Schätze aus Wolfsberg
Markuskirche erstrahlt im neuen Glanz

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Für die Pfarre Wolfsberg ist 2021 ein ganz besonderes Jahr: Die Gläubigen der Pfarre können sich über ein neues Pfarrbüro, drei restaurierte Altäre und die Gruft, die erstmalig nach 90 Jahren geöffnet und generalsaniert wird, freuen.
von Carina Müller

In der Pfarre Wolfsberg hat sich einiges getan – die Markuskirche, die im Herzen des Lavanttals steht, erstrahlt im neuen Glanz. Drei Altäre konnten komplett renoviert werden – der Herz-Jesu Altar, an welchem die täglichen Anbetungen gehalten werden, gegenüber der Cäcilienaltar und der Valentinsaltar mit seiner Vitrine, in der man eine Reliquie des Hl. Valentin bewundern kann.

Eine traurige Enthüllung
Im Zuge dieser Renovierungen wurde die Gruft unter dem Valentinsaltar erstmalig nach 90 Jahren geöffnet: „Um die Pfarre und ihre Vergangenheit besser kennenzulernen, habe ich die im Jahre 1927 von Balthasar Streiner verfasste Pfarrchronik gelesen und so die Gruft gefunden, welche 1931 schon einmal für vier Wochen zugänglich war. Als wir diese am 27. Mai erneut öffneten, bot sich uns ein trauriges Bild – die Gruft befand sich in einem komplett desolaten und unwürdigen Zustand. In diesem konnten wir sie nicht einfach wieder zumachen und oben in der Kirche schöne Messen feiern. Hier sind einst Menschen bestattet worden und sie verdienen etwas Besseres“, so Pfarrer Christoph Kranicki.

Startschuss für die Sanierung
Für Karnicki war klar, dass etwas getan werden musste und so leitete er den Beginn des Projektes ein: „Wir wussten, dass es kein einfacher Weg werden wird. Die Frage, ob wir das schaffen werden, kam immer wieder auf. Auch der finanzielle Aspekt ist bei einem so großen Unternehmen zu beachten. Doch wie als wäre es von oben gewollt, lösten sich unsere Probleme nach und nach auf.“ Bald fand die Pfarre ein Archäologenteam – die gebürtige Lavanttalerin Astrid Hassler, welche schon bei Ausgrabungen in Ägypten tätig war, und Student Rainer Pauer haben sich bereit erklärt, in ihrer Freizeit an diesem Projekt mitzuarbeiten. Auch das Bundesdenkmalamt hat die Ziele der Arbeiten von Anfang an mitgetragen. So konnten die Funde dokumentiert und ins Archiv abgelegt werden. Pfarrer Kranicki fährt fort: „Ich bin dem Bundesdenkmalamt und dem Diözesankonservatorium für ihre Hilfe zum Erreichen unseres Zieles sehr dankbar. Ich möchte mich auch besonders bei all bei unseren Unterstützern für ihre großzügigen Spenden bedanken. Sowie bei Landesrat Daniel Fellner, welcher sehr zur Attraktivierung unserer Markuskirche beigetragen hat.“

300 Jahre alte Fundstücke
Am 12. Juli konnte endlich mit den archäologischen Arbeiten begonnen werden – dabei fand man etwas womit niemand gerechnet hatte: Es wurden Knochen von über 45 Menschen gefunden. Auch die Bretter, welche vermischt mit Erde und Schmutz vorgefunden wurden, waren Untersuchungen zufolge einmal Särge. Durch die Funde kann man einiges über die damalige Bestattungskultur herausfinden: „Man findet eigentlich keine Literatur zu Bestattungsbräuchen in Österreich. Wir können uns mit der Michaelergruft in Wien vergleichen. Hier gibt es Parallelen, wobei man sagen muss, dass es in ländlichen Gebieten eine ganz andere Kultur gab. Alle Bestatteten trugen einen religiösen Anhänger, z. B. ein Kreuz oder einen Rosenkranz. Speziell für die Wolfsberger Gruft sind die Skapuliere, welche vor dem ewigen Tod schützen sollten. Wenn man ganz genau hinsieht, erkennt man die Gottesmutter und ihr kleines Kind. Vergleichbar mit Wien sind die Totenkronen aus kleinen Metall- oder Stoffblümchen, welche auf den Kopf von jungen, ledigen Frauen gelegt wurden. Man fand auch einige Rosmarinzweige, die für Ewigkeit stehen, sowie Textilien, wie zwei Priesterstolas, Priesterkappen oder Damenhauben“, so Kranicki.

Wie geht es weiter?

Die archäologischen Arbeiten rund um die Gruft sind jetzt soweit abgeschlossen. Nun machen sich die Archäologen an die Nacharbeit und den Schlussbericht. Alle Funde werden genau dokumentiert und fotografiert, um sie der Nachwelt zur Verfügung stellen zu können. Einige weltliche Funde, die die Bestattungskultur der damaligen Zeit bezeugen, sollen im Museum im Lavanttalhaus ausgestellt werden. Die Gruft bleibt eine Grabstätte, in der ein großer, aus Sandstein gefertigter Sarkophag die Überreste der Menschen beherbergen soll. Dies sowie ein neuer Boden, Gitter, Beleuchtung und eine Absicherung des Abstieges sollen die Gruft nicht nur zugänglich, sondern auch wieder zu einer würdigen Grabstätte machen. Vor dem Abstieg sollen eine Vitrine, die eventuell kleine Anhänger zeigt und ein Bildschirm, auf dem Bilder von den archäologischen Arbeiten zu sehen sind, aufgestellt werden. Nach Fertigstellung dieser sollen die letzten Kleinigkeiten in der Kirche renoviert werden, wie zum Beispiel das Ausmalen der Wände der Seitenschiffe oder die Restaurierung kleiner Gemälde.
Pfarrer Kranicki ist dabei eines besonders wichtig: „Jeder Pfarrer trägt die Verantwortung für die ihm anvertrauten Kulturgüter. Die Markuskirche ist, wie jedes Gotteshaus, ein Zeichen des Glaubens. Die Schönheit und der gepflegte Innenraum der Kirche zeigen, wie lebendig die Pfarrgemeinde um sie ist.“

Die Markuskirche in Wolfsberg
Bis zum Jahre 811 gehörte die Pfarre zur Diözese von Aquileia, weshalb davon ausgegangen wird, dass schon damals im engeren Bereich der heutigen Stadtpfarrkirche eine St. Markuskapelle existierte. Durch Umbauten vereint die Kirche mehrere Baustile – die Romanik, die Gotik und den Barock. Das Imposante ist der 72 hohe Turm, in dem bis vor einigen Jahren noch der Turmwächter nach Bränden in der Umgebung spähte.

Autor:

Carina Müller aus Kärnten | Sonntag

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