Hausbesuch in der Pfarre St. Rochus
Von Tür zu Tür

Missionarische Pfarre: Pfarrer P. Florian Calice CO läutet an Wohnungstüren an.
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  • Foto: Stefan Kronthaler
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Was kurze Gespräche an der Wohnungstür
bewirken können


Unterwegs von Wohnung zu Wohnung in der Fastenzeit: Ein missionarischer Selbstversuch in der Pfarre St. Rochus.

Seitdem Pater Florian Calice von den Oratorianern 2009 Pfarrer in St. Rochus (Wien 3) geworden ist, führt er mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern alljährlich in der Fastenzeit die Hausbesuchsaktion durch. Nur 2020 musste die Initiative wegen des ersten Lockdowns frühzeitig abgebrochen werden. Heuer war ich wieder an einem Nachmittag dabei. Die Menschen waren durchwegs freundlich, als sie hörten, dass wir keine Zeugen Jehovas sind, sondern von der katholischen Pfarre kommen. Allerdings wimmeln uns auch manche mit dem Hinweis, dass sie „nicht gläubig“ sind, schnell ab. Immer wieder ergaben sich auch längere Gespräche. Heuer überreichte P. Florian die Wunderbare Medaille mit einer Erklärung der Geschichte der Medaille, auf der auch das „Gegrüßet seist Du, Maria“ abgedruckt ist. Ich durfte den Menschen ein Gebet des heiligen Franziskus für den Frieden überreichen. Manche Jüngere nahmen gern die Einladung zum „Alphakurs“ an.
„Auch heuer haben sich bereits einige Personen für diesen Kurs angemeldet, die durch die Besuchsaktion auf dieses Angebot aufmerksam geworden sind“, freut sich P. Florian.

Mit vielen Menschen in Berührung kommen

Warum die Pfarre St. Rochus jährlich diese missionarische Aktion macht, will ich von P. Florian wissen, während wir zu Fuß sieben Stockwerke hochsteigen, weil in diesem Haus der Lift defekt ist. „Wir wollen in den Gläubigen das Bewusstsein wecken, dass wir als Pfarre für ein bestimmtes Territorium verantwortlich sind“, sagt der Pfarrer: „Sie sollen erfahren, dass es unsere Aufgabe ist, alle in unserem Gebiet wohnenden Menschen mit der Kirche und ihren Schätzen bekannt zu machen, angefangen vom Glauben an das Evangelium bis hin zu den Sakramenten und der Gemeinschaft der Glaubenden.“

Die Zahl der Mitarbeitenden bewegt sich jährlich zwischen 50 bis maximal 60 Personen, die immer zu zweit unterwegs sind. „Wenn 30 Teams ausgesandt werden können, kann das ganze Gebiet wenigstens theoretisch abgedeckt werden“, sagt P. Florian: „Es besteht die gute Chance, dass tatsächlich an jeder Wohnungstür wenigstens einmal angeläutet wird.“ – „Ich nehme mir einmal im Jahr für solche Tür-zu-Tür-Besuche Zeit, da man dabei mit vielen Menschen in Berührung kommt, die nie von sich aus in die Kirche gekommen wären oder das Gespräch mit mir als Priester gesucht hätten“, erläutert er.

Über den Alphakurs zum Gebetskreis

Dass sich diese Besuche lohnen, selbst wenn sie nur zu sehr kurzen Gesprächen an der Wohnungstür führen, kann P. Florian mit zwei Beispielen belegen. In einem Fall hat ein junger Mann aus Südamerika den Pfarrer kontaktiert: Das Gespräch mit den Pfarrmitarbeitern im Rahmen der Besuchsaktion habe ihn an den Glauben seiner Kindheit und Jugend, als er noch zuhause bei den Eltern gewohnt hatte, erinnert. Er bedauerte sehr, dass ihm „der Faden gerissen“ sei und wünschte sich, sein Glaubensleben wieder aufzunehmen.

Ein Hindernis für ihn war das Zusammenleben mit seiner Freundin, die zwar getauft und gefirmt war, aber keine Sozialisierung in der Kirche erhalten hatte. „Wir kamen überein, dass er seine Freundin für den Besuch eines Alphakurses gewinnen sollte“, erzählt P. Florian: „Das gelang, und die Alpha-Teilnahme brachte in den beiden den Entschluss hervor, kirchlich zu heiraten. In der Zwischenzeit hatten sie angefangen, gemeinsam zu praktizieren und nehmen seit damals regelmäßig an einem Gebetskreis teil.“

Große Sehnsucht nach den Sakramenten

Ein anderes Beispiel ist eine mittlerweile 101 Jahre alte Dame. „Ich war vor ca. zehn Jahren selbst mit einer Mitarbeiterin bei ihr an der Tür. Sie war sehr erfreut über den Besuch ihrer Pfarre, da sie das Haus nicht mehr verlassen konnte und eigentlich große Sehnsucht nach den Sakramenten hatte, die sie aufgrund ihrer Lebensumstände schon sehr lange nicht mehr hatte empfangen können“, berichtet P. Florian: „Nun war sie bereit dafür, hatte aber nicht gewusst, wie sie vorgehen sollte. Sehr schnell war ein erster Besuch von mir bei ihr vereinbart. Seither bringe ich ihr jeden Sonntag die heilige Kommunion, und die alte Dame, die geistig vollkommen wach ist, verbringt täglich eine Stunde im Gebet.“

Autor:

Stefan Kronthaler aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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