Vergessene Zeichen an Altären
Am Erchtag in die Kirche
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Wer sich in alten Kirchen umsieht, findet manchmal an einem Altar die Inschrift „Altare privilegiatum“ – und kann noch manche andere Kuriositäten entdecken. Was hat es also mit einem privilegierten Altar auf sich? An ihm konnte durch Zelebration ein vollkommender Ablass für die Verstorbenen gewonnen werden. Papst Paul VI. hat jedoch mit 1. Jänner 1967 das kirchliche Ablasswesen neu geregelt und die bis dahin üblichen „Altarprivilegien“ aufgehoben. Das hängt zuinnerst mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und einem neuen Verständnis für den Sinn der Liturgie zusammen.
Es konnte ein Ablass für die Verstorbenen gewonnen werden.
In großen Kathedralen und Klosterkirchen gibt es zahlreiche Seitenaltäre und -kapellen, wo die Priester früher – oft nur von einem Ministranten assistiert – das heilige Messopfer darbrachten. In der Sicht des Konzils versammelt sich aber das Gottesvolk zum Hören auf das Wort Gottes und zur Feier der Eucharistie um den Altar, der Jesus Christus symbolisiert. In neueren Kirchenbauten hat der Altar heute eine auch räumlich hervorgehobene zentrale Stellung inne. Die oft große Zahl an Seitenaltären hat ihre Funktion eingebüßt.
Geblieben sind aber die Inschriften, die unmissverständlich darauf hindeuten, wo und wann es – in Verbindung mit Beichte, Kommunion und Gebet – einen Ablass für sich, aber vor allem auch für Verstorbene – zur Tilgung „zeitlicher Sündenstrafen“ – zu erwerben gab. Das durfte auch allgemein verständlich in deutscher Sprache geschrieben werden. „Alle Tage privilegiert“ ist etwa der Hochaltar der Pfarrkirche Großarl .
n der Pfarrkirche Hadersdorf am Kamp ist ein Altar hingegen nur am „Erchtag“ privilegiert. Gemeint ist damit der Dienstag, also der „Eada“ oder „Iata“, wie er in der Mundart vor allem älteren Personen noch geläufig ist. Der Name geht auf die griechische Bezeichnung „Áreōs hēméra“ für den Tag des Kriegsgottes Ares zurück. In das Germanische und speziell in die bairischen Mundarten gelangte der Ausdruck durch die Goten, die nach kurzer Machtentfaltung zur Zeit der Völkerwanderung rasch wieder aus dem Blickfeld der Geschichte verschwunden sind. In unserer Sprache wirken sie bis heute nach. Und so kann uns ein Kirchenbesuch also viel über Geschichte und Kultur erzählen – und das nicht nur am Erchtag.
Leopold Schlager
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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