Kommentar von Lydia Kaltenhauser
Aber...

Am Anfang war das... Aber. Das große Aber. „Aber“, so lernte ich einmal in einem Schreibseminar, löscht alles davor Gesagte aus. Es ist wie ein Radiergummi.

„Ich liebe dich, aber...“: So macht man keine Liebeserklärung. „Eine gute Idee, aber...“: So erstickt man Motivation im Keim. „Der Urlaub war schön, aber...“: So löscht man Erinnerungen. Ein „Aber“ lässt sich immer finden. Es ist die bequemste Art, zu argumentieren, sich zu Wort zu melden, wenn einem nichts einfällt, außer zu widersprechen. Dass „Ich liebe dich“ ohne „Aber“ daherkommen sollte, versteht sich von selbst. Besser als ein „Aber“ ist ein „Und“: „Ich liebe dich und will immer für dich da sein.“ – „Das ist eine gute Idee und ich möchte noch was ergänzen.“ – „Der Urlaub war schön und es tut gut, wieder daheim zu sein.“ Schon klingt alles ganz anders. Besonders wichtig ist mir das „Und“ im Glauben und in der Kirche: Man kann es Dialog nennen, Synodalität, Partizipation. Oder man kann einfach öfter „und“ sagen – jenseits des „aber das war schon immer so“ und des „aber das hat noch nie funktioniert.“ In treuer Nachfolge dessen, der Gott UND Mensch war. Und der uns ein pointiertes „Aber“ mit auf den Weg gegeben hat: „Bei euch aber soll es nicht so sein.“ (Mk 10, 43)

Autor:

Lydia Kaltenhauser aus Tirol | TIROLER Sonntag

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