Interview
Menschen ermöglichen mit ihren Spenden Hilfe

Caritasdirektor Hannes Ziselsberger | Foto: Caritas der Diözese St. Pölten
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Zum Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit sprach „Kirche bunt“ mit Hannes Ziselberger, Direktor der Caritas der Diözese St. Pölten, über aktuelle Projekte der Caritas.

Die Caritas ist in verschiedenen Bereichen für Menschen in Not tätig. Wo sehen Sie aktuell Not in der Gesellschaft?

Hannes Ziselsberger: Not ist vielfältig und nicht immer leicht zu entdecken. Wir dürfen in Niederösterreich auf ein gutes soziales Netz vertrauen. Menschen mit Behinderungen, psychischen Erkrankungen oder Pflegebedarf erhalten im Zusammenwirken von Behörden und Hilfsorganisationen meist gute Betreuung. Aber es bleibt im Einzelfall oft persönliche Not bestehen, sowohl bei Armut, aber auch bei Themen wie Einsamkeit oder Überforderung. Not ist heute oft weiblich, in alleinerziehenden Familien und bei Menschen mit Migrationshintergrund zu finden.

Was sind derzeit die großen Herausforderungen für die Caritas?

Ziselsberger: Aktuell sind wir dabei, Menschen zu helfen, die vom Hochwasser letztes Jahr betroffen waren und die in finanziellen Notsituationen sind. Nachdem wir schon nach dem Hochwasser in den betroffenen Pfarren mit Soforthilfe geholfen haben, gehen wir jetzt mit Unterstützungen für den Wiederaufbau in die Gemeinden.

Wie gelingt es der Caritas, in solchen Situationen helfen zu können?

Ziselsberger: Es gelingt, weil viele Menschen mit ihrer Spende diese Hilfe ermöglichen. Gerade beim Hochwasser haben wir die hohe Solidarität gespürt und ich möchte mich bei allen bedanken, die rasch mit ihrer Spende geholfen haben. Im Juni startet die 75. Haussammlung, die unsere wichtigste Spendensammlung ist. Tausende Menschen gehen von Haus zu Haus und sammeln für Menschen in Not. Ich hoffe, dass zum Jubiläum wieder viele Pfarren die Sammlung unterstützen. Auf einen besonderen Termin möchte ich hinweisen: Am 2. Juni findet um 18.30 Uhr im Stift Herzogenburg ein Konzert der NÖ Polizeimusik zu Gunsten der Haussammlung statt und stellt den offiziellen Starttermin dar, zu dem auch Bischof Alois Schwarz und Landtagspräsident Karl Wilfing zugesagt haben. Ebenfalls zum Thema 75 Jahre Haussammlung wird Franz Küberl, langjähriger Präsident der Caritas Österreich, sein Buch „Von der Kriegscaritas zur Friedenscaritas 1945-1951“ am 26. Juni um 18.30 Uhr im Bildungshaus St. Hippolyt vorstellen. Die Haussammlung schließt genau an diese Zeit an.

Seit der Nachkriegszeit hat sich die Gesellschaft und damit auch die Arbeit der Caritas sehr gewandelt. Was sind heute Herausforderungen für die Arbeit der Caritas?

Ziselsberger: In den letzten Jahren wurde spürbar, dass Energiearmut ein großes Thema ist und auch in unseren Wohnhäusern und Werkstätten spüren wir die gestiegenen Energiepreise. Als Caritas möchten wir bis 2030 möglichst CO2-neutral werden. Dazu starten wir jetzt den „Caritas green-deal“. Wir bieten im Rahmen des Alternativen Finanzierungsgesetzes Nachrangdarlehen zwischen 1.000 und 10.000 Euro an. Unser Ziel ist es, knapp zwei Millionen Euro zu erreichen und damit sowohl den Ausbau von Photovoltaik-
anlagen, von Stromspeicheranlagen und auch von Elektro-Mobilität zu finanzieren. Dieses Geld ist aber nicht als Spende an die Caritas gedacht, sondern kann nach fünf Jahren wieder zurückgezahlt werden. Wir zahlen dafür zwei Prozent Zinsen pro Jahr, die in bestimmten Fällen auch steuerfrei ausbezahlt werden. Ich hoffe, dass wir dieses Ziel erreichen und viele Menschen diese sinnvolle ökologische und soziale Investition durch ihre Beteiligung ermöglichen.

Wenn es gelingt, die Stromproduktion zu erhöhen, wer hat dann etwas davon?

Ziselsberger: Zuerst einmal wird der Strom in den Wohnhäusern, Werkstätten oder im Pflegeheim verwendet. Wir werden auch der Bürgerenergiegemeinschaft Robin-Powerhood beitreten. Damit können wir Überschüsse innerhalb der Caritas, aber auch an armutsbetroffene Menschen verteilen. Gerade jetzt, wo Einspeisetarife sinken, möchten wir damit auch ein Modell für andere sein und laden Besitzer von Photovoltaik-
anlagen ein, einen Teil ihrer Überschüsse zu spenden und so Menschen in Not zu helfen.

Das sind sehr neue Ansätze der Hilfe. Muss sich Hilfe immer wieder neu erfinden?

Ziselsberger: Ja, die Caritas ist seit 105 Jahren ein „start-up“ der Nächstenliebe. „Not sehen und handeln“ und die Suche nach Antworten auf die Nöte von heute motivieren uns. Aber letztlich ist das keine neue Idee. Jesus selbst hat sich den Menschen in Not zugewandt und Gott möchte Menschen ein Leben in Fülle schenken. Die Schöpfung ist darauf ausgelegt, dass es allen Menschen gut geht. Wir sind dabei nur ein Werkzeug, um diese wunderbare göttliche Idee eines Lebens in Fülle ins Hier und Jetzt zu übersetzen. Die Werke der Barmherzigkeit sind eine von vielen Botschaften, wie Menschen gut füreinander sorgen können. Menschen sind einander das Werkzeug, um diese Welt zum Guten zu gestalten.

Interview bearbeitet von Luce Fiduccia

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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