Gedanken zum Evangelium: 2. Sonntag im Jahreskreis
Nichtstun geht gar nicht

Johannes 1, 29-34

Zweimal heißt es im Evangelium des heutigen Sonntags, dass Johannes der Täufer Jesus nicht kannte. Kannte – in der Vergangenheit also. Jetzt kennt er ihn, weil er ihn gesehen hat. Doch keineswegs sind dem Täufer die Probleme derer unbekannt, die nur schwer glauben können,  dass Jesus Gottes Sohn ist, denn  er war einer von denen, die Jesus nicht gekannt haben.

Erst die Begegnung mit dem Messias, das Sehen, befähigt ihn zum Zeugnis. Der Gott, den er gesehen und erfahren hat, hat ihn anscheinend so sehr berührt und zuinnerst betroffen, dass er nicht mehr schweigen kann.
Wenn einer einen guten Witz kennt und ihn für sich behält, gilt er zurecht als Spaßbremse. Wenn einer aber Gott erfahren hat und ihn nur für sich behält, ist er ein Unmensch, enthält er doch anderen vor, was er selbst als so wertvoll erfahren hat. Unsere Taufe ist zunächst ein Geschenk an uns, dann aber ist sie auch ein Auftrag, die Botschaft von Christus weiterzutragen und ihn bis an die Enden der Erde als Sohn Gottes zu verkündigen. Das können sie, weil und insofern sie ihn erfahren haben.

Was es dazu braucht, ist Vertrauen, dass einem Jesus Christus Gutes will, und die Offenheit, sich von ihm berühren zu lassen. Wer sich auf ihn ehrlich und ernsthaft einlässt, vermag ihn zu sehen und zu erkennen. Und wer ihn erfährt, der verkündigt ihn – aber nicht mit irgendwelchen Phrasen oder indem er alle niederredet, die ihm in die Quere kommen. Nein, er bezeugt Jesus so, wie er ihn erfahren hat: heilsam, Sünden vergebend, Orientierung gebend, herausfordernd, … Wer Jesus so bezeugt, ist authentisch. Freilich wird nicht die ganze Welt durch ihn zum Glauben kommen, doch erfüllt er die ihm gestellte Aufgabe, weil er menschlich und aufrichtig vom aufrichtigsten aller Menschen, von Gottes Sohn, Zeugnis gibt. Theologisches Wissen, schöne Worte, Ausdrucksstärke und Überzeugungskraft mögen dazu hilfreich sein; sie ersetzen aber niemals den Kern: die Erfahrung mit Jesus Christus.

In der Kirche im Priesterseminar ist ein Seitenaltarbild, das den hl. Karl Borromäus zeigt, als er gerade einer pestkranken, im Sterben liegenden Frau die Kommunion reicht. Karl war damals Bischof von Mailand und ist – entgegen allen Ratschlägen – nicht aus der Stadt geflohen, sondern er hat bei den Menschen ausgeharrt. Damit bezeugt er Jesus, der sein Leben hingibt, der vor der Not nicht davonläuft.

Oder wenn man von einer Frau erfährt, die aus einer tiefen Gottesbeziehung heraus einfach gut und gerecht zu ihren Mitmenschen war, die eine große Ausstrahlung hatte, bei der es gut war zu sein, dann bezeugt sie Jesus, der eine Wohltat war – besonders für die von Leid Betroffenen.

Zusammenfassend: Erfahrungen mit Gott drängen dazu, geteilt zu werden, auszustrahlen, andere anzustecken – und das nicht nur im unmittelbaren Umfeld, sondern bis an die Enden der Erde.

Autor:

Markus Muth aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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