Wie unsere Pfarren „zukunftsfest“ werden
„Es geht um Seelsorge auf Augenhöhe“

Pastoralamtsleiter Markus Beranek

Das Pastoralamt unserer Erzdiözese ist seit diesem Herbst neu aufgestellt. Damit die Pfarren und kirchlichen Orte noch besser unterstützt werden können. Pastoralamtsleiter Markus Beranek erläutert im SONNTAG-Gespräch die neuen fünf Bereiche. Und warum das Pastoralamt eine Drehscheibe ist, um dem Austausch und der gegenseitigen Inspiration zu dienen.

Seit Herbst ist unser Pastoralamt in fünf große Bereiche gegliedert:

  1. Pfarrgemeinderäte und Pastorale Strukturentwicklung,
  2. Berufungspastoral – Erwachsenenkatechumenat – Spiritualität,
  3. Bibel – Liturgie – Kirchenraum,
  4. Kirche im Dialog sowie
  5. PfarrCaritas und Nächstenhilfe.

Damit will das Pastoralamt stärker auf eine Situation reagieren, wo ein hohes Maß an Flexibilität gebraucht wird, um auf neue Herausforderungen eingehen zu können. Wie man in wenigen Sätzen die Aufgabe des Pastoralamts erklären kann? Pastoralamtsleiter Markus Beranek: „Für mich sind es vor allem zwei Schwerpunkte. Nämlich einerseits Pfarren und kirchliche Orte in ihrer Arbeit zu unterstützen.

Ganz konkret etwa durch Unterstützung im Bereich des Diözesan-Prozesses und der pastoralen Strukturentwicklung, durch Unterstützung für Aus- und Weiterbildungsangebote für Ehrenamtliche. Und andererseits ist das Pastoralamt bei einer ganzen Reihe von Themen eine Schnittstelle zwischen der diözesanen Struktur und anderen im kirchlichen Umfeld agierenden Organisationen. Zum Beispiel das Forum Erneuerungsbewegungen, wo es einen ganz wichtigen Austausch der Bewegungen untereinander, aber auch zwischen den Bewegungen und der Diözese gibt.

  • Was besagt das neue Leitbild des Pastoralamts?

MARKUS BERANEK: Grundsätzlich sind die Leitworte des Pastoralamtes jene, die auch den Diözesan-Prozess Apg 2.1 charakterisieren: Mission, Jüngerschaft, Struktur. Wir haben auf diesem Hintergrund jetzt im Herbst daran gearbeitet, unseren Purpose, das heißt unseren Beitrag zum Ganzen der Diözese, noch einmal klarer zu definieren. Daraus hat sich auf unserer Klausur der Satz entwickelt: Wir fördern jene, von denen wir lernen. Das ist eine Bestimmung unserer Arbeitsweise, wie wir arbeiten, und macht für mich sehr deutlich, dass es ganz wesentlich um Augenhöhe geht. Das ist auch die Aufgabe eines Pastoralamtes, nicht Pastoral zu erfinden, sondern eine Drehscheibe zu sein, die zu einem Austausch und zu einem Lernprozess und zu einem Prozess der Reflexion und der gegenseitigen Inspiration in der Diözese beiträgt.

  • Wie reagiert das Pastoralamt auf die Zeichen der Zeit?
  • Ein Zeichen ist gegenwärtig auch die Corona-Pandemie?

Das begann im März und hat innerhalb weniger Stunden eine ganz gewaltige Resonanz gefunden. Es hat sich zuerst einmal ganz schnell die Frage gestellt: Was heißt das alles für Gottesdienstübertragungen? Es ist gut, und es ist ein bewährter Modus, Gottesdienste zu übertragen. Und für viele Menschen ist das eine große Hilfe: Einfach den Fernseher aufzudrehen und damit sozusagen in diesen Raum des Feierns eintreten zu können. Wir merken aber, dass das grundlegende Thema noch viel wichtiger wird, von dem wir im Zuge des Diözesan-Prozesses auch schon oft gesprochen haben. Nämlich:

Wie können wir Menschen befähigen, ihren Glauben persönlich und in kleinen Gruppen und in der Familie miteinander zu leben? Und daraus ist dann ganz schnell die Idee des Netzwerk-Gottesdienst entstanden. Das heißt, Menschen beten und feiern zu Hause und beten vielleicht auch allein und wissen sich einer großen Gemeinschaft verbunden. Ich glaube, dass das einen ganz hohen Wert hat, den man vielleicht nochmal stärker entdeckt, wenn gemeinsame Gottesdienste nicht möglich sind, so wie das während des Lockdowns der Fall war.

