Berufungsoffensive der Salesianer Don Boscos
„Dort, wo Jugend ist, dort möchten wir sein“

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Mit 15. August trat P. Siegfried Kettner SDB sein Amt als Provinzial der Salesianer Don Boscos in Österreich an. Der Provinzial setzt persönlich auf die offensive Berufungspastoral in seinem Orden, er erklärt die Stärke einer Salesianer-Pfarre und warum die Arbeit mit den Jugendlichen der Schwerpunkt dieses großen Ordens ist. Gegenüber dem SONNTAG kommt er auch auf sein Vorbild, den heiligen Ordensvater Don Bosco, zu sprechen.

Ich war schon immer ein großer Fan von Don Bosco. Weil Don Bosco so unkonventionell war, auch in seiner priesterlichen Berufung, um für junge Menschen da sein zu können“, sagt der neue Provinzial der Salesianer Don Boscos, Pater Siegfried Kettner SDB, im Gespräch mit dem SONNTAG: „Don Bosco war unkonventionell, auch gegen alle Widerstände und gegen alle Obrigkeiten, staatliche oder kirchliche. Daraus ist meine Liebe zu meinem Ordensvater gewachsen. Er ist für mich ein großes, nachahmenswertes und wohl nie erreichbares Vorbild.“

  • Was macht das Salesianer Don Bosco-Sein aus?

P. Siegfried Kettner SDB: Ich hatte in der Zeit meines Suchens nach meiner Berufung auch mit anderen Ordensgemeinschaften Kontakt. Warum ich dann Salesianer Don Boscos und nicht Benediktiner geworden bin? Weil unser Tun, unsere Sendung sehr eindeutig sind, nämlich für junge Menschen dazu sein, vor allem für junge Menschen, die Bedürfnisse haben. Und dem ordnet sich sehr viel unter: Wir haben keine gemeinsamen Gebetszeiten, die strikt eingehalten werden, und dann kommt die Arbeit, und danach wird der Tagesablauf auch strukturiert, sondern bei uns kommt zuerst das Apostolat. In jedem Haus ist es ein bisschen anders, etwa in einer Pfarre oder einem HTL-Schülerheim. Wir wurden gegründet, um uns für andere Menschen einzusetzen. Don Bosco wollte keinen Orden gründen, er wollte für die jungen Menschen da sein und hat Mitarbeitende gesucht.

  • Wie können Sie als Orden für die Jugendlichen da sein?

P. Siegfried Kettner SDB: Vor allem durch den Einsatz der persönlichen Ressourcen, die wichtigste Ressource ist immer die eigentliche Persönlichkeit. Wir setzen immer mehr auf Kooperationen mit den Menschen guten Willens. Wenn sie so ticken wie wir, dann können wir gut zusammenarbeiten und Kooperationen einzugehen auf Dauer oder auf Projektbasis. Mit der Stadt Wien beispielsweise im Bereich der Jugendarbeit, wir haben einige Jugendzentren in Wien, da werden die angestellten Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter von der Stadt bezahlt. Wir Salesianer stellen Räume und Infrastruktur zur Verfügung und einen Trägerverein, mit dem dann all das möglich ist. Weil wir das selber einfach nicht leisten können. Wir sind zu wenige.

  • Herausforderungen für Orden sind immer auch die Berufungen. Was bedeutet diese Herausforderung für einen so großen Orden wie die Salesianer?

P. Siegfried Kettner SDB: Ein Ja und Nein. Ja, wir leiden wie auch andere Orden darunter, dass wir zu wenig junge Männer haben, die in unseren Orden eintreten. Da würden wir mehr brauchen. Wir merken aber auch, und daher ein kleines Nein, dass diese Umstände uns zu einer Konzentrierung und Klarheit in unserer Sendung zwingen. Wir haben schon Pfarren aufgeben müssen, die sind uns oft auch zugewachsen, weil wir damals genug Mitbrüder hatten. Auf jene Felder, die nicht unsere erste Berufung sind, haben wir verzichtet.

  • Gibt es noch andere große Herausforderungen?

