Pfarre St. Andreas in Hütteldorf
Mit dem Flohmarkt durch Corona

Die Pfarrjugend hat zum ersten Mal in der fünfunddreißigjährigen Geschichte des Flohmarkts die alleinige Verantwortung für den Kellerbereich übernommen.
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  • Die Pfarrjugend hat zum ersten Mal in der fünfunddreißigjährigen Geschichte des Flohmarkts die alleinige Verantwortung für den Kellerbereich übernommen.
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  • hochgeladen von Rosemarie Guttmann

Der Flohmarkt der Pfarre St. Andreas in Hütteldorf ist weit über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt. Wer auf der Suche nach etwas Besonderem ist, findet hier neben Flohmarktware Engagement, Hingabe und Zusammengehörigkeitsgefühl – trotz Corona.

von Kathrin Horvath

Plakate waren bereits produziert, der Einsatzplan festgelegt und zahlreiche Spenden eingelangt. Der Flohmarkt der Hütteldorfer Pfarre musste mitten in den Vorbereitungen aufgrund des Shutdowns abgesagt werden. Für die Pfarrgemeinde ein bitterer Schlag, denn der Flohmarkt hat sich in den letzten 35 Jahren zu einem wesentlichen Wirtschaftsfaktor entwickelt. „Wir hatten während des Shutdowns keine Einnahmen und haben uns aus finanzieller Not dazu entschlossen, im Sommer doch noch einen Flohmarkt zu machen“, erklärte Marianne Hunger, Architektin im Ruhestand und langjährige Organisatorin, „denn die Betriebskosten für die Pfarre, das Pfarrzentrum und den Pfarrkindergarten laufen trotz Corona weiter.“

Gut sortierter Allzweckladen

Der Sommerflohmarkt findet an den ersten beiden Augustwochenenden aufgrund der Corona-Auflagen in ungewohnter Weise statt. Ein Schild am Eingang des Pfarrzentrums weist heute auf das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sowie das Einhalten des Mindestabstandes hin. Auf einem Tisch steht eine Flasche Desinfektionsmittel, eine Plexiglasscheibe trennt die Besucher vom Garderobenpersonal. Einbahnschilder geben den Weg vor. Die Räume des Pfarrzentrums sind gespickt mit Kristallgläsern, Geschirr, Kleinelektro, Spielzeug, Textilien und Schuhen. Gegenüber vom hausinternen Flohcafé, das für seine hausgemachten Mehlspeisen beliebt ist, befindet sich die „Bücherrepublik“ von Peter Krause. Tausende Bücher, sortiert nach Themen, verleihen dem Raum einen charmanten Antiquariatsgeruch. „Ich habe jedes Buch in der Hand gehabt und geschaut, ob es in Ordnung ist“, verrät Krause, der seit Jahrzehnten für die Bücherabteilung zuständig ist. Die Flohmarktfans schätzen die gute Qualität und die übersichtliche Darstellung der angebotenen Ware. „Es ist, als würde man durch einen gut sortierten Allzweckladen gehen, nur ist halt alles schon gebraucht“, erzählt eine Besucherin.

Hauseigene Qualitätskontrolle

Um den Flohmarktbesuchern ein übersichtliches Stöbern zu ermöglichen, ist im Vorfeld viel Arbeit nötig. Die gespendeten Waren werden unter dem kritischen Blick der flohmarkterfahrenen Pfarrmitgliedern begutachtet. Ware, die beschädigt oder nicht mehr funktionsfähig ist, muss weg. Rund vierzig Personen, normalerweise vom Teenager bis zu Menschen in hohem Alter, arbeiten hier ehrenamtlich. Nachdem der überwiegende Anteil des bewährten Stammpersonals der Corona-Risikogruppe angehört und zum Teil ausfiel, ist kurzerhand die Jugend der Pfarrgemeinde für die Älteren eingesprungen. „Ich war schon etwas nervös, weil ich zum ersten Mal die Verantwortung für den ganzen Kellerbereich habe, aber es klappt bis jetzt ganz gut“, sagt Karoline Kickinger, Jungscharleiterin der Hütteldorfer Pfarre. Lilli Donnaberger, die ihre Flohmarktfamilie an den beiden Wochenenden koordiniert, erzählt: „Der Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung in der Pfarrgemeinde ist überwältigend.“

Zusammenhalt bis zum Ende

Die gesamte Flohmarktfamilie hält auch im Endspurt fest zusammen und greift sich gegenseitig unter die Arme. In der „Bücherrepublik“ herrscht nach der Sperrstunde Aufbruchsstimmung. Strahlender Sonnenschein dringt durch die Fenster, Krause schlichtet Buch für Buch in Bananenkartons. Der Raum füllt sich mit Schweißgeruch und Menschen, die Bücher einschlichten. Gefüllte Kartons werden auf eine Transportrodel gehievt und weggebracht. Innerhalb von sechzig Minuten sind Tonnen an Büchern in den Eingangsbereich verfrachtet worden, sie werden am nächsten Tag frühmorgens von einer Kinderkrebshilfeorganisation abgeholt. Die Aufräumarbeiten in den anderen Räumen dauern noch bis in die späten Abendstunden.

Am Ende des letzten Flohmarktwochenendes sitzt das stolze, aber erschöpfte Team der Pfarre St. Andreas beisammen und schnauft gemeinsam durch. Ein Teil des Erlöses wird für die dringende Erneuerung des Kirchdachs und die Corona bedingten Einnahmeausfälle der Pfarre eingesetzt. In diesem Ausnahmejahr 2020 ist es ausgerechnet ein Flohmarkt, mit dem die Pfarrgemeinschaft ihre Pfarre durch die Krise bringt.

Die Pfarrjugend hat zum ersten Mal in der fünfunddreißigjährigen Geschichte des Flohmarkts die alleinige Verantwortung für den Kellerbereich übernommen.
Tausende Bücher wurden nach Ladenschluss in mehr als 100 Bananenkartons verstaut und schweißtreibend zum Eingang des Pfarrzentrums verfrachtet. Barbara Roth und Peter Krause sind beeindruckt von der geballten Menge.
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Der SONNTAG Redaktion aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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