Kirchenmusik in St. Augustin
Neuer Kirchenmusikdirektor Tiefengraber führt die Tradition weiter

St. Augustin Kirchenmusikdirektor Peter Tiefengraber und Pfarrer P. Matthias Schlögl OSA.
  • St. Augustin Kirchenmusikdirektor Peter Tiefengraber und Pfarrer P. Matthias Schlögl OSA.
  • Foto: kathbild.at/Rupprecht
  • hochgeladen von Wolfgang Linhart

Die ehemalige kaiserliche Hofpfarrkirche St. Augustin in der Wiener Innenstadt gilt als eines der bedeutendsten Zentren der klassischen Kirchenmusik in Europa.

Die sonn- und feiertägigen Festgottes­dienste haben im musikalischen Kultur(er)leben der Bundeshauptstadt einen beachtlichen Stellen­wert. Für viele Wien-Besucher ist die Mitfeier eines Hochamts in St. Augustin ein Fixpunkt ihres Aufenthalts. Dieser Tage stehen der Kirchengemeinde besondere Feste bevor: am 28. August wird der Ordensvater hl. Augustinus gefeiert. Am 1. September gedenkt die Pfarre ihrer Wiedererrichtung vor 70 Jahren.

Auch der Augustinerkonvent war im Jahr 1951 revitalisiert worden, allerdings schon am 1. April (Weißer Sonntag). Unter­zeichnet wurde der Kontrakt zwischen Erz­­diözese und Ordensleitung bemerkenswerter Weise am 27. Jänner 1951, dem 195. Geburtstag Mozarts, dessen Musik hier seit jeher in besonderer Weise lebendig ist. Und schließlich beginnt am 1. September mit dem Amtsantritt von Kirchenmusikdirektor Peter Tiefengraber eine neue Periode der Kirchenmusik St. Augustin. Dieser Schritt bedeutet nicht bloß einen Personalwechsel im Dirigat der Hochämter, sondern die grundlegende Neuausrichtung der Betreuung und Verantwortung der Kirchenmusikaufgaben in ihrem gesamten Spektrum, was zudem erstmals in einer soliden Anstellung verankert wurde.


Eine wechselvolle Geschichte

Die Kirchenmusiktradition reicht hier fast so lange zurück wie die Präsenz der Augustiner in Wien überhaupt. Die Klostergeschichte begann bald nach der Ordensgründung Mitte des 13. Jh. im „Conventus suburbanus extra portam Werderianam“ (Rossau, Wien 9), wovon man aus der Stiftungsurkunde Friedrichs des Schönen vom 15. März 1327 weiß. Diese Stiftung verortete den Konvent auf den nunmehrigen Platz an der Hofburg. Einschließlich der Umwälzung im Jahr 1630 – Kaiser Ferdinand II. übergab das Kloster dem reformierten Zweig der „Unbeschuhten Augustiner“, die bislang dort ansässigen „Beschuhten Augustiner“ erhielten Grund und Boden am heutigen Rochusplatz in Wien 3 – wirkten die Augustiner hier mehr als 500 Jahre. Durch die radikalen Verordnungen Joseph II., insbesondere das Verbot, neue Ordensbrüder aufzunehmen, fand deren Präsenz in den 1830er Jahren jedoch ein Ende.

Erst 1951 sollten die Augustiner wieder nach Wien zurückkehren; das Aufleben der Kirchenmusik in St. Augustin war der Entwicklung hilfreich. Eine nicht unwesentliche Rolle spielte dabei der Diözesanpriester und nachmalig bekannte Kirchenhistoriker Franz Loidl. Jahrzehnte später erinnerte er sich: „Als ich 1943 als Kaplan bzw. Pfarrvikar nach St. Augustin übersiedelte ..., wurde ich vielleicht mit der sterilsten Stadtpfarre Wiens, wenn nicht gar der Erzdiözese bekannt gemacht. Der damalige Pfarrer glaubte zwar, sie seelsorglich in die Höhe zu bringen, was jedoch trotz echter Anstrengungen kaum sichtbare Früchte anzeigte.“ Als Gründe dafür wurden „übergroßes Gotteshaus, ungünstige Lage“, die Vielzahl von Kirchen im Umkreis, das Fehlen von Schulen im Pfarrgebiet und damit des Zugangs zur Jugend usw. angeführt. „So riet ich dem Pfarrer schon 1944, die Kirche wieder zu einer kirchenmusikalischen Pflegestätte wie einst auszubauen. Die kirchenmusikalische Abteilung der Erzdiözese (Anmerkung: sie war in ehemaligen Augustiner-Klosterräumen untergebracht) begann auch mit Hochämtern an Sonn- und Feiertagen.“

Als Loidl 1946 von Erzbischof Kardinal Innitzer den Auftrag erhielt, sich im Hinblick auf die beabsichtigte Auflösung (!) der Pfarre St. Augustin mit der Angelegenheit zu befassen, brachte er seine Ansicht nochmals ein. Durch den designierten Erzbischof-Koadjutor Franz Jachym konnte Loidl erreichen, dass die sudetendeutschen Augustiner in Prag, die im Zuge des Krieges Opfer der Vertreibung geworden waren, 1951 nach Wien geholt und von Neuem mit der Leitung der Pfarre betraut wurden. Mit Josef Schabasser, ab 1946 fast 25 Jahre lang Leiter der Augustiner Kirchenmusik, wurde die herausragende Bedeutung der Musikkultur im Erscheinungsbild der Pfarrkirche neu grundgelegt.

Sa, 28.8., Fest des hl. Augustinus, 18.30 Uhr: Hochamt, W. A. Mozart, Krönungs-Messe.
Mi, 1.9., Pfarrjubiläum, 18.30 Uhr: Hochamt, W. A. Mozart, Piccolomini-Messe. Augustinerkirche, 1010, Josefsplatz

Infos: augustiner.at

Autor:

Der SONNTAG Redaktion aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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