Gedanken zum Evangelium: 21. Sonntag im Jahreskreis
Für wen haltet ihr mich?

Matthäus 16, 13–20

Im heutigen Evangelium stellt Jesus den Jüngern eine recht persönliche Frage.  Er möchte zunächst wissen, wofür ihn die Menschen halten. Offenbar gibt es da  viele unterschiedliche Meinungen. Dann fragt er die Jünger ganz direkt:  Und für wen haltet ihr mich? Diese Frage sollte uns allen in den Ohren klingen,  weil sie uns alle betrifft: Für wen halte ich Jesus?

Vor vielen Jahren hat mich ein Verwandter einmal gefragt, warum ich eigentlich mein Leben nach „irgendwelchen alten Geschichten“ ausrichten will, die vor 2000 Jahren passiert sind. Das alles habe doch mit uns heute nichts mehr zu tun. Jesus sei sicher ein guter Mensch gewesen, der Gutes getan habe, aber man könne doch heute nicht das eigene Leben danach ausrichten. Ich habe dann versucht, ihm zu erklären, dass Jesus für mich eben nicht nur irgendein „guter Mensch“ war, der vor langer Zeit gelebt hat und heute nichts mehr zu sagen hätte. Jesus ist für mich der Sohn Gottes, mein Erlöser, der für mich gestorben und auferstanden ist – und genau deshalb will ich mein Leben auf ihn bauen. Leider wurde mir im Laufe unseres Gespräches schnell klar, dass mein Verwandter mich überhaupt nicht versteht. Unser Blickwinkel war einfach viel zu verschieden…

Ich begegne immer wieder Menschen, die sagen, Jesus sei eine interessante historische Gestalt gewesen, ein Prophet, ein Heiler, ein Lehrer… faszinierend und bewundernswert, aber mehr nicht. Das ist genau die Antwort, die Jesus von den Jüngern auf seine Frage erhält: Für wen halten mich die Menschen? Für diesen oder jenen oder „sonst einen Propheten“. Offenbar beschäftigt die Person Jesu die Menschen auf unterschiedliche Weise, sodass sie zu unterschiedlichen Meinungen über ihn kommen. Und es scheint da diese Schwelle zu geben, über die viele sich nicht hinauswagen können – die Grenze des Glaubens. Man hält ja fast vor Spannung die Luft an, als Jesus nun die Jünger fragt: Und ihr, für wen haltet ihr mich? Was werden die Jünger nun sagen? Bringt die Frage sie in Verlegenheit? Haben sie überhaupt eine Antwort darauf…?

Wie unerwartet schlicht und einfach ist da die Antwort des Simon Petrus, der wie aus der Pistole geschossen sagt: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Dieses schlichte Bekenntnis allein ist der Grund, warum Jesus seine Kirche auf den Felsen Petrus bauen will. Nicht die charakterliche Eignung oder die hervorragende Persönlichkeit des Petrus, sondern einzig und allein sein Glaube, der sich in diesem Bekenntnis zeigt. Es klingt so einfach und ist doch so schwierig. Zu diesem Bekenntnis sind wir alle aufgerufen! Uns allen gilt die Frage Jesu: Und du, für wen hältst du mich? Wer bin ich für dich? Christinnen und Christen dürfen wir uns ja nur nennen, wenn wir auf diese Frage eine klare Antwort gefunden haben.

Evangeliumskommentar als PDF
Autor:

Franziska Madl aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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