Pater Anselm Grün: Werke der Barmherzigkeit - Teil 1
Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben

Es gibt heute viele Menschen, die nicht genug zu essen haben, nicht nur die Menschen in fernen Gebieten. Wenn Jesus vom Hunger spricht, meint er nicht nur den knurrenden Magen. Er spricht vom Hunger nach Gerechtigkeit und liebender Zuwendung.
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In dieser Fastenzeit sollen uns die sieben Werke der Barmherzigkeit begleiten.

Die Kirche hat schon sehr früh das Wort Jesu aus der Gerichtsrede ernst genommen, in dem er unsere Spiritualität am Verhältnis zum Hungernden, Dürstenden, Fremden misst. Jesus identifiziert sich mit den Armen, Obdachlosen und Kranken: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40).

Jesus zählt sechs verschiedene Gruppen auf. Die frühe Kirche liebt die Zahl sieben und hat schon früh ein siebtes Werk der Barmherzigkeit hinzugefügt: die Toten begraben.

Barmherzigkeit ist die Grundhaltung dieser sieben Werke. Barmherzigkeit ist für das Neue Testament die Haltung, die Gott auszeichnet. Wenn wir Menschen barmherzig sind wie unser himmlischer Vater (Lk 6,36), dann haben wir teil an Gott, dann sind wir von Gottes Geist geprägt.

Das erste Werk der Barmherzigkeit heißt:

Hungrige speisen

Es gibt heute viele Menschen, die nicht genug zu essen haben, nicht nur die Menschen in fernen Gebieten. Immer wenn eine Katastrophe über ein Land hereinbricht, öffnen sich auch hier viele Herzen und spenden für die, die aufgrund einer außerordentlichen Notlage hungern müssen.

Aber wenn wir die Augen öffnen, entdecken wir auch in unserer Nähe viele Menschen, die sich nicht satt essen können. Wo die Caritas oder andere Gruppierungen umsonst Essen anbieten, kommen immer mehr Menschen. Sie würden sich schämen zu betteln. Aber hier dürfen sie ihre Not zeigen. Hier werden sie nicht verachtet.

Jesus spricht in seiner Gerichtsrede vom König. Wir sollen die Hungernden wie Könige behandeln. Das geschieht bei den vielen Tafeln, die für Hungernde heute eingerichtet werden. Da werden nicht von oben her Almosen verteilt. Da wird jeder Arme wie ein König bedient. Er wird in seiner Würde geachtet.

Wenn Jesus vom Hunger spricht, meint er nicht nur den knurrenden Magen. Hunger ist für ihn immer schon ein Bild für den tieferen Hunger des Menschen. Er spricht vom Hunger nach Gerechtigkeit. Und er antwortet dem Satan, der ihn dazu verführen möchte, die Steine in Brot zu verwandeln, um so alle Menschen sättigen zu können: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ (Mt 4,4).

Was nährt die Menschen wirklich?
Was stillt ihre Sehnsucht?

Jeder begegnet Menschen, die nach Liebe hungern, nach Zuwendung und Bestätigung, und die danach hungern, etwas zu haben, was ihre Seele nährt: Worte, von denen sie leben können, einen Blick, der sie aufrichtet. In diesem Sinn gilt die Forderung Jesu, Hungernde zu speisen, für jeden Menschen.

Pater Anselm Grün

Serie: Pater Anselm Grün: Werke der Barmherzigkeit

Es gibt heute viele Menschen, die nicht genug zu essen haben, nicht nur die Menschen in fernen Gebieten. Wenn Jesus vom Hunger spricht, meint er nicht nur den knurrenden Magen. Er spricht vom Hunger nach Gerechtigkeit und liebender Zuwendung.
Pater Anselm Grün
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Der SONNTAG Redaktion aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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