21. September: Dialog in Wiener Neustadt
Die Kirche, die Arbeiter und der Faschismus

Otto Bauer (1881-1938) hat die österreichische Sozialdemokratie in der Ersten Republik geprägt. Er war Mitbegründer des Austromarxismus und verstand sich als Demokrat ebenso wie als revolutionärer Wegbereiter des Sozialismus. Nach dem unglücklichen Aufstand gegen die austrofaschistische Diktatur schrieb er im Exil die Broschüre "Der Aufstand der österreichischen Arbeiter".
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  • Otto Bauer (1881-1938) hat die österreichische Sozialdemokratie in der Ersten Republik geprägt. Er war Mitbegründer des Austromarxismus und verstand sich als Demokrat ebenso wie als revolutionärer Wegbereiter des Sozialismus. Nach dem unglücklichen Aufstand gegen die austrofaschistische Diktatur schrieb er im Exil die Broschüre "Der Aufstand der österreichischen Arbeiter".
  • Foto: Gemeinfrei
  • hochgeladen von Wolfgang Linhart

Das Thema „Kirche und Sozialdemokratie in der Ersten Republik“ ist im wahrsten Sinn des Wortes ein heißes Eisen. In der Beurteilung und Bewertung scheiden sich bis heute die Geister. Ein Gespräch in Wiener Neustadt am 21. September steht im Zeichen des Dialogs.

Warum das Verhältnis zwischen Kirche und Arbeiterschaft in Österreich nicht immer konfliktfrei war, erläutert Universitätsprofessor Martin Jäggle gegenüber dem SONNTAG.

Warum haben sich in Österreich spätestens in der Zwischenkriegszeit die Kirche und die Arbeiter entfremdet?
MARTIN JÄGGLE: Die Katholische Kirche konnte damals in der Sozialdemokratie nur weltanschauliche und gesellschaftspolitische Gegner sehen, die es zu bekämpfen galt. Ihre vorrangige Aufgabe, Brücken zu bauen und dem Gemeinwohl zu dienen, hat sie nicht wahrgenommen. Im Unterschied zu Deutschland förderte die Katholische Kirche in Österreich damals eine anti-sozialdemokratische Atmosphäre, in der kein unbefangener Dialog mit der Arbeiterbewegung möglich war.

Martin Jäggle © privat
Martin Jäggle sagt: „Mit ‚Rerum novarum‘ hat die katholische Kirche erstmals das Elend des Industrieproletariats beklagt.“

War die heuer vor 130 Jahren erschienene erste Sozial-Enzyklika „Rerum novarum“ von Papst Leo XIII. eine Antwort der Kirche auf die Arbeiter-Frage?
Mit „Rerum novarum“ hat die katholische Kirche erstmals das Elend des Industrieproletariats beklagt und die Gesellschaft als eine in Klassen gespaltene beschrieben, in der „übermäßig Reiche einer Masse von Besitzlosen ein nahezu sklavisches Joch auferlegen“. 40 Jahre später betonte Papst Pius XI.: „Der nicht auf die gegenseitige Vernichtung gerichtete, sondern unter dem Anspruch des Gemeinwohls stehende Klassenkampf ist nach katholischer Soziallehre positiv zu bewerten.“ Ungefähr in diese Richtung ging wohl erst die österreichische Sozialpartnerschaft der Zweiten Republik.

Wie sieht heutzutage das Verhältnis zwischen Kirche und Arbeiterschaft aus?
Die „Arbeiterschaft“ in der Form von damals hat sich wesentlich verändert. Heute gibt es „working poor“ und prekäre Lebensverhältnisse in vielfältiger Form ohne Perspektive, mit fehlender öffentlicher Aufmerksamkeit und vielfach verschärft durch den Ausschluss vom Wahlrecht. „Ich möchte eine arme Kirche und eine Kirche für die Armen“, erklärte Papst Franziskus in seiner ersten Pressekonferenz 2013. Notwendig wäre, die Option für die „Armen und Bedrängten aller Art“ (Gaudium et spes 1) zu verstärken und der Versuchung nicht zu erliegen, sich von Repräsentanten der Oberschicht
vereinnahmen zu lassen. Kron

„Die Kirche, die Arbeiterschaft und der Faschismus“: Dienstag, 21. September, um 19 Uhr im Bildungszentrum St. Bernhard, Wiener Neustadt. Buchpräsentation: Werner Anzenberger (Hg.): Otto Bauer, „Der Aufstand der österreichischen Arbeiter“, mit anschließendem Gespräch zwischen dem Juristen und Historiker Werner Anzenberger und dem Theologen Martin Jäggle.
Anmeldung bis 17. September:

ka.arbeitnehmer@edw.or.at

und st-bernhard.at

Autor:

Stefan Kronthaler aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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