Gedanken zum Evangelium: 33. Sonntag im Jahreskreis
Die Wartezeit nutzen

Der hl. Leopold hat offenbar aus dem, was ihm gegeben wurde, das Beste gemacht.
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  • Der hl. Leopold hat offenbar aus dem, was ihm gegeben wurde, das Beste gemacht.
  • Foto: Stiftsarchiv Klosterneuburg
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Lukas 19,12–26

Für mich gehörte als Kind der Besuch des Leopoldimarktes in Klosterneuburg zum festen Bestandteil des Jahres. Und auch heute noch bin ich, so es meine Zeit zulässt, gerne dort. Heuer wird er nicht stattfinden können. Wie so vieles andere auch nicht. Wann Feste wie diese wieder möglich sein werden, weiß niemand.
Es ist eine Zeit des Wartens. Wie im Evangelium.

Die Zeit zwischen Abreise und Rückkehr des Königs ist eine Zeit des Wartens und der Bewährung. Niemand weiß, wann er zurückkommt, und der Auftrag an die Diener, das ihnen anvertraute Geld zu vermehren, ist herausfordernd. Eine solche Situation hatten sie vermutlich noch nie.

Eine Zeit der Unsicherheit und Orientierungslosigkeit also. Solche Zeiten machen Angst. Angst etwas falsch zu machen, wie sie der dritte Diener hat. Aber offensichtlich ist diese Angst kein guter Ratgeber, sie verunmöglicht auch das, was möglich wäre, und macht alles nur noch schlimmer. Stattdessen wäre Mut gefragt gewesen. Die anderen Diener handeln nicht verantwortungslos. Sie veruntreuen das Geld nicht. Aber sie verstecken es (und sich selbst) auch nicht. Sie handeln eigenständig und mutig, wie später auch der hl. Leopold, dem alljährlich rund um den 15. November eben jenes Leopoldifest gewidmet ist.

Der König, der seinen Dienern Geld gab und es vermehrt wissen wollte, hätte mit Leopold seine Freude gehabt. In dessen Regierungszeit florierte das Land, er gründete Klöster und einige Orte, darunter Wien, erhielten das Stadtrecht. Offenbar liest man gerade deshalb mitten im Matthäusjahr dieses Gleichnis nicht in der Version des Matthäus, die eigentlich an der Reihe wäre, sondern in der Fassung des Lukas. Denn nur bei Lukas werden die guten Diener mit Städten belohnt. Der hl. Leopold wird also durch diese Textauswahl als ebenso guter Diener gesehen und die neu hinzugekommenen Städte als seine göttliche Belohnung.

Die gegenwärtige Zeit ist schwierig und herausfordernd. Niemand weiß, wie lange wir noch auf bessere Zeiten warten müssen. Aber das heutige Evangelium ermutigt, die Zeit sinnvoll zu nutzen: nicht ängstlich das, was uns anvertraut wurde, brachliegen zu lassen, sondern kreativ und mutig damit umzugehen.

Der hl. Leopold hat offenbar aus dem, was ihm gegeben wurde, das Beste gemacht. Und irgendwann, wenn die schwierige Zeit vorüber ist und wir ihm zu Ehren wieder ein Leopoldifest feiern, können wir hoffentlich dasselbe auch von uns sagen.

Impuls

Inspiriert vom Evangelium

  • Was kann ich gut? - Wie könnte ich das in der derzeitigen Situation anderen zugute kommen lassen?
  • Wo fürchte ich mich, meine Begabungen zur Geltung zu bringen?
  • Welche Zuversicht hilft mir in Zeiten der Unsicherheit und des Wartens?
Evangeliumskommentar als PDF
Der hl. Leopold hat offenbar aus dem, was ihm gegeben wurde, das Beste gemacht.
Niemand weiß, wie lange wir noch auf bessere Zeiten warten müssen. Aber das heutige Evangelium ermutigt, die Zeit sinnvoll zu nutzen und kreativ und mutig damit umzugehen.
Autor:

Elisabeth Birnbaum aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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