Gedanken zum Evangelium: Dreifaltigkeitssonntag
Jünger werden

Ist es möglich, dass "Jünger zu werden" grundsätzlich etwas mit "jünger zu werden" zu tun hat? Lassen sich dafür Ansatzpunkte im heutigen Evangelium finden?
  • Ist es möglich, dass "Jünger zu werden" grundsätzlich etwas mit "jünger zu werden" zu tun hat? Lassen sich dafür Ansatzpunkte im heutigen Evangelium finden?
  • Foto: kathbild.at/Rupprecht
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Vor nicht allzu langer Zeit prangten am Stephansdom große Plakate mit der Aufschrift „Jünger werden“. Dieser mehrdeutige Slogan hat großes Aufsehen erlangt, auch bei mir. Jedes Mal, wenn ich am Dom vorbeigegangen bin, hat mich der Satz zum Nachdenken animiert.

In Zeiten des Jugendkultes, wo Altern nicht gern gesehen wird, möchte jede/r gerne „jünger“ werden.
Natürlich spielte die Aufschrift mit dieser Assoziation, während sie eigentlich dafür warb, sich Christus anzuschließen und ein Jünger Christi zu werden.

Das heutige Evangelium lässt mich daran wieder zurückdenken und den Gedanken weiterspinnen: Ist es möglich, dass „Jünger zu werden“ grundsätzlich etwas mit „jünger zu werden“ zu tun hat? Lassen sich dafür Ansatzpunkte im heutigen Evangelium finden?

Ich meine, ja:
1. Junge Menschen sind oft unsicher. Sie stehen in der Ambivalenz zwischen Vertrauen-Wollen und Zweifel-Haben. Um „jünger“ zu werden, darf und soll ich diese Unsicherheit auch haben. Denn Zweifel sind etwas Kreatives. Sie lassen mich weiter über etwas nachdenken. Von den Jüngern Jesu gibt es auch einige, die „zweifeln“. Man kann den griechischen Text sogar so übersetzen, dass alle Jünger gleichzeitig glauben und zweifeln. Glaube und Zweifeln gehören also eigentlich zusammen.

2. Junge Menschen spüren sehr genau, dass sie zu jemanden gehören müssen, um überleben zu können. Ältere dagegen glauben oft, niemanden zu brauchen. Um „jünger“ zu werden, muss und darf ich dankbar anerkennen, dass ich zu jemandem gehöre. Jesus fordert seine Jünger auf, den Menschen durch die Taufe eine solche
Zugehörigkeit zu schenken.

3. Jungen Menschen ist bewusst, dass sie noch nicht alles wissen und können und sind bereit dazuzulernen. Ältere vergessen das oft. Um „jünger“ zu werden, braucht es die Bereitschaft, mich weiterzuentwickeln und immer wieder neu zu lernen. Jesus lehrt seine Jünger und lässt sie andere belehren.

4. Junge Menschen wissen, dass sie Begleitung am Weg brauchen. Ältere glauben oft, dass sie alles alleine schaffen. Um „jünger“ zu werden, muss ich mir eingestehen, dass auch ich eine Wegbegleitung brauche.
Jesus sagt uns eine solche zu. Er ist mit uns alle Tage bis ans Ende der Welt.

Jung sein geht also leichter als gedacht. Und das ganz ohne Schönheits-Operationen oder ausgefeilten Fitnessprogrammen. Um „jünger“ zu werden, braucht es nur eines: die Bereitschaft, Christi Jünger zu sein.

Evangelium und Kommentar als PDF
Autor:

Elisabeth Birnbaum aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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