Die Kirche im Gespräch in Gloggnitz
„Man schaut aufeinander!“

Es ist schön hier: Irene Gölles und Ernst Pankl leben und arbeiten gerne in Gloggnitz.
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  • Es ist schön hier: Irene Gölles und Ernst Pankl leben und arbeiten gerne in Gloggnitz.
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Das dritte SONNTAGs-Gespräch mit Kirche und Gemeinde führt wieder nach Niederösterreich, dieses Mal in den Süden der Erzdiözese. Bürgermeisterin Irene Gölles und Pfarrer Ernst Pankl sind keine gebürtigen Gloggnitzer, aber sie haben in der kleinen Stadt ihre Heimat gefunden.

Der Besuch soll keine Abhandlung über „starke Frauen“ werden, aber in Gloggnitz kommt man an ihnen nicht vorbei. Das beginnt schon vor dem Stadtamt, wo zwei Wasserfrauen über den Platz wachen. Hier ist eine Art Wiege für interessante Politiker-Persönlichkeiten beider Geschlechter. Der erste Bundespräsident Österreichs, Michael Hainisch (1858-1940), stammt aus der Gemeinde. Karl Renner (1870-1950), Staatskanzler in der Ersten Republik und Bundespräsident in der Zweiten Republik, hatte hier eine Villa, die heute als Renner-Museum genützt wird. Ganz anders war hingegen die beherzte Kreszenzia Hölzl. Die Trafikantin aus Gloggnitz war von 1948 bis zu ihrem Tod 1958 eine der ersten Bürgermeisterinnen Österreichs. Das gefällt ihrer Nachfolgerin gut. Irene Gölles ist eine erfahrene Lokalpolitikerin. 21 Jahre lang ist sie bereits im Gemeinderat vertreten, seit 2010 lenkt sie als Bürgermeisterin die Geschicke der Stadtgemeinde im Industrieviertel Niederösterreichs. Pfarrer Ernst Pankl kennt sie seit 20 Jahren, als er die Seelsorge in der Stadt und mittlerweile über insgesamt vier Orte übernommen hat.

Die beiden sind per Du. Anders können sie es sich gar nicht vorstellen und anders würde auch gar nicht zu ihrer Zusammenarbeit passen. „Wenn ich bei der Kirche Schnee schaufle oder der Rasen gemäht wird, dann hilft der Bauhof der Gemeinde.“ Hilfe wird in Gloggnitz überhaupt großgeschrieben. Die Pfarre betreut eine syrische Familie. 2015 wurde während der Flüchtlingswelle viel auf die Beine gestellt, erinnern sich Irene Gölles und Ernst Pankl. Es gibt das Engagement der „Tafel“ für Bedürftige und ein anderes Lebensmittelprojekt dient der Nachhaltigkeit: Beim „Foodsharing“ kann man Lebensmittel kostenfrei abholen.

Wasserfrauen: Das Künstlerpaar Charlotte und Johannes Seidl gestaltete die Figuren vor dem Stadtamt in Gloggnitz.
  • Wasserfrauen: Das Künstlerpaar Charlotte und Johannes Seidl gestaltete die Figuren vor dem Stadtamt in Gloggnitz.
  • Foto: Sophie Lauringer
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Nicht im Speckgürtel
Gloggnitz liegt aber nicht im Speckgürtel Wiens. Heute hat die Gemeinde 6.000 Einwohner, vor 50 Jahren waren es mehr als 7.000. Die Bürgermeisterin bemerkt jedoch, dass manche Menschen bewusst am Land leben wollen. Dennoch gibt es leerstehende Häuser und für die Wirtschaft ist es eine herausfordernde Zeit. Der geschichtsträchtige Ort hat nicht mehr die Bedeutung als Einkaufsstadt der Region wie früher. Die Lebensqualität sei aber sehr hoch, ist Irene Gölles überzeugt. „Man schaut aufeinander“, ergänzt Seelsorger Pankl: „Man weiß, wenn jemand Hilfe braucht.“

So machen die beiden sich auf den kurzen Weg zur Pfarrkirche. Hier wird gerade eine Trauerfeier vorbereitet. Die Bürgermeisterin fragt nach, wer verstorben ist. Die Graffitis an der Kirchenmauer der schlichten Christkönigskirche inmitten der Schatten spendenden Grünanlage wirken störend. Dann betreten beiden die schlichte Pfarrkirche, die nach Plänen des bekannten Architekten Clemens Holzmeister (1886-1983) errichtet wurde und deren Bau erstaunliche 30 Jahre gedauert hat.

Don Camillo und Peppone – umgedreht
Ernst Pankl und Irene Gölles – sie sind eine Art umgedrehtes Paar von „Don Camillo und Peppone“. Bekämpfen diese beiden Helden einander nach Herzenlust, schätzen die zwei Wahl-Gloggnitzer einander wechselseitig: „Sie ist volksnah“, sagt Pankl, „Er ist umgänglich und zugänglich“, sagt Irene Gölles. Und wie die Streithähne aus den beliebten Kinofilmen halten sie zusammen, wenn es um das Wohlergehen im Ort geht und da werden Bürgermeisterin und Pfarrer auch künftig noch einiges zu tun haben. Ernst Pankl sagt zufrieden: „Es ist schön hier.“

Es ist schön hier: Irene Gölles und Ernst Pankl leben und arbeiten gerne in Gloggnitz.
Wasserfrauen: Das Künstlerpaar Charlotte und Johannes Seidl gestaltete die Figuren vor dem Stadtamt in Gloggnitz.
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Sophie Lauringer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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