Zeit für meinen Glauben
Ich habe auf ein Wunder gehofft

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Maria Winkler traut Gott zu, ihre schwerkranke Cousine zu heilen. Als diese stirbt, erlebt Maria eine Glaubenskrise. Heute sagt sie: Gott begleitet mich im Leiden.

Im Leben von Maria Winkler hat es eine Zeit gegeben, in der sie jeden Tag mit Leid und Tod konfrontiert war. „Ich war Krankenschwester auf der Abteilung für Innere Medizin, da war Sterben Alltag. Manchmal sind während eines Dienstes gleich mehrere Patienten gestorben.“ Von sich aus bietet Maria den zuständigen Ärzten damals oft an, im Todesfall die Angehörigen zu verständigen – vor allem dann, wenn sie befürchtet, dass der Arzt nicht die nötigen empathischen Worte finden würde. „Ich habe gemerkt, dass ich für das Gespräch mit den Angehörigen immer Kraft bekommen habe. Eine Kraft, die mich leitete, damit die Nachricht nicht gefühlskalt rüber kommt“, sagt die Niederösterreicherin, die heute als Religionslehrerin arbeitet.

Zornig auf Gott

„Obwohl Maria in diesen Jahren lernt, dass der Tod Teil des Lebens ist, erwischt es sie eiskalt, als ihre eigene Cousine schwer erkrankt und schließlich stirbt. „Meine Cousine hatte Krebs und zwei kleine Kinder. Ich habe viel gebetet und so sehr auf ein Wunder gehofft. Auch wenn ich gewusst habe, dass die Chancen bei Bauchspeicheldrüsenkrebs schlecht stehen.“

Maria traut Gott zu, ihre Cousine zu heilen, und muss miterleben, dass er das nicht tut. „Damals hatte ich eine echte Glaubenskrise. Ich habe Gott die Schuld gegeben.“ Es braucht einiges an Zeit und Ringen, bis sich Marias Zorn auf Gott legt. „Es war ein innerlicher Prozess, bei dem ich erkannt habe, dass Gott nicht für das Leid verantwortlich ist, aber dass er im Leiden ein wichtiger Begleiter ist.“

Not-Operation
Die Präsenz Gottes in schweren Zeiten erlebt Maria auch, als sie sich ein zweites Kind wünscht – und sie durch eine Fehlberechnung der Schwangerschaftswoche und eine Eileiterschwangerschaft nur knapp dem Tod entgeht. Eine Not-Operation ist nötig und rettet Maria das Leben.

Wenige Monate später hält Maria wieder einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Auch diese Schwangerschaft bereitet ihr Sorgen: „In der neunten Schwangerschaftswoche bekam ich starke Blutungen und hatte große Angst, das Kind wieder zu verlieren. Zum Glück hat sich die Lage nach ein paar Tagen im Krankenhaus wieder beruhigt.“ Auch der Verdacht auf Trisomie-21 bestätigt sich nicht und ihr Sohn kommt gesund zur Welt. „Unser zweiter Sohn heißt Samuel. Das bedeutet ‚vom Herrn erbeten‘. Und das nicht ohne Grund“, erzählt Maria.

Projekt ‚Pastoralinnovation‘
Zur Zeit arbeitet Maria beim Projekt ‚Pastoralinnovation‘ in ihrer Pfarre im niederösterreichischen Krumbach mit. „Ich habe das Gefühl, dass wir die Leute nicht mehr erreichen. So viele suchen Halt – das merke ich bei Gesprächen mit Freundinnen und im Religionsunterricht. Nur finden sie in der Kirche nicht das, was sie brauchen.“

Im Rahmen eines mehrmonatigen Prozesses stellt sich die Pfarre die Frage, was nötig ist, damit Menschen in der Pfarre andocken und den Glauben als Quelle im Leben erfahren können. Dass für Maria die Beziehung mit Gott sehr wichtig ist, wissen nicht zuletzt alle, die mit ihr über das soziale Netzwerk WhatsApp verbunden sind.

„Jeden Sonntag ändere ich meinen Status bei WhatsApp. Ich beschäftige mich davor mit dem Evangelium, nehme einen Vers daraus, manchmal suche ich auch ein passendes Bild und einen Gedanken dazu, und poste es. Das mache ich jetzt seit über einem Jahr.“

Immer wieder wird sie darauf angesprochen. „Eine Lehrerkollegin hat zu mir gesagt: Ich freu mich immer so, wenn du was postest. Ich les‘ das so gern!“

Autor:

Sandra Lobnig aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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