Gedanken zum Evangelium: 6. Sonntag der Osterzeit
Ich nenne euch Freunde

Das ist eine zentrale Facette von Ostern: lebendig zu sein und mich selbst als lebendigen Menschen zu erleben. Mich zu spüren, mich zu freuen, berührbar zu sein, ergriffen zu sein, zu trauern, zu weinen.  | Foto: istockphoto/PIKSEL
  • Das ist eine zentrale Facette von Ostern: lebendig zu sein und mich selbst als lebendigen Menschen zu erleben. Mich zu spüren, mich zu freuen, berührbar zu sein, ergriffen zu sein, zu trauern, zu weinen.
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In der Osterzeit bieten die Stellen aus dem Johannesevangelium einen Ansatzpunkt, wie wir Jesus, dem Auferstandenen, auf die Spur kommen können. Es ist eine Abfolge von Bildworten, von Assoziationen, von Gedanken, die wir uns einfach auf der Zunge zergehen lassen können, die ins Herz einsickern wollen,
die die Kraft in sich haben, uns zu transformieren.

Das heutige Evangelium ist eine unmittelbare Fortsetzung des Evangeliums vom letzten Sonntag: dem Bildwort, wo sich Jesus mit einem Weinstock vergleicht und jene, die an ihn glauben, mit den Rebzweigen. Die Lebenskraft durchströmt den Weinstock von den Wurzeln bis in die Reben hinein, in dieser pulsierenden Lebenskraft sind wir mit Jesus, dem Lebendigen, verbunden.

Ich mag dieses kraftvolle Bild, wo ich mir vorstelle, wie diese Lebenskraft Jesu mich durchströmt und erfüllt. Das ist eine zentrale Facette von Ostern: lebendig zu sein und mich selbst als lebendigen Menschen zu erleben. Mich zu spüren, mich zu freuen, berührbar zu sein, ergriffen zu sein, zu trauern, zu weinen.

Das 15. Kapitel des Johannesevangeliums legt mir eine Fährte, im Blick auf Jesus meine eigene Lebendigkeit zu entdecken. Das Evangelium des heutigen Sonntags verändert das Bild, aber das Thema der Verbundenheit mit Jesus bleibt dasselbe. Ein starkes Wort folgt: "Ich nenne euch nicht mehr Knechte…. Vielmehr habe ich Euch Freunde genannt."

Ich kenne wirklich genug mühsame Seiten an der Kirche. Ich weiß, wie schwerfällig Kirche oft ist. Ich weiß wie viele Menschen unter kirchlichen Defiziten leiden, ich weiß auch, dass unterschiedliche Menschen an unterschiedlichen Dingen leiden. Umso mehr legt mir dieses Evangelium eine Fährte, dass ich nicht aus dem Blick verliere, warum ich Christ bin: es ist die Erfahrung, dass die Zeiten der Begegnung mit diesem Jesus – im Gebet, im Gottesdienst, in einem bewussten Leben, im achtsamen Umgang mit anderen Menschen – mich aufschließen, mich aus der Reserve locken, mich lebendig machen und mich ermutigen, dem Leben zu dienen.

Kirche ist wichtig, weil sie den Erfahrungsraum für diesen Jesus eröffnet. – Wo würde ich sonst Menschen finden, mit denen ich meinen Glauben teilen kann? Aber Kirche ist auch nicht so wichtig, weil es nicht zuerst um die Kirche, sondern um den Blick auf diesen Jesus geht, der mich lebendig macht, der Menschen miteinander verbindet und der den Blick öffnet, damit wir einander über alle kulturellen und religiösen und sonstigen Grenzen hinweg als Schwestern und Brüder erkennen können.

Impulse

Inspiriert vom Evangelium

  • In welchen Momenten der vergangenen Woche habe ich mich so richtig lebendig erlebt?
  • Wo gibt es Momente, wo diese Erfahrungen von Lebendigkeit stark mit meinem Glauben verbunden sind: Momente des Gebets, des Einsatzes für andere, ….?
  • Wo gibt es Gelegenheiten, wo ich das mit anderen teilen kann?
Evangeliumskommentar als PDF
Autor:

Markus Beranek aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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