Gedanken zum Evangelium: 5. Sonntag der Osterzeit
Eine Warnung für die Reben

Jesus sagt: "Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer. ..." Bringen wir Frucht an diesem Weinstock? Falls nicht, brauchen wir die Warnung vor dem Gericht wohl immer noch… | Foto: Spencer Wing auf Pixabay
  • Jesus sagt: "Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer. ..." Bringen wir Frucht an diesem Weinstock? Falls nicht, brauchen wir die Warnung vor dem Gericht wohl immer noch…
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Das Bild vom Weinstock, das Jesus uns heute zeichnet, ist ein tröstliches. Es geht darum, dass wir in ihm bleiben, um Leben zu haben, so wie die Reben nur dann Leben haben, wenn sie am Weinstock bleiben. Aber Jesus spricht hier auch vom Gericht.

Das Bild von jenen Reben, die abgeschnitten und ins Feuer geworfen werden, ist abschreckend – und soll es auch sein!

Mit dem Gericht tun wir uns normaler­weise schwer. Im Unterschied zu früheren Generationen ist uns die Angst vor dem Verderben nicht von klein auf beigebracht worden. Mir wurde als Kind jedenfalls ein Gott vermittelt, der barmherzig ist, der sich freut an unserer Umkehr und uns als liebender Vater mit offenen Armen empfängt, wenn wir uns ihm zuwenden. Das ist bis heute mein Gottesbild, für das ich dankbar bin.

Zugleich sind die Evangelien aber voll von Warnungen vor dem Gericht. Mit unterschiedlichen Bildern wird uns mögliches Verderben vor Augen gestellt, um uns an eine wichtige Tatsache zu erinnern: Es ist nicht egal, was wir glauben und wie wir leben!

Jesus sagt heute von sich selbst, er sei der Weinstock, wir die Reben. Es ist ein ähnliches Bild wie jenes vom Leib und den Gliedern. Für Johannes typisch dreht sich der Text zentral um das Wort „bleiben“: Wir sollen in Christus bleiben, damit er in uns bleibt!

Das Bild der Reben ist mir als Wachauerin ein besonders vertrautes. Wer gesehen hat, was mit ihnen passiert, wenn sie abgeschnitten werden, versteht, worauf Jesus hinaus will: Sie verdorren und werden anschließend direkt im Weingarten verbrannt. Meist sind sie so trocken, dass es staubt, wenn man sie bricht. Sie brennen dann wie Zunder und das Feuer wird sehr heiß.

Doch Jesus bleibt nicht beim Bild vom Gericht stehen. Er spricht am Ende von jenen Reben, die in ihm bleiben und Frucht bringen. Und er stellt in Aussicht: „Bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten.“ Dass wir seine Jünger werden und Frucht bringen – dadurch wird Gott verherrlicht. Man könnte auch sagen: Daran erkennt die Welt, dass wir seine Jünger sind!

Ich frage mich oft, was die Menschen wohl sehen, wenn sie uns sehen. Strahlen wir Christi Liebe aus und machen ihn so auch erfahrbar für andere? Bringen wir Frucht an diesem Weinstock? Falls nicht, brauchen wir die Warnung vor dem Gericht wohl immer noch… Mir tut sie ab und zu jedenfalls ganz gut. Sie erinnert mich daran, worum es wirklich geht.

Impulse

Inspiriert vom Evangelium

  • Wie geht es mir persönlich mit der Warnung vor dem Gericht?

  • Bringe ich in meinem konkreten Leben Frucht – auch für andere?
  • Erkennen Menschen, die mit mir zu tun haben, dass ich an Christus glaube?
Evangelium und Kommentar als PDF
Autor:

Franziska Madl aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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