Gedanken zum Evangelium: 13. Sonntag im Jahreskreis
Hopp oder Drop?

Vollmachten und Rechte ziehen auch Verpflichtungen nach sich.
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Matthäus 10, 37–42

Vor Jahren fiel mir am Kiosk ein humoristisches Hochzeitsbillett in die Hände: Ein Brautpaar steht vor dem Altar und der Priester sagt zum Bräutigam: „Nein, nein, nein! Es heißt ‚Ja‘! Und nicht: ‚Ja, wenn es denn sein muss!‘“ – Genau darum geht es im heutigen Evangelium. Um ein klares, deutliches „Ja“, das Jesus seinen Jüngern abverlangt …

Spannend am heutigen Evangelium finde ich, dass Jesus diese Rede nicht an das Volk richtet, sondern nur an seine Jünger. Er unterscheidet offenbar sehr genau, wem er was zumuten muss und kann.

Vor der langen Rede in Kapitel 10 wird geschildert, was Jesus mit den Menschen macht, die nicht seine Jünger sind. Sie werden von ihm über das Reich Gottes belehrt und sie werden geheilt. Alles, was sie tun müssen, ist, ihn bzw. seine Jünger aufzunehmen und sein Wort hören zu wollen. Dann sind sie „wert“
(vgl. Mt 10,11–14).

Den Jüngern aber verlangt er viel mehr ab. Und er traut ihnen viel mehr zu. Sie hat er mit Vollmacht ausgestattet, Kranke zu heilen und sogar Tote aufzuwecken. Sie sollen und dürfen alles das tun, was Jesus selbst tut. Die Beziehung zwischen Jesus und ihnen ist so eng, dass jeder, der sie aufnimmt, eigentlich Jesus und damit Gott aufnimmt (V. 42).

Diese Vollmachten und Rechte ziehen auch einige nicht ungefährliche Verpflichtungen nach sich. Die Jünger müssen zu den Leuten gehen und Ablehnung oder Feindschaft riskieren. Jesus beschönigt nichts. Er stellt seinen Jüngern ganz klar vor Augen, was sie erwartet und was sie tun müssen, um seiner „wert“ zu sein.

Viele Kriterien im Text sind mehr als herausfordernd. Nicht nur knapp nach dem Vatertag wirkt das Verbot, Vater oder Mutter mehr zu lieben als Christus, wie eine kalte Dusche. Und Hass, Leid und Tod freiwillig und bewusst in Kauf zu nehmen, ist erst recht nicht jedermanns Sache. Und doch verlangt Jesus gerade das. Die Jünger sollen wissen, worauf sie sich einlassen, und dazu bewusst und aus ganzem Herzen „Ja!“ sagen.

Die Radikalität in Jesu Aussagen nimmt mir jedes Mal den Atem und zeigt mir wieder sehr deutlich, dass die Beziehung zu Gott kein Wellness-Programm ist, in dem wir uns entspannt zurücklehnen können. Der Ruf Jesu ist ein Schwert, das scharf trennt. Es fordert klare Worte und klare Entscheidungen, kein Durchlavieren. Genauso wie eine Frau nicht nur „ein bisschen schwanger“ sein kann, genauso, wie ein Brautpaar vor dem Altar nicht „Vielleicht“ sagen kann, genauso gibt es für Jesu Jünger (und Jüngerinnen) nur ein Ja oder Nein, ein Hopp oder Drop. Und eben nicht nur ein: „Ja, wenn es denn sein muss.“

Evangeliumskommentar als PDF
Autor:

Elisabeth Birnbaum aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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