Dinge mit Geschichte(n) von Inge Friedl
Zapfen, Moos und viel Fantasie

Foto: kristall / Adobe

Zur Kindheit am Land gehörte früher in jedem Fall das „Zapfen-Spiel“. Eine Bäuerin erinnert sich: „Aus dem Wald haben wir uns Fichtenzapfen geholt, das waren unsere Viecherln, die Kühe, die Kalben und die Ochsen. Aus Steinen haben wir Mauern für den Stall gemacht. Der Weidezaun waren ein paar gelegte Äste. Und so haben wir gespielt: Die Kühe gehen auf die Weide. Dann kommen sie wieder in den Stall zurück.“ Mit nichts als Zapfen, Moos, Holz und Ästen entstand so ein kompletter Bauernhof mit Ställen, Tieren und Weiden. Die Zapfen stellten dar, was das Kind wollte: Tiere, aber auch Bauer und Bäuerin, Knechte und Mägde und manchmal sogar Prinzen und Prinzessinnen.
Es gab früher eine beträchtliche Anzahl von Kindern, die niemals gekauftes Spielzeug besessen haben. Trotzdem, eine solche Kindheit war nicht (nur) arm, sondern auch reich an Eindrücken und Möglichkeiten. Wer keine Puppe besaß, konnte sich mit Fantasie aus Naturmaterial ein Puppenkind erschaffen. Eine Burgenländerin erinnert sich: „Meine Puppe war ein Kukuruzkolben. Ich habe die Schale nach unten gebogen, das war mein Puppenkleid. Der Kolben war meine Puppe und die weichen Haare oben waren die Puppenhaare.“
Dies alles klingt wie eine Erinnerung an eine lange vergangene Zeit. Dabei reden wir von den 1950er und 1960er Jahren, als die meisten Kinder wenige gekauften Spielsachen oder auch gar keine hatten. Könnten Kinder heute auch noch so spielen? Würden sie sich mit Naturmaterialien und anderen Gegenständen beschäftigen, wenn man ihnen Legosteine und Plastikfiguren wegnimmt? Ein Kindergarten im Mühlviertel ließ sich auf das Abenteuer ein. Und siehe da, nach einer kurzen Eingewöhnungszeit spielten die Kinder mit Tischen, Stühlen, Decken, Schachteln und anderen Materialien. Sie bauten Höhlen unter Tischen, bastelten sich ihre Spielsachen selbst und experimentierten im Garten mit Erde, Steinen und Moos. Trauen wir unseren Kindern doch auch das zu, was für viele Generationen selbstverständlich war: Die Freiheit, sich eigene Spielwelten zu erschaffen, auch dann, wenn das Spielzeug „auf Urlaub“ ist.
Inge Friedl

Autor:

Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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