Der Name Gottes – Dr. Piotr Kubasiak
Schöpfer und Lebensspender

Gottes Schöpfergeist ist von Anbeginn in der Welt gegenwärtig. Er ist für jeden Einzelnen und für die gan­ze Gemeinschaft da, um neue Wege zu zeigen, wo es nicht weitergeht, um neues Leben hervorzubringen.
  • Gottes Schöpfergeist ist von Anbeginn in der Welt gegenwärtig. Er ist für jeden Einzelnen und für die gan­ze Gemeinschaft da, um neue Wege zu zeigen, wo es nicht weitergeht, um neues Leben hervorzubringen.
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Dass Gott der Schöpfer des Himmels und der Erde ist, steht am Anfang der biblischen Überlieferung. Beim „Sechstagewerk“ handelt es sich freilich nicht um eine naturwissenschaftliche Erkenntnis. Die Bibel hat eine andere Aussageabsicht.

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde …“ Mit diesen Worten beginnt die Bibel. Am Anfang gab es nichts, dann machte sich Gott an die Arbeit und es begann ein Spektakel: Es knallte Licht in die Dunkelheit, Himmel und Erde trennten sich, die Erde wurde bepflanzt und die Gewässer füllten sich mit Lebewesen, und schließlich brachte Gott sein Abbild – den Menschen – hervor. Auch eine Hollywood-Produktion wie der Film „Noah“ verkneift sich nicht, diese Geschichte beim Abendessen auf der Arche einzuspielen, mit allen Effekten der modernen Filmkunst. Es ist möglicherweise die biblische Geschichte schlechthin, mit der vermutlich jedes jüdische oder christliche Kind aufwächst. Eine wunderschöne Erzählung, die erst in eine Krise geriet, als man sie mit einer historischen Beschreibung verwechselte und zu wissen glaubte, dass Gott tatsächlich sechs Tage gewerkelt habe und diese Beschreibung jede Erkenntnis der Naturwissenschaft erübrige.

Der Anfang als Lebensprinzip

In dieser Reihe wird nach den Namen Got­tes gefragt. Was sagt es aus, wenn wir heute noch an Gott als den „Schöpfer“ glauben? Interessanterweise beginnt einiges mit dieser Geschichte: Die Bibel, die christliche Sozialisierung, das Glaubensbekenntnis und die Liturgie der Osternacht. Ja, es liegt in der Natur der Sache: Der Anfang steht am Anfang. Doch der Anfang muss nicht nur einen Beginn, also den ersten Punkt auf einer Kette von Ereignissen bedeuten, sondern kann auch die Ursache, der Grund, die Basis und das Prinzip sein, nach dem etwas entsteht und existiert (wie z. B. die Taufe für das Christsein oder das Trauungsversprechen für das gemeinsame Eheleben).

Indem Gott als Schöpfer, d. h. Urheber der Welt, bezeichnet wird, bekennt man sich dazu, dass die Welt kein Zufall ist, dass sie von Gott gewollt war, dass sie Seine ist. Darin erkennen die Chris­ten auch eine Antwort auf die Sinnfrage der Philosophie, woher wir kommen und wohin wir gehen.

Der Glaube an den Schöpfer bedeutet für unser Gottesbild, dass er ein starker (allmächtiger) Gott ist, der die Welt wollte und will und sie somit nicht im Stich lässt. Ein Gott, der Neues hervorbringt, kann nicht den Tod und somit die Zerstörung wollen, sondern er ist ein Freund des Lebens. Das Buch der Weisheit bringt es auf den Punkt: „Du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast; denn hättest du etwas gehasst, so hättest du es nicht geschaffen. Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben, oder wie könnte etwas erhalten bleiben, was nicht von dir ins Dasein gerufen wä­re? Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens.“ (Weish 11,24-26)

Da die Welt Gottes Werk ist, glauben schon die biblischen Autoren, dass man den Urheber in seinem Werk erkennen kann. Unsere Welt ist also ein Ort, an dem man Gott suchen, im Geschaffenen „eine Botschaft hö­ren, eine paradoxe und lautlose Stimme wahrnehmen“ (Johannes Paul II.) kann. Dass die Welt sein Werk ist, stellt aber für uns auch eine Grenze dar: Die Welt gehört nicht uns, wir können nicht willkürlich über sie verfügen. Damit ist ein Auftrag verbunden, der gerade angesichts der Umweltkrise zeitgemäßer denn je erscheint, nämlich unser „gemeinsames Haus“ zu schützen und die Ausbeutung der Schöpfung zu beenden.

Gott hat dem christlichen Glauben nach die Welt aber nicht nur erschaffen und erhält sie in ihrer Existenz, sondern er ist ein Gott, der die ganze Zeit über neues Leben hervorbringt. Das Glaubensbekenntnis spricht vom Heiligen Geist, der „Herr ist und lebendig macht“, der lateinische Hymnus „Veni, Creator Spiritus“ wiederum preist ihn als Schöpfergeist. Dies bezieht sich nicht nur auf den im Buch Genesis schwebenden Geist oder auf den Lebensanfang Jesu – „empfangen vom Heiligen Geist“ –, sondern auf das Versprechen Jesu, dass der Geist in der Gemeinschaft der Christen bleiben und diese leiten werde. Der Schöpfergeist ist für jeden Einzelnen und für die ganze Gemeinschaft da: Um an das zu erinnern, was vom Vergessen bedroht ist; um neue Wege zu zeigen, wo es nicht weitergeht; um neues Leben hervorzubringen, wo Aussterben droht.

Vielleicht sind diese beiden Namen Gottes, Schöpfer und Lebensspender, das einfachste Programm für ein Leben aus dem Glauben und auch für die Zukunft des Christentums – ein Programm des beständigen Neuanfangs: Dass nämlich am Anfang ruhig der Anfang stehen kann. Und dass wir bei aller nötigen Anstrengung nicht alles selbst meistern müssen, sondern mit dem Ruf beginnen können, der sich an den richtet, der „alles richten“ kann: Veni Creator Spiritus – Komm, Schöpfergeist.

Eine Serie von „Kirche bunt“ in Zusammenarbeit mit den THEOLOGISCHEN KURSEN der Erzdiözese Wien und der Österreichischen Bischofskonferenz.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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