Auch ein Papst muss essen
Glaube geht durch den Magen

Essen bedeutet für Papst Franziskus Begegnung mit anderen Menschen.  | Foto: VINCENZO PINTO / AFP / picturedesk.com
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  • Essen bedeutet für Papst Franziskus Begegnung mit anderen Menschen.
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In der dritten Folge unserer Sommerserie über kirchlich inspirierte Kulinarik schauen wir in die vatikanischen Kochtöpfe. Was aßen die Päpste gerne und welche Speisen bevorzugt Papst Franziskus? Dazu gibt es drei einfache Rezepte zum Nachkochen.

Die Kunst des Kochens wurde im Vatikan seit je her hoch gehalten. Der Renaissance Papst Pius V. engagierte sich den berühmtesten Koch der damaligen Zeit, Bartolomeo Scappi, als Küchenmeister. Der „Michelangelo der Köche“, wie Scappi genannt wurde, soll schon beim Konklave 1549/50 am Herd gestanden sein. Die Papst-Wahl dauerte mehr als zwei Monate – es heißt wegen Scappis Köstlichkeiten hätte keiner der Kardinäle früher heimreisen wollen.

Tendenz zur Bodenständigkeit
Von 1523 bis 1978 kam jedes Kirchenoberhaupt aus Italien. Die Küche am päpstlichen Hof war demnach stark von italienischen Rezepten geprägt. Versuchten in der Renaissance Päpste wie Leo X. ihre Gäste noch mit exotischen Gerichten zu beeindrucken, tendieren die Kirchenoberhäupter der letzten Jahrzehnte kulinarisch zu Bodenständigkeit und Bescheidenheit.

Kulinarische Kindheitserinnerungen
Berühmte Päpste wie Konzilsvater Johannes XXIII. bevorzugten nicht selten die einfachen Gerichte ihrer Heimatregionen. „Gar nicht so sehr, weil sie ein angestrengtes tugendhaftes Leben hätten führen wollen; eher liegt es daran, dass ursprüngliche Geschmackserlebnisse, kulinarische Kindheitserinnerungen, schwer zu überbieten sind“, meinen Andrea Ciucci und Paolo Sartor, Autoren des Buches „Einfach, aber himmlisch! Zu Tisch bei den Heiligen“.

Johannes Paul II. liebte die Tradition der polnischen Küche und wollte diese nach seiner Wahl zum Papst nicht missen. Polnische Klosterfrauen kochten für ihn die Spezialitäten seiner Heimat, darunter Piroggen (mit Fleisch und Gemüse gefüllte Teigtaschen) oder luftig-leichte Vanillecremeschnitten, die heute noch in Krakauer Cafes als „Kremówka Papieska“ (päpstliche Cremtörtchen) angeboten werden.

Auch sein Nachfolger Benedikt XVI. bevorzugte kulinarisch die bodenständige Küche seiner Heimat Bayern. Die von Joseph Ratzinger geschätzten Gerichte sind übrigens durchaus sommertauglich: Regensburger Wurstsalat und Kirschmichl zählen zu seinen Lieblingsspeisen.

Essen und Trinken spielen im Leben des ehemaligen Lebensmittelchemikers Jorge Bergoglio eine besondere Rolle. Autor Roberto Alborghetti widmete Papst Franziskus vor zwei Jahren mit „Kochen mit dem Papst“ ein umfassendes und lesenswertes Buch zu dessen kulinarischem Hintergrund. Der Argentinier stammt aus einer italienischen Einwandererfamilie und ist sowohl von italienischen wie argentinischen Kochtraditionen geprägt.

Heute schätzt Franziskus die gute Hausmannskost im vatikanischen Gästehaus Santa Marta. Essen bedeutet für den Papst vor allem Begegnung und Gemeinschaft mit anderen. Immer wieder setzt er sich mit Menschen vom Rande der Gesellschaft wie Obdachlosen und Häftlingen an einen Tisch. Und er ruft zum gerechten Teilen und einem verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Lebensmitteln auf.

Eines seiner Lieblingsrezepte – Gemüse-Frittata – ist dementsprechend einfach und bescheiden

Buchtipp:

Andrea Ciucci, Paolo Sartor
„Einfach, aber himmlisch! Zu Tisch bei den Heiligen“ – Rezepte aus zwei Jahrtausenden
Verlag Neue Stadt
ISBN: 978-3734610905
EUR 19,95

Serie: „Den Sommer genießen"

Autor:

Agathe Lauber-Gansterer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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