Heilige Bonaventura
Mystisch bleiben!
- Der heilige Bonaventura auf einem Gemälde von Vittore Crivelli (1440 bis circa 1502).
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Einer der bedeutendsten Heiligen feiert am 15. Juli seinen Gedenktag. Der heilige Bonaventura prägte mit seiner Theologie die Kirche und kann uns auch heute noch viel über die Welt sagen.
O buona ventura!“ – „Welch glückliches Ereignis!“, soll der heilige Franz von Assisi ausgerufen haben, als der kleine Johannes auf sein Gebet hin von einer schweren Krankheit geheilt wurde. Bonaventura, dieser Name blieb dem jungen Johannes, der zu einem der bedeutendsten Kirchenmänner der Geschichte heranwachsen sollte.
Nachdem der Italiener in Paris studiert hatte, trat er 1243 in den Franziskanerorden ein und wurde 14 Jahre später dessen Generalminister, also der Oberste aller Franziskaner. Er wird oft als der zweite Stifter der Franziskaner bezeichnet, weil er den jungen Orden nicht nur gegen Angriffe von außen beschützte, sondern auch im Inneren des Ordens verbindend und reformierend wirkte.
Nicht nur als Ordensmann konnte Bonaventura (1221–1274) viel erreichen. Besonders seine Verdienste in der Theologie wirken bis heute nach. Vor allem seine Betonung der Mystik hebt ihn von seinen Zeitgenossen ab. Papst Leo XIII. nannte ihn sogar „Fürsten der Mystik“. Im Gegensatz zu einer rationalistischen Wissenschaftsauffassung, die geistliche Tiefe vermissen ließ, machte Bonaventura die religiöse Erfahrung stark, ohne aber auf Wissenschaftlichkeit zu verzichten. Bonaventura war es ein Anliegen, eine umfassende christliche Weisheit zu finden, die eben in der Vereinigung von spekulativer Mystik und rationaler Philosophie bestand.
Im Einen sind die ganze Schöpfung, die ganze Geschichte und alle Menschen angelegt.
Grundlegend für diese Weisheit ist Bonaventuras Vorstellung vom göttlichen Logos. Logos ist griechisch und bedeutet eigentlich „Wort“. In der Geschichte der Theologie und Philosophie aber bekam dieses „Wort“ viele Bedeutungen und viele Weisen, es zu interpretieren. Bonaventura sah im Logos das allumfassende Eine: In diesem Einen sind die ganze Schöpfung, die ganze Geschichte und alle Menschen angelegt. Aus und gemäß diesem einen Logos wurde alles. Somit erschließt sich in der Betrachtung der Welt ein Stück weit Gott selbst. Man kann sich das vorstellen wie eine Statue – betrachtet man sie, kann man Rückschlüsse darauf ziehen, wie die Statue gemacht wurde und was womöglich der Künstler dachte, als er sie gemacht hat.
Weil die Menschen aber durch die Sünde Adams nur mehr einen verfinsterten Blick auf die Welt haben, fällt es den Menschen nicht mehr so leicht, in der Betrachtung der Welt selbst Gott zu finden. Aber in der Heiligen Schrift, der Betrachtung des Gottessohnes Christus im Gebet und der Tradition der Kirche findet Bonaventura eine Hilfe für die Erkenntnis des göttlichen Logos.
Wenn wir also in die Welt schauen, sehen wir nach Bonaventura Spuren des Einen, des Göttlichen, des Logos, weil alles daraus entstanden ist. Wollen wir aber tiefer in das Geheimnis des Logos eindringen, braucht es die Heilige Schrift und das Gebet mit der Kirche. Das ist es, was Bonaventura zum „Fürsten der Mystik“ macht. Nicht das Geistige allein reicht, auch das Geistliche brauchen wir, um Gottes Spuren zu sehen. Wir müssen immer
mystisch bleiben. Matthias Wunder
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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