Pfarrer als Internet-Show-Hit: „Kochen mit Norbert“
„Jeder Gastwirt ist auch Seelsorger“

Von der Kirche in die Küche. Pfarrer Norbert Filipitsch (re.) und Diakon Rudolf Exel (li.) bei einer Videoproduktion.
  • Von der Kirche in die Küche. Pfarrer Norbert Filipitsch (re.) und Diakon Rudolf Exel (li.) bei einer Videoproduktion.
  • Foto: Missio
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Als Küchenchef hat er bereits seine Mutter, den Priesterseminar-Koch und seine Pfarrhaushälterin abgelöst. Nun punktet der Pinkafelder Stadtpfarrer Norbert Filipitsch mit einer eigenen Internet-Kochshow – die neben Rezepten auch Glaubensinhalte und karitative Projekte thematisiert.

Gerald Gossmann

Feierlich steht Pfarrer Norbert Filipitsch in Küchenschürze und Kochhaube hinter seinem Schneidebrett. Kameras sind auf ihn gerichtet – und der Priester tut, was er immer tut: Kochen und Predigen. Sein Youtube-Experiment „Kochen mit Norbert“ ging erst einige wenige Male auf Sendung, doch schon jetzt ist klar: Die Kombination aus Rezepttipps und launiger Glaubensvermittlung kommt beim Publikum gut an. Die erste Folge vor wenigen Wochen wurde beinahe 4.000 Mal aufgerufen.

Kein Wunder: Zuletzt wurden Lamm-Ragout, „Weihfleisch“-Mousse und Bienenstichtörtchen zubereitet. Selbst seinem Assistenten, dem Grafenschachener Diakon Rudolf Exel, läuft dabei regelmäßig das Wasser im Mund zusammen. Die Kochshow wird von Missio Österreich produziert. Pfarrer Filipitsch, Diözesandirektor der Päpstlichen Missionswerke, hatte die Idee dazu. Zu den großen kirchlichen Feiertagen sollen passende Menüs gekocht werden, dazu das christliche Fest erklärt und Missio-Spendenprojekte beworben werden. „Viele Menschen suchen während eines Lockdowns nach Rezepten und Kochsendungen“, erklärt Pfarrer Filipitsch. Diesem Trend setzt er geschickt seine Leidenschaft entgegen. Die Küche fasziniert ihn seit Kindestagen. Als sich seine Mutter einst die Hand brach, aber Gäste erwartete, half Norbert aus. „Ich war 13 Jahre alt und habe gesagt: Das mache ich!“ Schnell bemerkte der spätere Chemie-Student seine Experimentierfreudigkeit, die jedoch mit dem Traditionsbewusstsein der Mutter kollidierte. „Ich habe zu ihr gesagt: Zwei in der Küche sind zu viel! Du oder ich?“

Als Priesterstudent sprang er später spontan für den Seminarkoch ein, der zuvor gekündigt hatte: „Ein paar Monate habe ich ausgeholfen.“ Bis heute verzichtet Norbert Filipitsch auf eine Pfarrköchin. In Jennersdorf mutierte er gar zum Küchenchef bei Pfarrfesten, kredenzte zuweilen über 400 Portionen. Immer wieder bereitete er fleischlose Kost zu, um zu zeigen, „dass es nicht beim bloßen Salatteller für Vegetarier bleiben muss“. Während eines Jugendlagers warnten ihn Eltern, „dass ihre Kinder mit Gemüse keine rechte Freude“ hätten. „Doch man muss das nur gut verkaufen“, betonte Filipitsch, bereitete „Regenbogenpuffer“ aus Zucchini, Paprika, Mais und Erbsen zu, reichte eine Knoblauch-Kräuter-Sauce, und begeisterte die Kinder. Wer Filipitsch in der Küche zusieht, bemerkt schnell: Hier ist ein Begeisterter am Werk. „Kochen ist ein bewusster Umgang mit Schöpfung“, betont er. „Es ist ein dankbares Realisieren, was alles möglich ist.“
Eine vermeintliche Ausrede kann der Pfarrer nicht leiden: „Eine Familie hat einmal beklagt, dass die Messen zu lange dauern“ und deshalb das Mittagessen nicht rechtzeitig beginnen könne. Filipitsch sprach spontan eine Einladung für kommenden Sonntag aus: „Ich habe die Messe gehalten, gekocht und es wurde pünktlich gegessen.“ Der kochende Pfarrer möchte mit seiner Sendung den Beweis liefern, dass die Zubereitung von Speisen „eine Managementaufgabe“ sei. „Wenn man alles gut vorbereitet, hat man am Sonntag auch keinen Stress und kann entspannt den Gottesdienst besuchen“, betont er.

Karriere als Koch? Zuletzt lachte Pfarrer Filipitsch in Kochschürze aus der Kronenzeitung und TV-Sendungen. Seine Popularität verschafft ihm neue Möglichkeiten. Bald soll er als „Show-Koch“ während einer großen Bioprodukte-Messe seine Künste zelebrieren. „Ich musste überlegen“, sagt er, „weil ich in meiner ersten Professur Priester und Theologe bin, dann erst Koch.“ Andererseits: „Ich bin als Priester erkennbar. Und nicht jeder kirchliche Amtsträger darf nur fromm die Sonntagsmesse halten. Damit ist ja auch eine Breitenwirkung für die Kirche gegeben.“Sogar ein Berufswechsel hätte sich zuletzt fast angebahnt: Vor seinem Umzug in die Pfarre Pinkafeld versuchte ihn ein renommiertes Restaurant als Koch anzuwerben, für das er zuvor mehrere Rezepte entwickelt hatte. Doch Pfarrer Norbert winkte ab. Wiewohl der Autodidakt betont, dass eine Karriere in der Küche „eine Option“ bleibt. Denn, so der Pfarrer: „Jeder Gastwirt ist auch ein Stück weit Seelsorger. Nirgendwo öffnen sich die Menschen so sehr, als wenn es ihnen schmeckt.“ 

Link zur Kochshow: https://bit.ly/3n1Oep1

Autor:

Redaktion martinus aus Burgenland | martinus

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