In der Pfarre Ernsthofen
Herbergsuche mit schönem Ende

Pfarrhof und Kirche in Ernsthofen
  • Pfarrhof und Kirche in Ernsthofen
  • Foto: Fritz Eglseer
  • hochgeladen von Wolfgang Zarl

Das Herbergsuchen erinnert an die mühsame Suche der Eltern Jesu, Josef und Maria, nach einem Quartier für die bevorstehende Geburt. In zahlreichen Ortschaften gibt es diesen Brauch, oft wird dabei eine Statue der Gottesmutter weitergereicht. Auch Herbergsbilder werden gesegnet. Coronabedingt war dieser Nachbarschaftsbrauch heuer im Advent nur schwer möglich; auch wird beklagt, dass sich oft keine jungen Leute mehr finden, die diese Tradition weiterpflegen. Vielen Pfarren ist es außerdem wichtig, auf das schwere Los von heutigen Flüchtlingen und Mig­ranten hinzuweisen.

Pfarrverband Dobersberg

Ein Fixpunkt im Advent ist das Herbergsuchen etwa im Pfarrverband Dobersberg. Einer Einladung der Pfarre Dobersberg zum Herbergbeten folgten unter Einhaltung von Corona-Schutzmaßnahmen 50 Personen. „Wir besuchten im Freien drei Stationen, bei denen je eine Strophe von ,Wer klopfet an‘ gesungen wurde“, erzählt Andrea Haidl von der Pfarre. Bei der Feier wurden passende Texte gelesen. Mit dem Segen von Pfarrer Gerhard Swierzek und dem Lied „Engel des Herrn“ endete die Herbergsuche.

Hilfe in Ernsthofen

„Wenn Menschen guten Willens zusammen kommen, findet sich immer ein Weg, um zu helfen. So geschehen auch in Ernsthofen im Advent 2021 als eine herbergsuchende Familie an die Pfarrtür klopfte“, wie Pfarrgemeinderats-Obmann-Stv. Fritz Eglseer erzählt. 2015 flüchtete die fünfköpfige Familie vor dem Bürgerkrieg im Irak. Bis zum Jahresende muss sie aus ihrer Ernsthofner Bleibe aufgrund des geplanten Abrisses der derzeitigen Unterkunft ausziehen. Nur wohin? Viele Helferinnen und Helfer haben sich in den letzten Monaten umgehört und sich informiert. „Leider ohne Erfolg. Leistbarer Wohnraum ist in einer angehenden ,Speckgürtel-Gemeinde‘ rar“, so Eglseer. Da kam der leer stehende Pfarrhof ins Gespräch. Wegen der Raumaufteilung und desolater Fens­ter wurde diese Lösung zunächst verworfen.

„Was aber kann eine Pfarre tun, wenn sich gerade vor Weihnachten die Geschichte von Betlehem vor der eigenen Tür wiederholt?“, fragte man sich. Wie der Stall von Betlehem damals sei der Pfarrhof heute der letzte Ausweg für eine Familie, die dringend eine Herberge sucht. So entschied der Pfarrgemeindevorstand, die Tür des seit dem Tod von Prälat Gilbert Vogt verwais­ten Pfarrhofs zu öffnen, und den Mitbürgern mit ihren gut integrierten Kindern eine neue Heimat zu geben.

Pfarrer Herbert Reisinger ist zufrieden mit dieser Lösung: „Ich bin verantwortlich für fünf Pfarrgemeinden, einige haben leer stehende Pfarrhöfe. Wir beten in den Gottesdiensten immer wieder für Menschen in Not, auch für flüchtende. Nun ergab sich die Chance, Gebete in Taten umzusetzen.“ Das Pfarrbüro wird aber weiter im Pfarrhof bleiben.

Autor:

Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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