Kommentar von Lydia Kaltenhauser
Lobgesang des Gehirns
„Frag’sch einfach ChatGPT“, gibt ein Volksschüler dem anderen als Tipp, als diesem nichts für den Aufsatz einfällt. Jetzt nimmt sich der Papst der Sache an.
Fällt es Ihnen auch auf? (Scheinbar) elaboriert klingende Texte schießen wie Schwammerln aus dem Boden. (Scheinbar) aufwändig gestaltete Plakate für jedes noch so kleine Event ebenso. Künstliche Intelligenz (KI) ist allgegenwärtig. Einfach einen „Prompt“ (Aufforderung) eingeben und zack, fertig. Hinterfragt wird wenig, solange es „schön“ ist. Diese einheitliche „Schönheit“ ist so glatt, dass ich Angst habe, darauf auszurutschen. Manchmal wird mir bang und ich frage mich, wie lange es Jobs wie den meinen noch geben wird. Vor allem aber möchte ich meinem mir von meinem Schöpfer geschenkten Gehirn auch weiterhin Denkfutter geben, so dass es hoffentlich noch lange fit bleibt und mich mit spannenden Gedanken
überrascht. Denn es ist nachgewiesen, dass das Hirnvolumen beim Verwenden von KI sehr schnell schrumpft. Nein danke! Für mich ist das eine neue Gebetsforum: Bewusst mein Gehirn anstrengen und dem Schöpfer für dieses Wunderwerk danken – zum Beispiel in der Vorfreude und beim Lesen der Enzyklika des Papstes zum Thema KI.
Autor:Lydia Kaltenhauser aus Tirol | TIROLER Sonntag |