Hilfe für Eltern und Kinder
Wegweiser durch den Mediendschungel

Digitale Welten faszinieren Kinder und Erwachsene. Der Alltag mit Medien sollte gut strukturiert werden. Gemeinsam vereinbarte Regeln müssen konsequent eingehalten werden. – Von Kindern, aber auch von den Eltern. Mit ihrem Vorbild kann ein vernünftiger, unschädlicher Umgang mit Handy, Tablet & Co. eingeübt werden.
von Anna Maria Bergmann-Müller

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Vielleicht haben Sie letztes Jahr coronabedingt ihren Urlaub ja auf „Balkonien“ verbracht. Heuer zieht es viele wieder in die Ferne. Ob mit Auto, Zug, Bus oder Flugzeug. – Mit Kindern kann die Reise ganz schön anstrengend werden. Da ist es praktisch, wenn die Lieblingsspielzeuge der Kids, sprich Tablet, Smartphone oder Spielkonsole mit im Gepäck sind. Den Kindern bereitet es Vergnügen, den Eltern spart es Nerven.
Das „Einparken“ der Kinder vor digitalen Geräten sollte aber wirklich eine Ausnahme bleiben und nicht zur Regel werden. Computer(spiele) sind keine Babysitter und schon gar nicht ein adäquates Erziehungsmittel.
Der Urlaub bietet sich jedenfalls dafür an, den sogenannten „analogen“ Zeitvertreib zu forcieren. Denn der Medienkonsum der Kinder ist im vergangenen Jahr ohnehin enorm gestiegen. Also nichts wie weg von den digitalen Zeitvertreibern. Ein gemeinsames Kartenspiel am Strand, sportliche Aktivitäten jeglicher Art, – ja sogar Fangen und Verstecken spielen macht den Kindern von heute immer noch Spaß.
Ob im Urlaub oder zu Hause. Unsere Kinder wachsen in einer digitalen Welt auf. Besonders junge Menschen tun sich schwer, sich der Faszination der neuen Medien zu entziehen. Gerade in Zeiten von Home Schooling und Social Distancing waren sie von digitalen Endgeräten kaum mehr wegzubekommen. Der exzessive Medienkonsum der Kinder macht vielen Eltern große Sorgen. Was, wenn mein Kind spielsüchtig wird? Wie kann es gelingen, das normale, wirkliche Leben nicht zu vernachlässigen? Wieviel ist gut? Wann schadet ein Zuviel?
Die neuen Medien – Fluch oder Segen? Das Positive gleich vorweg: Noch nie gab es so viele Möglichkeiten, zu lernen, zu spielen und zu entdecken. Gefragt ist ein verantwortungsvoller Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz. Dazu gehört nicht nur, dass man sich mit den Inhalten im Netz auskennt. Medienkompetenz bedeutet auch zu erkennen, wann es Zeit für eine Spielpause ist und dass eine zu lange Bildschirmzeit für das eigene Wohlbefinden schädlich sein kann. „Besser als strikte Verbote sind hierfür klare Regeln und vor allem das Gespräch mit den Kindern über ihre digitalen Aktivitäten. So können Heranwachsende ihre eigenen Erfahrungen machen und daraus lernen – gemeinsam mit ihren Eltern“, rät Mediencoach Kristin Langer von der Initiative „Schau hin!–Was dein Kind mit Medien macht“. Die folgenden Tipps helfen, ein gutes Gleichgewicht zwischen digitalen und analogen Interessen zu finden: Feste Bildschirmzeiten geben Orientierung. Sie sollen im Vorfeld gemeinsam vereinbart und konsequent eingehalten werden. Dabei spielt natürlich das Alter der Kinder eine Rolle. Kristin Langer empfiehlt folgende Richtwerte zur Orientierung: Nicht mehr als eine Stunde im Tag sollten Kinder bis zum 10. Lebensjahr vor dem Bildschirm verbringen. Bei älteren Kindern ab zehn Jahren empfiehlt es sich, ein wöchentliches Zeitkontingent zu vereinbaren. Kinder können so ihre eigenen Erfahrungen machen: Wird die vereinbarte Zeit an nur zwei Tagen verbraucht, bleiben die Bildschirme für den Rest der Woche dunkel. Langer: „So lernen Kinder, sich ihre Ressourcen vorausschauend einzuteilen und ein gesundes Maß zu finden.“ Als sinnvoll erweisen sich auch „Benimmregeln“ für die Nutzung von mobilen Geräten. In der Schule hat das Smartphone nichts zu suchen Auch beim gemeinsamen Essen nicht. Gespielt wird erst, nachdem die Hausaufgaben erledigt sind. Ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen sollten Handy, Tablet & Co. jedenfalls Sendepause haben. Mit ihrer eigenen Mediennutzung können und müssen Eltern ein gutes Vorbild für ihre Kinder sein.
Wann wird es bedenklich? Manche Kinder und Jugendliche verlieren sich regelrecht in den digitalen und virtuellen Welten – sie vergessen die Zeit, vernachlässigen Schule und Freunde. Diese Realitätsflucht kann auf Dauer gefährlich werden. Wenn bei „Entzug“ starke Launenhaftigkeit oder Gereiztheit auftritt, haben Erziehende Handlungsbedarf. Eltern sollten mit ihren Kindern reden, sich aber auch professionelle Hilfe holen.
Damit es erst gar nicht so weit kommt, ist es wichtig, dass Kinder unterschiedlichste Möglichkeiten der Freizeitgestaltung kennenlernen und digitale Medien nicht wahllos, z. B. aus Langeweile, einsetzen. „Zeitliche Einschränkungen sind richtig, wenn Kindern dann auch ansprechende Handlungsalternativen im realen Leben angeboten werden“, sagt dazu der Medienpädagoge und Erziehungswissenschafter Norbert Neuss. „Kinder müssen von Erwachsenen viele Gelegenheiten und Chancen bekommen, um ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln zu können und so Schwierigkeiten zu meistern.“ „Man muss die Computernutzung im Zusammenhang mit anderen Bedingungen des Aufwachsens von Kindern betrachten. In einer erlebnisarmen, autodominierten Lebenswelt erzeugen Medien einen allzu großen Reiz“, so der Experte.

Autor:

Gerald Heschl aus Kärnten | Sonntag

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