„Zum Himmel schreiender Tabubruch“

„Gebet für die Ukraine“ in Eisenstadt. Diakon Oliver Könitz (Diözesanjugendreferent Evangelische Kirche), Bischof Ägidius J. Zsifkovics, Superintendent Robert Jonischkeit, Thomas Haffer (Landesjugendforum ÖVP) und Bürgermeister Thomas Steiner (v.l.n.r.).
  • „Gebet für die Ukraine“ in Eisenstadt. Diakon Oliver Könitz (Diözesanjugendreferent Evangelische Kirche), Bischof Ägidius J. Zsifkovics, Superintendent Robert Jonischkeit, Thomas Haffer (Landesjugendforum ÖVP) und Bürgermeister Thomas Steiner (v.l.n.r.).
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Bischof Ägidius J. Zsifkovics sieht sicherheitspolitische strategische Kompetenzen der EU massiv auf den Prüfstand gestellt. Zudem rief er zum Gebet und zu Spenden für Notleidende im Kriegsgebiet auf.

Österreichs „Europabischof“ Ägidius J. Zsifkovics ruft angesichts des Kriegs in der Ukraine zum Frieden und zur Solidarität mit dem Land auf. In seiner Wortmeldung forderte er die politischen Verantwortungsträger in Österreich und europaweit auf, „alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um den Krieg sofort und dauerhaft zu beenden“. Zsifkovics sieht Europas Glaubwürdigkeit und seine dem Frieden verpflichtete Sendung massiv herausgefordert und verurteilt einen Krieg, in dem es keine Gewinner geben kann.

Konkurserklärung. Russlands „Angriffskrieg mitten auf europäischem Boden“ sei ein „völkerrechtlicher und zivilisatorischer Tabubruch, der zum Himmel schreit und auch jene aufschrecken muss, die an keinen Himmel glauben“. Nach Jahrzehnten einer weitgehend friedlichen europäischen Nachkriegsordnung erlebe man nun „den vertikalen Einfall eines alten Schreckgespenstes, von dem man eigentlich meinte, es nur noch in Museen zu finden“, so der für das Europareferat der Österreichischen Bischofskonferenz verantwortliche Bischof der Diözese Eisenstadt. Zsifkovics warnte angesichts dieser massiven, „aber nach der Annexion der Krim keineswegs völlig unerwartbaren“ Herausforderung für die EU vor einer „moralisch-strategischen Konkurserklärung“ Europas, das bereits in den vergangenen Jahren „Gefahrenpotenziale falsch eingeschätzt und Gelegenheiten zu aktiver Entschärfung von sich aufbauenden Konflikten“ in seiner unmittelbaren Nachbarschaft „nicht ausreichend genutzt“ habe. „Wie wollen wir noch irgendjemandem vom europäischen Raum des Friedens, der Freiheit und des Rechts erzählen, wenn es uns Europäern heute nicht gelingt, nach den barbarischen Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs Krieg und Gewalt von unserem Kontinent fernzuhalten?“, so der Bischof. Was immer nun auch an Sanktionen gegen Russland beschlossen werde, es sei „höchste Zeit für ein großes Umdenken“ und ein „Aufwachen aus den Automatismen herkömmlicher EU-Administration, die eindeutig an ihre Grenzen stößt“. Vielmehr seien jetzt alle Verantwortungsträger gefragt, auf allen Ebenen alles nur Erdenkliche zu versuchen, um eine Eindämmung des Konfliktes herbeizuführen. „Vor unserer Haustüre ist Krieg und wir dürfen als Europäer nicht schweigend zuschauen“, mahnte Bischof Zsifkovics.

Im Krieg keine Gewinner. Keine Gewinner könne es in einem solchen Krieg geben, so der Europabischof: „nicht die direkt involvierten Völker, die durch eine lange Geschichte, Kultur und tausendfache Verwandtschaftsbeziehungen miteinander verflochten sind, aber auch nicht ein zauderndes Europa, das jetzt in seiner Gesamtkonstruktion auf dem Prüfstand steht“. Das Argument, dass der EU im Umgang mit Nicht-Mitgliedern weitgehend die Hände gebunden seien, lässt Zsifkovics nicht gelten. „Europa war immer und ist mehr als die EU. Europa ist ein Geist, ein Vermächtnis, eine Haltung, Werte. Unser ganzer moderner Wirtschaftsraum ist aufgebaut auf der Überzeugung, nach 1945 nie wieder Krieg zu haben. Doch diese Haltung muss immer wieder sehr proaktiv nach außen vertreten werden. Schließlich gibt es eine sogenannte gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, die verhindern soll, was nun passiert ist“, so Zsifkovics. Insbesondere die Oberhäupter und Vertreter der Orthodoxen Kirche in Russland und in der Ukraine bat Zsifkovics „von ganzem Herzen und als Bruder im Glauben an Jesus Christus, den Friedensfürsten, die geistlichen Waffen des versöhnenden Wortes und des Gebets einzusetzen, um das Allerwichtigste, über aller Politik Stehende zu erreichen: ein Schweigen der Waffen und ein Ende der Gewalt!“ Danach brauche es „kluge und sensible Verhandlungen“.

Burgenländisches Lichtermeer. Die Gemeinden in der Diözese Eisenstadt rief Zsifkovics auf, an den Kriegerdenkmälern des Burgenlands Kerzen anzuzünden und auf diese Weise „ein burgenländisches Lichtermeer für den Frieden in der Ukraine“ zu schaffen. Weiters bat Bischof Ägidius um finanzielle Unterstützung der Caritas-Hilfe für die vom Krieg schwer getroffenen Menschen in der Ukraine: Mit 25 Euro könne ein Nothilfepaket direkt vor Ort ausgegeben und somit die Notversorgung eines ganzen Haushalts sichergestellt werden.

Spendenkonto.
Caritas Burgenland
IBAN: AT34 3300 0000 0100 0652 Kennwort: Ukraine Krise

Autor:

Martina Mihaljević aus Burgenland | martinus

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