Wie's Leben früher war
Heiraten im Fasching
- Bauernhochzeit im Jahr 1932. Dass es Winter ist, merkt man an der warmen Kleidung. Man achte auch auf den Hochzeitsbuschen: Verheiratete Gäste tragen das Sträußl rechts und die Ledigen links.
- Foto: Friedl / Düregger
- hochgeladen von Kirche bunt Redaktion
Wer alte Hochzeitsfotos aus dem bäuerlichen Bereich betrachtet, wird feststellen, dass das Brautpaar und die Hochzeitsgäste oft winterlich angezogen sind. Das liegt daran, dass die Faschingszeit nicht nur die Zeit der Narren war, sondern auch viele Ehen in diesen Wochen geschlossen wurden. Der Zeitpunkt passte hervorragend: Das Tanzen war nach der Adventzeit wieder erlaubt und auch die Arbeit machte im Winter eine kleine Pause.
Große Bauernhochzeiten waren eine willkommene Gelegenheit, endlich wieder zu tanzen. Für uns heute kaum mehr vorstellbar, aber früher war das Jahr von einer Vielzahl von Tanzverboten geprägt. Im Herbst zu St. Kathrein, am 25. November, hieß es „Kathrein sperrt Tanz und Geigen ein“. Nun begann die Fastenzeit im Advent, zu der selbstverständlich auch nicht getanzt werden durfte. Manchmal fand schon am 26. Dezember ein Stefanikränzchen statt, spätestens aber am Dreikönigstag durfte man offiziell wieder tanzen. Bis zum Aschermittwoch erfreute sich Jung und Alt an Bällen, Festen und eben Hochzeiten, bis die Osterfastenzeit alle Vergnügungen beendete.
Auch im Sommer und Herbst konnten nicht jederzeit Tanzveranstaltungen stattfinden. Eine steirische Bäuerin berichtete mir, dass in ihrem Dorf in den 1950er-Jahren einmal während der Erntezeit fleißig getanzt wurde. Unmittelbar danach suchte ein Hochwasser die Gegend heim. Dies deutete man als Strafe für den Frevel, während der arbeitsintensiven Erntewochen Nächte durchgetanzt zu haben.
Ganz anders in der Faschingszeit. Nun hatte auch der Bauer endlich Zeit zum Feiern! Eine große Bauernhochzeit war ein Vergnügen für das ganze Dorf. Neben den geladenen Gästen fand sich auch eine große Anzahl von „Zuawigehern“ ein, die zwar tanzten, aber nicht am Hochzeitsmahl teilnahmen. Falls Speisen übrig blieben, durften sie diese dafür nach dem Fest als „Bschoadessen“ mit nach Hause nehmen. Unter „Bschoad“ versteht man den Rest einer Mahlzeit, der als Wegzehrung mitgenommen werden darf.
Geheiratet wurde übrigens früher fast im ganzen deutschen Sprachgebiet vor allem an Dienstagen. Genau genommen sagte man: Am Montag heiraten die Witwer, am Dienstag die Ledigen. Aber alle bevorzugten eine Hochzeit im Fasching, denn da konnte zünftig gefeiert werden! Inge Friedl
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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