Gedanken zum Evangelium: 23. Sonntag im Jahreskreis
Mut zum offenen Wort

Selbst wenn die Emotionen schon den rechten Platz zugewiesen bekommen haben, mir klar geworden ist, was wirklich läuft, muss ich trotzdem ein Gespräch wagen.
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Matthäus 18, 15–20

Heute beginne ich am Ende. Der Anfang fordert mich nämlich ganz schön heraus. Tasten wir uns lieber langsam heran an den Text. Letzter Absatz: alles ok, beliebte Bibelstelle, Prädikat ‚erstrebenswert‘. Vorletzter Absatz: mächtige Sache, diese Binde- und Lösegewalt. Dritter Absatz: null Kontakt – klingt nach Notlösung. Zweiter Absatz: Unterstützung holen – wirkt menschlich. Erster Absatz: …

Beim wiederholten Lesen nehme ich schließlich doch wahr, was da wirklich steht. Wenn jemand an mir schuldig geworden ist. Darum geht es. Damit umzugehen, will mir Jesus helfen. Nicht beim Versuch, die Welt zu retten. Ich atme erleichtert durch. Die Welt retten, das hat Er – „Gott sei Dank“ – schon für uns getan. Gut, mich auch in solchen Alltagssituationen konkret daran zu erinnern.

Die eigene Aufgabe bleibt herausfordernd genug. Selbst wenn die Emotionen schon den rechten Platz zugewiesen bekommen haben, mir klar geworden ist, was wirklich läuft, muss ich trotzdem ein Gespräch wagen. Mark Twains Feststellung, dass der Unterschied zwischen dem richtigen und dem fast richtigen Wort so groß ist, wie zwischen einem Blitz und einem Glühwürmchen, lässt mich in solchen Momenten eher an eine nächste Gewitterfront denken, als an Klärung und Versöhnung.

Wie kann es also gelingen, was braucht es, dass die zwei oder drei Entzweiten vom Beginn der Bibelstelle zu denjenigen werden, die am Ende gemeinsam im Gebet vor Gott stehen und alles erbitten? Was motiviert mich, den Schritt zu wagen?

  • Erstens: Ich möchte ehrlich und authentisch leben. Keinen „christlichen Puderzucker“ auf Wunden streuen und auch nicht gestreut bekommen. Die Situation soll auf anderem Weg süß werden.
  • Zweitens: Die wichtigsten Erfahrungen und Lernschritte wurden mir geschenkt, wo andere Menschen mutig genug waren, mich mit der Wahrheit zu konfrontieren. Mir zu sagen, was mein Verhalten bei ihnen angerichtet hat. Jedes Mal erlebe ich das als Wertschätzung. Es zeigt mir, dass diesem Menschen unsere Beziehung wichtig ist, dass ich ihm nicht egal bin. Dass ich trotz meiner Sünden angenommen bin und nicht perfekt sein muss.

So ein Mensch möchte auch ich immer mehr werden für andere. Einer, der andere nicht ablehnt in ihrer Schwäche, sondern sie durch die ausgelösten Erschütterungen durchbegleitet und ihnen hilft zu wachsen.

Wie erleichternd, dann um Vergebung bitten zu können. Wie erlösend die zugesprochene Vergebung. Welch Vorgeschmack des Himmels, gemeinsam und frei, ungebunden vor Gott zu stehen und im Gebet zu erbitten, was wir füreinander ersehnen. Gemeinsam der Verheißung trauen, dass Er die Mitte ist. Dass Er neues Leben erblühen lassen kann, bei dem, der verletzt wurde, und bei dem, der auch sich selbst durch die Sünde verwundet hat.

Impulse

inspiriert vom Evangelium

  • Was hindert mich (noch) daran, schwierige Dinge zur Sprache zu bringen?
  • Was darf ich vertrauensvoll in Gottes Hände loslassen?
  • Was motiviert mich, in meiner Kommunikations- und Beziehungsfähigkeit zu wachsen?
Evangeliumskommentar als PDF
Autor:

Barbara Ruml aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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