Zum Weltfrauentag am 8. März
Ein Stück des Weges miteinander gehen

Unterwegs zum nächsten Einsatzort – der Herausforderung Sozialarbeit stellt sich Barbara Trobej jeden Tag gerne.
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  • Unterwegs zum nächsten Einsatzort – der Herausforderung Sozialarbeit stellt sich Barbara Trobej jeden Tag gerne.
  • Foto: Claudia Schuler
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Starke Frauen: Mit Engagement und Leidenschaft kümmern sich Barbara Trobej und Veronika Kerres  seit vielen Jahren um Obdachlose.

Wir treffen Barbara Trobej im sogenannten „Wohnzimmer“ der Pfarre St. Florian im 5. Wiener Gemeindebezirk. Eine gemütliche Sitzecke, ein paar Tische und Stühle, ein Wuzzler und ein Bücherregal stehen hier. Meistens wird dieser Raum für Projekte genutzt, für Agapen, Gebetsabende oder etwa Alphakurse. Einmal im Monat aber wird das „Wohnzimmer“ zur Caritas Wärmestube für junge Erwachsene. Barbara Trobej, Sozialarbeiterin und seit vielen Jahren in der Pfarre St. Florian beheimatet, ist verantwortlich für dieses Angebot. „Aus den vielen Jahren, in denen ich als Sozialarbeiterin tätig bin, weiß ich, dass sich Jugendliche total schwer tun, irgendwohin zu gehen und Hilfe anzunehmen“, erzählt sie: „Da wollte ich mit unserer Wärmestube Abhilfe schaffen“. Die Jugendlichen können hierher kommen, auf ihrem Handy spielen, sich auf eines der Sofas legen und ein Buch lesen, einfach nur schlafen, etwas essen und trinken, vor allem aber – wie Barbara Trobej es sagt – „einfach einmal nur sein“. Darüber hinaus finden sie hier immer ein offenes Ohr, um ihre Sorgen und Probleme zu besprechen.

Spannend und herausfordernd

Dass Barbara Trobej ihren Job und ihr ehrenamtliches Engagement mit viel Herzblut macht, hört man aus jedem Satz heraus. „Für Menschen da zu sein, ist genau meines – ganz egal ob ehrenamtlich oder beruflich“, sagt sie lächelnd und liefert auch gleich die Erklärung, warum das so ist: „Man sagt Sozialarbeitern ja oft nach, dass sie dieses Helfersyndrom haben und jedem Menschen alles abnehmen und alle Probleme lösen wollen. Aber das ist es nicht. Vielmehr geht es darum miteinander einen Weg zu gehen.“ Man fange bei einem Punkt an, wo es ganz viele Baustellen gibt, sagt Barbara Trobej, und dann begleite man den Menschen bis zu einem Punkt, wo diese Baustellen – oder wenigstens ein paar davon – weg sind. „Das ist eine geistig sehr, sehr anstrengende Arbeit. Es kann schwierig sein, wenn man seinem Gegenüber nichts anbieten kann, was seine Situation verbessert. Oder es auszuhalten, dass eine Lösung, die man selbst für ein Problem sieht, noch lange keine – oder auch noch keine – Lösung für das Gegenüber ist.“

Dass sie das aushalten kann, dass sie jenen zur Seite stehen kann, die am Rande der Gesellschaft stehen, sieht Barbara Trobej dabei durchwegs als Geschenk: „Meine Arbeit ist schön, spannend und herausfordernd. Und sie macht mir Spaß.“

Nicht alleine

Ihre Kraft, sagt Barbara Trobej, schöpft sie aus dem Glauben: „Der Glaube ist seit einigen Jahren wieder ein wesentlicher Eckpfeiler in meinem Leben, der mich zur Ruhe kommen lässt und wo ich auch wieder Kraft tanken kann für meine herausfordernde Tätigkeit.“ Darüber hinaus tanke sie Kraft in ihrem Freundeskreis, der „mich so nimmt, wie ich bin – mit meinen guten Seiten, aber auch mit all meinen Fehlern“ und auch in der Musik. „Ich spiele Bass und das mit großer Freude.“

Die Idee für eine Wärmestube für Jugendliche trägt Barbara Trobej übrigens schon ganz lange mit sich herum. Wichtig ist es ihr in jedem Fall zu betonen, dass sie das alles hier nicht alleine macht, sondern in einem Team. „Ich bin keine One-Woman-Show“, lacht sie. Konkret unterstütze sie das Team, das auch jeden Sonntag Abend den Gottesdienst „die messe“ vorbereite. „Wir sind ein kunterbunter Haufen an Leuten und können uns aufeinander verlassen.“

Am richtigen Platz

Auf das starke Team, die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, ohne die sie die ganze Arbeit gar nicht bewerkstelligen könnte, verweist auch Veronika Kerres im Gespräch mit dem SONNTAG. Seit 2005 ist die studierte Ökonomin und Mutter dreier erwachsener Kinder in der VinziRast-Cortihaus im 12. Wiener Gemeindebezirk – einer Notschlafstelle und einem Übergangswohnhaus für ehemals obdachlose Menschen – im Einsatz. „Ich habe hier mit Nachtdiensten begonnen“, erzählt sie. Im Laufe der Jahre seien dann immer mehr Arbeiten dazu gekommen. „Ich habe hier meinen Platz gefunden.“ 2018 habe sie dann die Obfrauenschaft von Cecily Corti übernommen. „Wir leben hier in einer großen VinziRast Familie“, sagt sie. Gerade das Cortihaus mit seinen 16 Wohngemeinschaften mit 27 Wohnplätzen sei dabei nicht nur ein Platz zum Schlafen und Wohnen: „Jedem unserer Gäste wird ein ehrenamtlicher Begleiter zur Seite gestellt, der ihn in der Bewältigung des Alltags unterstützt. Und wir halten unsere Gäste auch dazu an, kleine Aufgaben für die Gemeinschaft zu übernehmen und sich gegenseitig zu unterstützen. Manchmal funktioniert das besser, manchmal schlechter – wie immer im Leben.“

Perspektivenwechsel

Es sei ihr natürlich bewusst, dass sie hier mit Menschen zu tun habe, um die andere einen großen Bogen machen. Die Distanz verliere man hier in der täglichen Arbeit allerdings sehr schnell: „Man lernt die Gäste kennen, sieht sie in ihrer Gesamtheit, reduziert sie nicht auf jene Phase ihres Lebens, in der sie obdachlos sind.“ Mit Freude höre sie die Lebensgeschichten jedes und jeder Einzelnen. „Die Arbeit hat mir ein viel weiteres Weltbild gegeben“, erzählt Veronika Kerres: „Und das versuche ich auch ein bisschen in die Welt hinauszutragen.“ Zudem lernen sie und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tagtäglich mit ihren Gästen. Unterm Strich bleibe: Um zu helfen, muss man „dran bleiben, da sein und sich dem stellen, was der Alltag mit sich bringt.“ Und es sei schön zu sehen, dass man mehr Vertrauen von den Gästen, aber auch mehr Vertrauen zu sich selbst bekommt, wenn man bereit ist, sich einzusetzen.

Autor:

Andrea Harringer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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