"Den Sommer genießen"
Des Fischers frische Fische

Am See Genezareth  berief Jesus seine ersten Jünger, die Fischer waren. Nach seiner Auferstehung briet er am Ufer für seine Jünger Fisch und teilte mit ihnen das Brot.
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  • Am See Genezareth berief Jesus seine ersten Jünger, die Fischer waren. Nach seiner Auferstehung briet er am Ufer für seine Jünger Fisch und teilte mit ihnen das Brot.
  • Foto: i-stock/EllaKari
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Vom Armeleuteessen zur feinen Spezialität, von Betsaida bis zum Attersee: Unsere neue Serie „Den Sommer genießen“ widmet sich in der ersten Folge der sommerlichen Fischküche und schaut dabei auf die Bibel. Wie wurde Fisch zurzeit Jesu gefangen und verarbeitet? Dazu gibt es ein Rezept aus der österreichischen „Sommerfrischeküche“.

Fisch war in biblischer Zeit nicht wie heute ein Luxuslebensmittel, sondern in gepökelter und getrockneter Form ein Essen der armen Bevölkerung“, erzählt Jutta Henner, Direktorin der Österreichischen Bibelgesellschaft und Lehrende an der Universität Wien, im Gespräch mit dem SONNTAG. Die Menschen in Palästina zurzeit Jesu aßen mehrheitlich Süßwasserfische. Das wichtigste Fischereigebiet war der See von Genezareth, zugleich ein zentraler Schauplatz der Bibel.

„Fischfanghausen“ und „Ort des Pökelns“

Noch heute verweisen Ortsnamen rund um den See von Genezareth auf die Jahrtausende alte Tradition des Fischens am „galiläischen Meer“. „Der Name Betsaida (Joh 1,44) bedeutet übersetzt eigentlich ,Fischfanghausen‘. Der griechische Ortsname von Magdala, Taricheae, bedeutet ,Ort des Pökelns‘“, führt Jutta Henner aus. Die Theologin und Bibelexpertin nimmt großes Interesse an der Alltagswelt der Bibel wahr und hält rund um das Thema viele Vorträge.

Als die bekanntesten Fischer der Evangelien gelten Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes. Jesus berief sie direkt an ihrem Arbeitsplatz. „Sie fingen Fische mit Schleppnetzen von Booten aus und waren in einer Art Genossenschaft organisiert. Jesus hat sie berufen, zu Menschenfischern zu werden“, sagt die Bibelexpertin.

Fisch an vielen Stellen der Bibel

Fische tauchen in der Bibel immer wieder als Thema auf. Jutta Henner berichtet: „Bis heute bei den Pilgern bekannt ist der St. Petersfisch – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Fisch aus dem Mittelmeer.

Mit seinem festen weißen Fleisch erinnert er ein bisschen an den Wels. An den Bäckchen hat er jeweils einen schwarzen Punkt mit einem gelben Kringel darum.“ Rund um dieses Fisch-Merkmal erzählt man sich eine Legende, die ihren Ursprung in der Bibel hat: In Mt 17,24ff. wird berichtet wie Jesus und die Jünger aufgefordert werden, die Tempelsteuer zu zahlen. Jesus sagt Petrus, er solle einen Fisch angeln. In dessen Maul befindet sich ein Vierdrachmenstück, mit dem sie die Steuer bezahlen. „Die Legende sagt, dass die schwarzen Punkte am Petrusfisch die Stelle sind, an der Petrus den Fisch mit den Fingern gehalten hat“, führt Jutta Henner aus.

„Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch; er nahm es und aß es vor ihren Augen“, heißt es im Lukasevangelium (24,42 f). Die Bibel erzählt an dieser Stelle eine schönsten Begegnungen der Jünger mit Jesus in den frühen Morgenstunden am See von Genezareth. Berichtet wird, dass der auferstandene Herr die Apostel am Ufer bereits erwartet: mit einem Holzkohlefeuer, auf dem Fische brutzeln. Er bricht das Brot und teilt die Fische aus. Es wird deutlich: Jesus lebt und ist bei ihnen. (vgl. Joh 21,1-14). Berühmt ist auch die wunderbare Speisung der 5.000 mit Fischen und Broten (Mt 14,17).

Fisch – das Symbol der Christen

„Zurzeit Jesu wurde der frische Fisch vor allem von wohlhabenden Römern aufgekauft, der gepökelte Fisch von der einfacheren Bevölkerung gegessen“, sagt die Bibelexpertin. Als koscher galt, was Schuppen und Flossen hat (vgl. Lev 11,9). „Aal und Meeresfrüchte wurden nur von den Römern gegessen.

In Apg 10,9 hat Petrus jene Vision, in der die unreinen Speisen für rein erklärt werden und das Christentum über die Grenzen des Judentums hinausging.“ Fisch wurde auch aus dem Jordan gefangen. Die Evangelien erzählen nur vom Binnenfisch. Heute gibt es in Israel Karpfenteiche, um das bekannte jüdische Gericht „Gefillte Fisch“ zubereiten zu können.

Auch im Alten Testament spielt Fisch eine Rolle. „In Ezechiel 47 erwartet der Prophet, dass in der Endzeit sogar das Tote Meer voller Fische sein wird. Im Buch Tobit werden Herz, Leber und Galle eines Fisches aus dem Tigris als Heilmittel genutzt“, sagt Jutta Henner. Dem Alten Testament zufolge gab es in Jerusalem ein „Fischtor“ – vermutlich dürfte dort an dieser Stelle ein Fischmarkt gewesen sein.

Bis heute hat der Fisch für Christinnen und Christen als eines der frühesten Symbole christlicher Kunst Bedeutung: Das griechische Wort für Fisch „Ichthys“ fasst die Anfangsbuchstaben des Bekenntnisses zusammen: „Jesus Christus, Gottes Sohn, Retter“.

Serie: „Den Sommer genießen"

Autor:

Agathe Lauber-Gansterer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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