald und vom Zimmerer-Beruf geprägt ist. Corona-bedingt sei es heuer schwierig, das Josefs-Jahr im Pfarrverband zu feiern, aber man überlege noch. In der Pfarre Schönbach wird es eine Gebetsnovene zum heiligen Josef geben und am Josefs-Tag am 19. März feiern die Schönbacher eine heilige Messe. Für die Bauern sei der Tag quasi ein Feiertag, das habe eine lange Tradition, so Pastoralassistentin Sabine Latzenhofer.

Für die Steiermark ist der Josefs-Tag ebenfalls ein Feiertag, aber ein gesetzlicher. Das habe für die Pfarre Josefsberg, die an die Steiermark angrenzt, Bedeutung, so Heribert Pfeffer, Pfarrgemeinderats-Obmann-Stv. Corona-bedingt wartet man in der Pfarre mit dem Planen von Veranstaltungen noch ab. Einen gewissen Schwung für Wallfahrten erhofft man sich, weil die neugegündete Josefs-Bruderschaft durch das Stift Lilienfeld sich vielleicht auch auf Josefsberg auswirkt.

Pastoralprogramm in Ollern

Für die Pfarren Ollern, Abstetten, Rappoltenkirchen und die Filialkirche Kogl gibt es viele Ideen zum Josefs-Jahr. Pfarrer Robert Dublanski, der diese Gemeinden betreut, entwarf dafür ein Pas­toralprogramm. Besondere Schwerpunkte soll es angelehnt an die Schutzpatronate von Josef für Arbeiter (rund um den 1. Mai) und für Verstorbene (am 1. November) geben. Auch Leidende, Familien, Kinder und Jugendliche werden Josef besonders anvertraut. Rund um den Gedenktag des Heiligen werden in allen drei Pfarren bei Abendgottesdiensten eigene Josefs-Kerzen entzündet und das Josefs-Jahr quasi dort eröffnet. Diese werden auch zum Verkauf angeboten. Vor dem 19. März wird eine Novene gebetet. Angesichts von Corona werde Josef um Schutz gebeten – wie dieser auch Jesus beschützt habe, so Pfarrer Dublanski. An jedem dritten Sonntag im Monat gibt es ein Gebet zum hl. Josef. Josef Weber vom Katholischen Bildungswerk erzählt von weiteren Initiativen: So wurde in Ollern eine Josefs-Statue wiederentdeckt und restauriert und auch die „Lange Nacht der Kirchen“ werde im Zeichen des Nährvaters Jesu stehen.

Im Stift Lilienfeld hat man im Josefs-Jahr die Josefs-Bruderschaft wieder zum Leben erweckt. Der Heilige erfreut sich also weiter großer Beliebtheit.

Ein Träumer, der ‚gerecht‘ war

Josef ist in der Bibel kein unbedeutender Name. Die Geschichte von Josef, der von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft wird, um dann seine Familie vor dem Hungertod zu retten, beschließt die Patriarchenerzählungen im Buch Genesis (Kap. 37-50). In gängigen biblischen Nachschlagewerken findet sich über ihn meist ein ganzer Absatz, während Josef, der Zimmermann aus Nazaret in Galiläa, (gesetzlicher) Vater Jesu und Mann der Maria, gerade einmal mit zwei Sätzen wegkommt. Beiden gemeinsam ist, dass ihr Vater Jakob hieß – zumindest bei Matthäus (Mt 1,16), denn bei Lukas heißt Josefs Vater Eli (Lk 3,23). Nur diese zwei Evangelisten erwähnen Josef – und sie überliefern von ihm kein einziges Wort. Doch gerade das ist Teil seiner Rolle, die ihm im Neuen Testament zukommt: Josef ist ein Mensch des Hörens und des Tuns.

Josef, der in seiner Heimatstadt als Zimmermann arbeite­te, verlobte sich mit Maria. Als Maria, noch bevor sie zusammengekommen waren, ein Kind erwartete, beschloss er, sich in aller Stille von ihr zu trennen, weil er sie nicht bloßstellen wollte. Josef erschien ein Engel im Traum. Und „als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich“ (Mt 1,24). Dieses Traummotiv findet sich noch zwei weitere Male.

Die letzte Erwähnung Josefs ist bei der Wallfahrt nach Jerusalem, wo die Eltern den Zwölfjährigen schließlich im Tempel finden – „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ (Lk 2,49). Jesus gilt nun als volljährig – es ist wohl kein Zufall, dass Josef, der die irdische Vaterrolle für Jesus ausübte, von da an nicht mehr vorkommt.

Die vielleicht wichtigste Aussage über Josef wird leicht überhört. Es heißt von ihm, dass er „gerecht“ war (Mt 1,19). Im biblischen Sprachgebrauch ist damit jemand gemeint, dessen Denken und Tun ganz auf das ausgerichtet ist, was vor Gott und den Menschen „recht“ ist.

Biblische Überlieferung und fromme Legenden

Apokryphe (außerbiblische) Überlieferung, Legenden, Frömmigkeit und Kunst haben eine breite Palette an Szenen aus dem Leben des heiligen Josef entfaltet. So umfasst der Josefs-Zyklus im Stift Lilienfeld 22 großformatige Gemälde. Sie zeigen u. a. die Erwählung Josefs, seine Vermählung mit Maria, Jesu Geburt und Beschneidung, die Anbetung der Könige, die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten und deren Heimkehr und schließlich den Tod des heiligen Josef. Besonders liebenswürdig gemalt sind die ersten Schritte des Jesusknaben.

Diese Gemälde stehen in Verbindung mit der 1653 gegründeten Lilienfelder Josefsbruderschaft (Kirche bunt berichtete in Nr. 5/2021). Im 17. Jahrhundert wurde Josef zum Pat­ron der Sterbenden. Papst Pius IX. erklärte ihn 1870 zum Schutzpatron der katholischen Kirche. Papst Pius XII. führte als kirchliche Antwort auf den Tag der Arbeit 1955 den Gedenktag „Hl. Josef der Arbeiter“ am 1. Mai ein. Das Jahr des heiligen Josef, das Papst Franziskus am 8. Dezember 2020 ausgerufen hat, soll jenen besondere Aufmerksamkeit schenken, die – wie Josef – sonst nie im Rampenlicht stehen. Mit dem Festtag Josefs, des Bräutigams der Gottesmutter Maria, beginnt am 19. März ein „Jahr der Familie“. Der „Josefitag“ ist in Österreich fest verankert. Immerhin ist der heilige Josef Patron der Bundesländer Tirol, Vorarlberg, Kärnten und Steiermark.

Eine 24-seitige Broschüre mit dem Titel „Josef, wer bist du?“ hat das Pastoralamt der Diözese St. Pölten herausgegeben. Sie enthält Texte aus dem Apostolischen Schreiben „Patris corde“ von Papst Franziskus mit Gedanken der Schwestern vom Karmel Maria Jeutendorf und Ikonenbilder aus der Ikonenwerkstatt Maria Jeutendorf. Bestelladresse: pd.behelfsdienst@kirche.at oder Tel. 02742/324-3315 (Einzelpreis € 1,10 zuzüglich Versandkosten).

Autor:

Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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