Zeit für meinen Glauben
Auf dem weiten Wasser

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Als ihr Mann Alois todkrank ist, erlebt Uschi Gessl Phasen der Verzweiflung und Angst. Und macht die Erfahrung, dass Jesus sie trägt.

Es ist ein Zufallsbefund, der das Leben von Alois und Uschi Gessl auf den Kopf stellt. Alois ist Internist im AKH und macht – routinemäßig – ein Lungenröntgen, weil auf seiner Station ein Patient mit Tuberkulose behandelt wird. Die völlig unerwartete Diagnose: Lungenkrebs, nicht heilbar. „Auf medizinischer Seite war da blankes Entsetzen. Es war keine Therapie möglich und die Ärzte haben ihm noch sieben Monate gegeben“, erinnert sich Uschi. Aus den sieben Monaten sollten viereinhalb Jahre werden, in denen Uschi und Alois durch Angst und Überforderung gehen. Bis Alois am 28. März 2019 stirbt. Trotz allem, sagt die 56-Jährige, ist es eine Gnadenzeit gewesen, die Gott geschenkt hat. „Es ist kein Tag vergangen, der nur grau, nur voller Angst war.“ Uschi und Alois beten wie noch nie zuvor in ihrem Leben. „Unser Gebetsleben hat sich total verändert. Man betet ganz anders, wenn man weiß, dass man zu hundert Prozent keine Kontrolle hat.“ Die beiden befinden sich im Spannungsfeld: „Wir haben von Gott alles erwartet und bis zum Schluss um Heilung gebetet. Und gleichzeitig gesagt: Herr, dein Wille geschehe.“

Immer war jemand da

Kurz vor der Diagnose nähern sich Uschi und Alois nach Jahren in freikirchlichen Gemeinden wieder der katholischen Kirche an. 2014 lernen sie die Pfarre Cyrill und Method im 21. Bezirk kennen und sind begeistert. „Es ist schnell sehr intensiv geworden. Wir waren bald in einem Hauskreis und unsere Geschwister dort haben uns in dieser schwierigen Zeit getragen.“ Ihre Unterstützung – spirituell, emotional und praktisch – ist für Uschi und Alois extrem wertvoll. „Gott weiß, dass man so was nicht alleine schafft. Zum Schluss, als es Alois schon sehr schlecht gegangen ist, war immer jemand da.“ Nicht nur mit ihren gläubigen Freunden sind Alois und Uschi in den Jahren der Krankheit in engem Kontakt. Sie machen nie einen Hehl daraus, woraus ihre Kraft kommt. „Wir waren zu allen immer ganz ehrlich, und die Leute haben gesehen, dass Gott uns durchträgt.“ Besonders in den allerletzten Wochen kommen Freunde, Kollegen und Verwandte zu Alois nach Hause und sind tief beeindruckt. „Alois war bis zum Schluss mutig und tapfer. Ich weiß, dass wir für ganz viele Menschen ein großes Zeugnis waren, auch über den Tod hinaus.“

Vor den Thron Gottes

Das Lied „Oceans“ der australischen Lobpreisband Hillsong wird für Uschi und Alois während der Zeit der Krankheit sehr wichtig: „Im Lied heißt es, dass Jesus uns auf das weite Wasser hinaus ruft. Wir wollen das nicht, haben keinen Halt mehr und furchtbare Angst. Aber Jesus kommt uns entgegen. Das hat sich für uns total bewahrheitet“, sagt Uschi. Als Alois stirbt, ist Uschi bei ihm. „Ich habe ihm zweimal das Lied ‚Heilig, Heilig‘ vorgesungen und beim letzten Ton hat er seinen letzten Atemzug gemacht.“ Im Nachhinein fällt ihr auf, dass sich das Lied auf eine Stelle in der Offenbarung des Johannes bezieht, die beschreibt, „wie wir am Ende unseres Lebens den Siegeskranz unseres Lebens vor den Thron Gottes legen.“

Uschi erlebt, dass es möglich ist, den Tod ihres Ehemannes, des Vaters ihrer drei Kinder, mit Gottes gutem Plan zusammen zu denken. Menschlich gesehen, sagt Uschi, ist das ein totaler Widerspruch. „Ich muss es aber nicht verstehen, auch nicht verarbeiten.“ Uschi geht weiter, Schritt für Schritt. „Ich kann planen, aber ich weiß auch, dass es Gott ist, der meine Lebensdynamik gestaltet. Gott kennt meine Sehnsüchte und wird mir einfach weiter treu sein.“

Autor:

Sandra Lobnig aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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