Sehenswert im Kino
Kehrt um – zur Urmutter des Brotes

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Harald Friedls faszinierender Film „Brot“ erzählt von traditionellen Handwerksbäckern und von großen Konzernen. Er verändert unseren Blick auf ein scheinbar alltägliches und immer verfügbares Lebensmittel. Ab 21. Februar u.a. im Votivkino Wien zu sehen.

Achtung, eine Vorwarnung: Wer den neuen Film „Brot“ von Regisseur Harald Friedl sieht, möchte kein industriell gefertigtes Brot mehr essen, auch kein Ciabatta, Dreikornweckerl, Vital-Stangerl oder Bio-Weckerl (!), wenn dieses aus einem Supermarktregal stammt und nicht nachweislich von echten Bäckerinnen und Bäckern gemacht wurde – mit deren Wissen, Handwerkskunst und vor allem: deren Zeit. Harald Friedls zutiefst menschenfreundlicher Film präsentiert die Brot-Industrie als Gegensatz zu den Handwerksbäckern in keinster Weise abstoßend. Er zeigt sie wie sie ist: maschinell, steril, streng kalkulierend. Friedl hört allen zu und zeigt ihre Arbeit, er lässt riechen, schmecken, sprechen.

Die Zeit als Verbündeter

Der Film „Brot“ bietet erhellende Einblicke in die heutige Welt des Brotes und seiner Erzeugung. Wir begegnen traditionellen Handwerksbäckern und Getreidebauern, die für ihre Qualität mit nachhaltigen Zutaten einstehen. „Die Tragödie unserer modernen Welt ist, dass wir die Zeit als Feind betrachten. Dabei ist die Zeit unser Verbündeter, sie muss respektiert werden“, sagt Christophe Vasseur, Handwerksbäcker in Paris. Vasseur gibt seinem Brot Zeit für den Reifungsprozess des Sauerteiges und für’s Gebacken werden im Ofen. Damit sich die Menschen der sozialen Funktion des Brotteilens besinnen, hat er vor sein Geschäft einen großen, schweren Tisch platziert, an dem sich seine Kunden tatsächlich gerne niederlassen und essen.

Verrückte neue Brotwelt

„Ich hatte nicht erwartet, dass mich ein Film über Brot so weit ins Unbekannte führen würde“, sagt Regisseur Harald Friedl. „Brot“ geht in die Backstraßen und Labors der Lebensmittelkonzerne, die mit Fertigmischungen dem authentischen Geschmack auf die Spur kommen wollen. „Zeit ist Geld“, sagt etwa Karl de Smedt, zuständig für die Kommunikation des Backmittelherstellers Puratos in Belgien. Keine Großbäckerei kann heute auf die hochtechnologisch ausgefeilten Puratos-Produkte verzichten: Fast alle Backwaren in unseren Supermärkten und Bäckerei-Ketten sind vorgebackene Produkte, die vor Ort nochmals aufgebacken werden müssen. Puratos sorgt mit speziellen Enzymen dafür, dass die Brote während des Transports von der Fabrik zum Supermarkt nicht in sich zusammenfallen, die Aufbackzeit nicht zu lange dauert und die Kruste am Ende einen appetitlichen Glanz erhält. Industriell gefertigtes Brot wird zunehmend zum künstlichen Produkt, ohne dass die Konsumenten es merken.

Ganz nach alter Bäckertradition arbeitet man hingegen wieder im Betrieb der Familie Öfferl in Gaubitsch (Bild oben links): „In der Biobäckerei Öfferl im Weinviertel habe ich an einer Teigmutter gerochen, die wie reife Bananen duftete. Dort lernte ich auch die lebensspendenden Kräfte von Mikroben kennen“, erklärt Regisseur Harald Friedl. Mit seinem Film „Brot“ trifft der gebürtige Oberösterreicher, Filmemacher und Schriftsteller den Nerv unserer Zeit und mitten hinein ins Mark unserer Gesellschaft, indem er in die Zusammenhänge von Umweltschutz, Landwirtschaft, Produktionsweisen, Politik und Konsum hineinleuchtet und uns unser alltägliches Gehetztsein und Sparen-wollen bewusst werden lässt.

Film-Fazit des SONNTAG: Ein absolut sehenswerter, Film, der uns Brot mit ganz neuen Augen sehen lässt. Weitere Infos unter www.filmladen.at/brot

Autor:

Agathe Lauber-Gansterer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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