Kommentar von Lydia Kaltenhauser
Rollentausch

Über „die“ Rolle „der“ Frau in „der“ Kirche reden? Die vielen Singulare machen mich unruhig – weil sie eine Eindeutigkeit vorgaukeln, die es nicht gibt.

Gedankenexperiment: Eine Veranstaltung zum Thema „Die Rolle des Mannes in der Kirche“, hauptsächlich von Männern besucht, Frauen sind in der Minderheit, weil es sie kaum betrifft. Die Vorstellung ist absurd. Männer haben in der Kirche nämlich, solange sie zölibatär leben, alle Möglichkeiten. Frauen nicht. Und daher sind Diskussionen über „die Rolle der Frau“ noch immer nötig.
Zwei (männliche) Schweizer Comedians spielen auf YouTube unter dem Titel „Geschlechtsverkehrte Welt: Papitag“ eine Situation nach, in der sich Frauen häufig befinden. Aber erst, wenn Männer in die Rollen der Frauen schlüpfen, wird das Ausmaß der Absurdität deutlich: „Wir sind noch echte Hausmänner, so wie es sich gehört. Zum Glück bringt die Frau das Geld heim!“. Der überzeichnete Kontrast strotzt vor Klischees, eh klar. Männer haben es auch nicht leicht, auch klar. Aber der Rollentausch bringt zum Lachen, öffnet die Augen und ermutigt, an mühsamen Diskussionen dranzubleiben, auch wenn sie sich sinnlos anfühlen – nicht nur zum Muttertag.

Autor:

Lydia Kaltenhauser aus Tirol | TIROLER Sonntag

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