P. Siegfried Kettner SDB: Dieses Weniger-Werden zwingt uns auch ein bisschen, uns mehr mit dem zu befassen, was Don Bosco wollte und wofür wir stehen. Also vor allem die Sorge für junge Menschen mit ihren vielfältigen Nöten. Auch wenn wir zu wenige sind, so ist es nicht allein die Zahl. Eine innere Kraftanstrengung wird die Sorge sein, jungen Menschen unsere Sendung nahezubringen. Also Berufungspastoral. Ich mache diese zur Chefsache. Weil ich schon Provinzbeauftragter für Berufungen war und weil es mir ein ganz persönliches großes Anliegen ist. Ein zweite große Herausforderung ist, dass wir Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten, immer mehr einführen in den Geist, in dem wir das tun. Wie wir Salesianer ticken. Und ich hoffe, wir ticken so, wie Don Bosco in seiner Zeit getickt hat. Wir setzen daher sehr stark auf die salesianische Fort- und Weiterbildung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ob hauptamtliche oder ehrenamtliche. Gemeinsam mit dem weiblichen Zweig der salesianischen Sendung haben wir auch das Don Bosco-Bildungsforum gegründet.

  • Welche Mission, welche Sendung hat Ihr Orden für die Erzdiözese Wien?

P. Siegfried Kettner SDB: Unsere Aufgabe ist es, unserer ursprünglichen ganz eigenen Sendung nachzugehen. Wir haben in der Erzdiözese Wien nur noch drei durchwegs größere Pfarren, die wir betreuen. Dort können wir einen ganz typischen Schwerpunkt setzen, etwa Jugendzentren. Das ist unser Beitrag. Dort wo Jugend ist, dort möchten wir sein. Sind wir mehr, können wir mehr bei der Jugend sein. Wir haben noch das Don Bosco-Bildungshaus in Wien 13, dort ist unser großes Anliegen die außerschulische Jugendbildungsarbeit. Die ruht zur Zeit ein bisschen corona-bedingt, aber wir sind zuversichtlich, dass es gut weitergehen wird.

  • Warum sind die Orden auch eine Bereicherung der spirituellen Landkarte einer Erzdiözese?

P. Siegfried Kettner SDB: Kirche lebt davon, dass sie vielfältig ist. Und gerade die Orden bringen einen bunten Blumenstrauß ein, was Spiritualität betrifft, und wie man Glaube leben kann. Das betrifft nicht nur die in einem Orden Lebenden, sondern es gibt viele Menschen, die in bürgerlichen Berufen stehen, die sich in der einen oder anderen Spiritualität auch zu Hause fühlen. Und die merken, so kann ich meinen Glauben in einer ganz bestimmten Ausrichtung leben. Und da sind die Orden ein großer Schatz, ein großer Reichtum für die Kirche. Zugleich waren die Orden immer auch ein kleiner, mahnender Zeigefinger der Kirche, die hingewiesen haben, wo der Schuh drückt, und die durch ihren eigenen Einsatz auch beispielshaft vorangegangen sind. Ob in der Krankenpflege des 19. Jahrhunderts oder in der Bildungslandschaft, oder wo junge Menschen vernachlässigt worden sind. Da war klar: Bildung, Ausbildung sichert Zukunft. Das hatten damals weder der Staat noch die Kirche so im Blickpunkt. Das ist heute oft anders geregelt.

  • Was kann einen jungen Menschen heutzutage so faszinieren, gerade in Ihren Orden einzutreten?

P. Siegfried Kettner SDB: Grundsätzlich gilt für alle Ordensgemeinschaften: Ist es ein Luxus, sich Zeit zu nehmen für die Beziehung mit Gott? Orden sind grundsätzlich ein Platz für gottsuchende Menschen. Nur um Sozialarbeiter zu werden, muss man nicht bei uns in den Orden eintreten. Es ist aber sinnvoll, wenn ein Gottsuchender auch ein die Menschen Suchender ist. Ich glaube, man findet Gott immer auch im Nächsten, der Sorgen hat, der am Rand der Gesellschaft steht, der von Armut betroffen ist, der jung ist und Unterstützung braucht. Das ist unser Ordens-Spezifikum: Dass wir für junge Menschen, für junge Menschen am Rande eine Aufmerksamkeit haben. Da finden wir auch immer Menschen, die mitarbeiten. In der Wiener Salesianer-Pfarre Stadlau etwa boomte die Wärmestube der Caritas. Da waren immer ausreichend auch junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv, die bereit waren, Zeit und Energie herzugeben für eine Sache, die sie sinnvoll finden: Kirche tut etwas für die Armen. Und das Schöne bei den Orden ist es, die Arbeit in Gemeinschaft zu tun. Es ist einfacher, wenn wir Kräfte bündeln und einfacher, wenn wir das Leben auch miteinander teilen.

Autor:

Stefan Kronthaler aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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