Zu den Wurzeln des Glaubens
Die Stadt Davids, die Betlehem heißt

Betlehem ist heute eine Stadt im Westjordanland mit rund 30.000 Einwohnern.
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  • Betlehem ist heute eine Stadt im Westjordanland mit rund 30.000 Einwohnern.
  • Foto: Hans Hollerweger
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Hans Hollerweger, Priester, Liturgiewissenschaftler und Orient-Experte, hat über Jahrzehnte christliche Orte im Nahen Osten besucht und erforscht.

Der Gründer der „Freunde des Tur Abdin“ und der „Initiative Christlicher Orient“ (ICO) hat nun ein neues Buch mit dem Titel „Christliche Stätten im Orient“ veröffentlicht. Es zeigt die besondere Schönheit von Kirchen, Klöstern und weiteren religiösen Stätten und appelliert, die Christen des Nahen Ostens nicht zu vergessen.

Jedes Jahr zu Weihnachten verbinden wir uns durch das Friedenslicht mit Betlehem, der Geburtsstadt Jesu. Freiwillige bringen das Licht zu den Menschen in aller Welt. Es erinnert uns an den Geburtsort Jesu, der auch ein Ort der Sehnsucht nach einer gerechteren, friedlicheren und menschenfreundlicheren Welt ist. Eine Wallfahrt nach Betlehem ist derzeit pandemiebedingt nicht möglich.

Hans Hollerweger, Priester und Liturgiewissenschaftler aus Oberösterreich, hat sein Herz vor vielen Jahren an den Orient verloren und erforschte über Jahrzehnte die christlichen Stätten im Nahen Osten, darunter auch die Geburtsstadt Jesu: „Betlehem, das ,Haus des Brotes‘, liegt ca. zehn Kilometer südlich von Jerusalem und auf einer Seehöhe von 750 Metern. Nach einem Volksstamm, der sich dort ansiedelte, wurde es auch Efrata genannt. Die Stadt gehört als Geburtsort Jesu zu den bekanntesten und wichtigsten Wallfahrtsstätten der Christenheit“, berichtet Hans Hollerweger in seinem neuen Buch „Christliche Stätten im Orient“. Der Text-Bild-Band lädt ein, christliche Orte im Nahen Osten auf geistige Weise zu besuchen und kennenzulernen.

Die Stadt Davids

Betlehem wird in der Bibel bereits im Bericht über die Moabiterin Rut erwähnt, die sich in Betlehem niederließ und zur Großmutter Davids wurde. Durch ihn wird der Ort zur „Stadt Davids, die Betlehem heißt“ (Lk 2,4). Hans Hollerweger führt aus: „Betlehem gehörte zum Stamm Juda und wurde von den Königen des Südreichs regiert, unterbrochen durch Fremdherrschaften, die Palästina jeweils für kurze Zeit in Besitz nahmen. Im Jahre 63 vor Christus eroberten die Römer Jerusalem und ganz Palästina. Die römischen Kaiser setzten Herodes den Großen (+ 4 nach Christus) als Klientelkönig ein, unter dessen Söhnen Palästina aufgeteilt wurde.“

Schon der Prophet Micha kündigte an, dass der Messias in Betlehem geboren werde, wenn er sagt: „Aber du, Betlehem-Efrata, so klein unter den Gauen Judas, aus dir wird mir einer hervorgehen, der über Israel herrschen soll. Sein Ursprung liegt in ferner Vorzeit, in längst vergangenen Tagen.“ (Mi 5,1–2). Das Schriftwort wird von den Schriftgelehrten zitiert, nachdem König Herodes sich bei ihnen erkundigt, wo denn der Messias zu Welt kommen werde.

Heute bilden die Christinnen und Christen in der Stadt Davids eine Minderheit. „Betlehem hat ca. 30.000 Einwohner mit einer muslimischen Mehrheit“, so Buchautor Hans Hollerweger. Die Stadt ist heute zudem durch eine neun Meter hohe Betonmauer von Jerusalem abgegrenzt. Diese Grenzmauer kann zwar von Pilgern problemlos durchschritten werden, doch bestehe die Gefahr, dass die Not der Christen in Betlehem übersehen wird. „Die Sicherheitsmauer hat Betlehem zu einem ,Gefängnis‘ für die Bewohner gemacht“. Die Folge ist eine massive Auswanderung der Christen.

Mit seinem fundierten und weitblickenden Buch macht Hans Hollerweger aufmerksam auf diese Situation und lädt ein, sich mit allen noch verbliebenen Christinnen und Christen im Orient zu solidarisieren.

Autor:

Agathe Lauber-Gansterer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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