Darstellung des Herrn - Mariä Lichtmess
Damit uns ein Licht aufgeht

Gnadenstatue in der Pfarrkirche Schönbach mit dem außergewöhnlichen Patrozinium „Mariä Lichtmess“. 
 | Foto: Wolfgang Sauber/Wikimedia Commons
  • Gnadenstatue in der Pfarrkirche Schönbach mit dem außergewöhnlichen Patrozinium „Mariä Lichtmess“.
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Am Fest Darstellung des Herrn (2. Februar) gedenkt die Kirche der vorgeschriebenen Rituale nach Jesu Geburt. Es ist darüber hinaus ein vielschichtiges Fest.

In Schönbach im Waldviertel reckt eine spätgotische Hallenkirche ihr hohes Giebeldach in die Höhe. Ihre Geschichte ist wechselhaft und oft widersprüchlich: Im 15. Jahrhundert von Starhembergern errichtet, ersetzte sie einen kleineren Vorgängerbau, der die Pilgerströme zu dem kleinen Ort nicht mehr fassen konnte. Die Pilger kamen deshalb nach Schönbach, weil die Heilige Familie dort – einer örtlichen ungewöhnlichen Legende nach – auf der Flucht vor den Hussiten aus Böhmen nach Mariazell am „schönen Bach“ Rast gemacht haben soll – der Wallfahrtsort Maria Rast in Schönbach war geboren, den sogar Kaiser Leopold I. besucht haben soll.
Doch das ist nicht das einzige Bemerkenswerte in der Geschichte der kleinen Kirche: Nachdem sie ab 1570 100 Jahre lang protestantisch war, wurde sie 1698 den „Eremiten des heiligen Hieronymus“ übergeben – ein alter, ehrwürdiger, wenn auch nicht großer Orden, der im Jahr 1828 nach den josefinischen Reformen allerdings ausstarb und von Pius XI. 1933 aufgehoben wurde.

Darüber hinaus ist die Kirche kunsthistorische bedeutsam: Prächtig geschnitzte spätgotische Flügelaltäre und ein ungewohnt zartes Feinrippengewölbe schmücken das Innere. Auch der „Kremser Schmidt“ ist mit zwei Bildern vertreten und – als vorletztes Kuriosum – in der Kirche befindet sich ein überlebensgroßes Kruzifix mit echtem Menschenhaar. Das absolute Alleinstellungsmerkmal dieser Kirche aber ist ihr Patrozinium: Sie ist eine Mariä Lichtmess-Kirche und damit in Österreich wohl einzigartig.

Ein Marien- oder ein Herrenfest?

Am Fest Mariä Lichtmess, das im liturgischen Kalender „Darstellung des Herrn“ heißt, gedenkt die Kirche eines Rituals, das auch Maria und Josef mit Jesus vollzogen hatten. Nach der Geburt eines Knaben, so die Überlieferung, sei eine Frau 40 Tage lang unrein und müsse ein Opfer im Tempel darbringen lassen. Zusätzlich muss Maria Jesus durch ein Geldopfer auslösen, da nach der jüdischen Vorstellung der Erstgeborene jeder Frau Eigentum des Herrn war. Hier stellt sich bereits eine Frage, die in der Liturgiegeschichte unterschiedlich gedeutet und sich auch an den verschiedenen Namen des Festes zeigt: Ist Lichtmess nun ein Marien- oder ein Herrenfest? Wer steht im Mittelpunkt dieser Feier?

Prophetische Begegnungen

Als das Paar seinen Pflichten nachkommen wollte, machten sie im Tempel zwei ungewöhnliche Bekanntschaften: zuerst die des greisen Simeon, der Maria ihr Kind aus den Armen nimmt und dann die höchst sonderbaren Worte spricht: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“ (Lk 2,29-32) Kaum ist Simeon fertig, kommt bereits die zweite Person, Hanna, auf die junge Familie zu. Die alte Frau hat ebenfalls prophetische Gaben und verkündet allen Umstehenden, als sie Jesus erblickt: „Dieses Kind bringt Israel die Erlösung.“ (Lk 2,38).
Erlösung für Israel und ein Licht, das die Heiden erleuchtet. In zwei prophetischen Reden, die am Beginn des Lebens Jesu stehen, wird die Richtung seiner Sendung deutlich: Sie ist universell und sie erfüllt die israelischen Messiaserwartungen. Christi Licht, seine Botschaft, seine Erlösung gelten für die ganze Menschheit.

Gott durchleutet das Leben
der Menschen – in Ritualen, Legenden, Lebenspraxis,
Jahreszeiten, Kunst ...

Die tiefe theologische Bedeutung dieses Festes ist wahrscheinlich der Grund, warum das Fest Darstellung des Herrn bereits in der frühen Christenheit einen hohen Stellenwert hatte, obwohl die Reinheitsvorschriften der Juden keine Bedeutung für die junge Kirche mehr hatten. Die Pilgerin Egeria beschreibt in ihrem ausführlichen Bericht über ihre Pilgerreise im 4. Jahrhundert, dass es in Jerusalem zu Darstellung des Herrn ähnlich festlich zuging wie zu Ostern: Prozessionen, feierliche Messen und Predigten.

Im Mittelalter bekam das Fest weitere, volkstümliche Bedeutungen: Es war normalerweise der Tag, an dem abends bereits auf künstliches Licht verzichtet werden konnte und es war traditionellerweise der Tag, an dem die Dienstboten aus ihren Dienstverhältnissen entlassen wurden. Am Agathatag, am 5. Februar, begann dann normalerweise ein neues Dienstverhältnis. Liebschaften zwischen Dienstboten endeten meistens mit diesem kurzen „Urlaub“ und neue begannen, da die Knechte und Mägde zu anderen Dienstgebern kamen.

Ebenso vielschichtig wie die Geschichte der Schönbacher Kirche ist auch ihr Patrozinium. Ursprungsgeschichte, Deutung, Verehrung und lebensweltliche Bezüge überlagern sich und sind oft auch nicht mehr voneinander zu trennen. Doch es lässt sich ein Grundgedanke finden: Gott durchleuchtet das Leben der Menschen – in Ritualen, Legenden, Lebenspraxis, Jahreszeiten, Kunst ... Durch das Leben leuchtet er uns auf unterschiedlichste Arten den Weg – man muss ihm nur folgen.

Autor:

Matthias Wunder aus Niederösterreich | Kirche bunt

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