Gedanken zum Evangelium: Christkönigssonntag
Einander als Verwundete entdecken

Dort, wo ich meine Wunden und Defizite im Licht Gottes wahrnehmen und aushalten kann, dort ist auch Heilung und Veränderung möglich – und so mache Wunde begleitet uns vielleicht dennoch ein Leben lang.
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Matthäus 25, 31–46

Mir scheint, es geht in der Gerichtsrede um eine Haltung. Und vielleicht ist genau diese Haltung das, was Kirche ganz entscheidend ausmacht. Für mich ist das eine starke Zusage.

Für mich geht es in diesem Abschnitt aus dem Matthäusevangelium um eine Haltung, die Menschen in ihrer Bedürftigkeit und mit ihren Wunden und Verletzungen wahrnimmt. Ich merke, dass das bei meinem Umgang mit mir selbst beginnt. Dass ich mich drübertraue, meine eigenen Wunden und Verletzungen wahrzunehmen, anzuschauen, sie mir einzugestehen: mein Scheitern, meine Angst, das Misslingen, meine Sehnsucht Beachtung zu finden etc.

Jesus verkündet nicht das Evangelium des Perfektionismus, sondern die Botschaft vom Heil. Er hält uns Menschen aus mit unserem Hunger und Durst, mit all dem, wo wir bloßgestellt, krank und gefangen sind. Und die entscheidende Antwort ist, dass er sich in diese Reihe angewiesener Menschen selber dazustellt – als der König, der am Kreuz hängt und sich tödlich verwunden lässt, weil er uns in allen Verwundungen unseres Lebens nahe sein will.

Oft merke ich das: Wenn ich mich selbst nicht aushalte, wird mir der obdachlose Mann auf der Straße und die Kollegin mit ihrem persönlichen Anliegen schnell lästig. Dort, wo ich meine Wunden und Defizite im Licht Gottes wahrnehmen und aushalten kann, dort ist auch Heilung und Veränderung möglich – und so mache Wunde begleitet uns vielleicht dennoch ein Leben lang. Doch wo wir versöhnt mit ihr umgehen, kann sie uns berührbar machen für Gott und die Mitmenschen.

Wenn ich mich in den verschiedenen Menschengruppen des heutigen Evangeliums selbst entdecken kann, dann kann dort Versöhnung mit meinen Wunden wachsen. Dann kann ich auch versöhnter und geduldiger mit den Defiziten meiner Mitmenschen umgehen. Und manchmal mache ich dann genau die erstaunliche Entdeckung, von der Jesus redet: Dass Er mir genau in meinen eigenen Defiziten und in denen meiner Mitmenschen entgegenkommt.

Dann bekommt mein Umgang mit Menschen, die ich auf ersten Blick als anstrengend erlebe, auf einmal etwas ganz Lebendiges: dann kann ich sie in ihrer Bedürftigkeit wahrnehmen, mich selbst in meiner Bedürftigkeit und den, der sich in seinen Wunden zu uns gesellt hat. Kirche ist die Gemeinschaft von Menschen, die das staunend entdecken.

Impuls

Inspiriert vom Evangelium

  • Welche wunden Seiten an anderen Menschen stören mich besonders?
  • Welche wunden, kranken, nackten Seiten machen mir an mir selbst zu schaffen?
  • Was davon kann ich heute dem am Kreuz verwundeten Christus anvertrauen?
Evangeliumskommentar als PDF
Autor:

Markus Beranek aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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