Die Sonntagsspaziergänge
Jenseits von Riesenrad und Achterbahn

Die Prater Hauptallee ist sozusagen der „zivilisiertere“ Teil des Grünen Praters.
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  • Die Prater Hauptallee ist sozusagen der „zivilisiertere“ Teil des Grünen Praters.
  • Foto: Andrea Harringer
  • hochgeladen von Wolfgang Linhart

Mitten in der Stadt und doch auch mitten im Wald. Mitten im Verkehrslärm und doch so weit weg davon, dass man ihn kaum noch hört. Wo das geht? Im Grünen Prater im 2. Wiener Gemeindebezirk. Mit unserem achten SONNTAGsspaziergang unternehmen wir heute einen etwas untypischen Stadtspaziergang.

Im April 2020 wurde Wien – vor Städten wie München oder Berlin - von der kanadisch-amerikanischen Consulting-Agentur Resonance zur grünsten Stadt der Welt gekürt. Das hat natürlich viele Gründe – unter anderem wird bei diesem Ranking darauf geschaut, wie gut der öffentliche Verkehr ausgebaut ist und wie viele Menschen eine Jahreskarte für die Öffis haben. Außerdem geht es dabei auch um den Anteil, in dem erneuerbare Energie genutzt wird, oder auch um die Qualität der Luft. Und schon da hatte Wien offensichtlich unter allen berücksichtigten Städten die Nase vorn.

Eine scheinbar unendliche Allee…
Plätze, an denen man in den Grünen Prater hineinspazieren kann, gibt es unendlich viele. Tobias und ich haben uns heute als Ausgangspunkt das Lusthaus ausgesucht – es ist gut erreichbar mit der Buslinie 77A und steht praktisch mitten im Grünen Prater. Wohin wir unsere Schritte von hier aus lenken wollen, legen wir vorab nicht fest. Das Motto „Einfach mal drauflosgehen, wo es am Schönsten scheint“ hat uns bei all unseren Spaziergängen schon zu den besten Plätzen geführt. Wir bleiben ihm deshalb aus Überzeugung treu.

Heiß ist es heute. Sehr heiß. Und drückend schwül – wahrscheinlich marschieren wir deshalb, kaum beim Lusthaus angekommen, einfach mal in die Prater Hauptallee hinein. Die sechs Reihen hoher, dichter und schattenspendender Bäume sind einfach zu verlockend. Etwa 4.500 Meter lang ist die Prater Hauptallee, die „schnürlgerade“ vom Lusthaus bis zum Praterstern führt. „Wenn man da hinunter schaut, dann hat man den Eindruck, die hört gar nicht mehr auf“, sagt Tobias sichtlich beeindruckt. Aber nicht nur die scheinbare Unendlichkeit der Allee ist faszinierend. Auch die Menge an Kastanienbäumen, die die Allee säumen. Kein Wunder, dass gerade über sie sogar Liedtexte verfasst wurden – „Im Prater blüh’n wieder die Bäume“ von Robert Stolz.

...und Natur in all ihren Facetten
Spaziergänger sind heute hier nur wenige unterwegs, dafür umso mehr Radfahrer und Jogger. Und, nicht zu vergessen: Reiter. Mehrere Reitställe gibt es hier am Rande des Grünen Praters und die Weite der Wälder und Wege hier wird offensichtlich zum Ausreiten genutzt. Sogar eigene Verkehrsschilder gibt es hier, die darauf hinweisen, dass hier auch mit Reitern zu rechnen ist. Oft scheinen Reiter und Fußgänger aber hier nicht genau dieselben Wege zu nutzen, sondern im wahrsten Sinn des Wortes nebeneinander zu existieren.

Wir gehen die Allee noch ein Stückchen hinunter, bis wir beim Heustadlwasser angekommen sind. Hier verlassen wir die „zivilisierte“ Hauptallee, halten uns links und gehen am Oberen Heustadlwasser entlang. Natur pur erwartet uns hier – grün, soweit das Auge reicht. Schöner geht’s kaum. Wir bleiben einfach auf diesem Weg und umrunden so spazierend dieses Relikt aus jener Zeit, als hier noch die Donau bzw. Teile derselben geflossen sind.

Wieder bei der Prater Hauptallee angekommen, queren wir sie und halten uns rechts, um am Unteren Heustadlwasser entlang zu gehen. Auch hier: Natur pur, grün, soweit das Auge reicht. Nur ein Kleingartenverein, auf den wir nach ein paar Minuten treffen, ruft uns wieder in Erinnerung, dass wir doch mitten in der Stadt sind. Aber es dauert nicht lange und wir sind wieder mittendrin im satten, dichten Grün. Unglaublich, wie ruhig es hier ist. Von manchen Bäumen, fällt uns auf, steht eigentlich nur noch der Stamm. Kleine Schildchen, die darauf angebracht sind, erklären, dass diese Teile ehemaliger Baumriesen hier ganz bewusst stehen gelassen werden. „Altholz lebt“, so lesen wir. Altes und absterbendes Holz habe eine wichtige Funktion im Naturhaushalt. Es dient als Nistplatz etwa für Höhlenbrüter wie Spechte, Kleiber und auch Fledermäuse. Ihr Inneres sei außerdem willkommene Brutstätte für Insektenlarven etwa von Hirschkäfern – und als hätten wir ihn gerufen, landet auch gleich ein solcher vor unseren Füßen.

Biber und Sumpfschildkröten?
Wir gehen weiter, queren die Aspernallee und sehen dabei auch schon die kleine Wallfahrtskirche Maria Grün durch die Bäume blinzeln. Ihr einen Besuch abzustatten lohnt sich aus vielen Gründen (siehe auch unser Tipp zum Auftanken). Direkt dahinter geht der Weg weiter und wir finden ein Hinweisschild darauf, dass wir uns hier jetzt am Stadtwanderweg 9 befinden. Vorbei führt dieser Weg am Krebsenwasser. Hier „wohnen“ angeblich Biber und bauen emsig und ausdauernd an ihren Burgen. Leider bekommen wir aber keinen zu Gesicht – kein Wunder aber, ist der Biber doch sehr scheu.

Immer dem Weg entlang spazieren wir weiter. Der Weg macht eine starke Biegung und führt uns nun am Mauthnerwasser vorbei. Sumpfschildkröten – extrem selten und beinahe ausgestorben – soll es hier geben und ohne mich mit Sumpfschildkröten besonders gut auszukennen, kann ich mir vorstellen, dass sich die hier bei all dem Schilf und den vielen Büschen und Bäumen, deren Äste zum Teil ins Wasser hineinhängen, so richtig wohlfühlen können und dass die Vegetation hier außerdem ein gutes Versteck auch vor unseren allzu neugierigen Blicken bietet. Das Mauthnerwasser geht direkt ins Lusthauswasser über. Immer wieder gibt es am Ufer Plätzchen, von denen aus man einen guten Blick auf die Wasserfläche bekommt. Vielleicht sehen wir ja doch noch eine Schildkröte? Aber leider. Vielleicht haben wir ein anderes Mal Glück.

Nur wenige Minuten später sind wir wieder beim Lusthaus angekommen. Etwas mehr als 2 Stunden waren wir unterwegs.

Serie „Sonntagsspaziergänge"

Autor:

Andrea Harringer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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