Aber meine Hoffnung ist, dass hier etwas wächst, was für unsere Zukunft als Kirche ganz, ganz essenziell ist, nämlich, dass Menschen ihren Glauben im persönlichen Leben und in überschaubaren Gruppen leben und dass sie dann auch am Sonntag zusammenkommen, um ihren Glauben in der großen Gruppe auch gemeinsam zu feiern. Das Leben differenziert sich immer stärker aus, und da liegt auch ein ganz großes Zukunftspotenzial.

  • Worum geht es konkret beim Bereich „Pfarrgemeinderäte und Pastorale Strukturentwicklung“?

Das große Thema, das diesen Bereich derzeit ganz zentral bestimmt, ist jener Aspekt des diözesanen Prozesses, wo es um die Errichtung der größeren Räume geht. Das heißt, es geht darum, Pfarren dabei zu unterstützen, einen gemeinsamen Pfarrverband oder eine Pfarre mit Teilgemeinden zu bilden. Ich habe den Eindruck, dass diese strukturellen Fragen an vielen Orten dazu beitragen, in eine Grundsatz-Reflexion zu kommen: Wer sind wir als Kirche? Wer sind wir als Pfarre? Was ist unser Auftrag? Und wie können wir unter veränderten Bedingungen Pastoral gestalten?

  • Im Bereich „Berufungs-Pastoral – Erwachsenenkatechumenat – Spiritualität“ sticht der Bereich Erwachsenenkatechumenat ins Auge. Welche Impulse liefert er für jene Pfarren, die erwachsene Taufbewerber begleiten?

Es geht vor allem darum, die Haupt- und Ehrenamtlichen in ihrer Arbeit zu unterstützen. Auch auf dem Hintergrund, dass wir in den letzten Jahren doch eine beachtliche Anzahl an Asylbewerbern unter den Taufbewerbern hatten und dass sich damit auch ganz viele praktische Fragen stellen, die einzelne Pfarren oft überfordern würden. Und eine ganz wichtige Funktion ist natürlich, Materialien, Know-how zur Verfügung zu stellen und den Austausch zwischen den verschiedenen Orten, die Erwachsene vorbereiten, zu geben.

  • Im Bereich „Bibel – Liturgie – Kirchenraum“ findet sich auch das Thema der „offenen Kirche“. Wie werden unsere Kirchen wirklich offene Kirchen?

Da ist in den letzten Jahren durchaus vieles weitergegangen. Ganz entscheidend ist in vielen Pfarren oft die Bereitschaft, kreative Lösungen zu finden, die das ermöglichen und dazu beitragen, Kirchenräume offen zu halten.

  • Wie werden missionarische Projekte vom Pastoralamt unterstützt und entwickelt?

Ein Ansatzpunkt ist zum Beispiel, wenn wir Pfarren bei der Erstellung ihres Pastoralkonzepts unterstützen, dann ist das auch ein Beitrag, ihre missionarische Ausrichtung zu begleiten und sie auch dabei zu ermutigen, missionarische Projekte zu planen. Ein anderer Ansatzpunkt ist der Innovationsfonds, der gemeinsam alle pastoralen Dienststellen betrifft. Wo es um innovative Projekte geht, die Neues probieren, gerade im Sinne der Mission, das heißt neu auf Menschen unter veränderten Bedingungen zuzugehen. Das versucht der Innovationsfonds, den wir gerade weiterentwickeln, ganz gezielt zu fördern.

  • Zum Bereich „Interreligiöser/Interkultureller Dialog – Ökumene – Weltanschauungsfragen – Weltkirche“ zählt auch die Begleitung der fremdsprachigen Priester in unserer Erzdiözese. Was kann getan werden, dass diese Begleitung der Priester und der Gemeinden gelingt?

Die Begleitung der anderssprachigen Priester liegt bei der Personalentwicklung und auch stark bei den Gemeinden. Es hat sich jetzt zunehmend herauskristallisiert, dass wir in den letzten Jahren ein ganz gutes Begleitprogramm für die für anderssprachigen Priester entwickelt haben. Also einerseits die Herausforderungen: Wie kann ich gut in der Diözese ankommen? Wie kann ich gut die Sprache lernen? Wie kann ich mich auf diese kulturellen Unterschiede einlassen und sie kreativ gestalten? Und jetzt wird andererseits auch deutlicher: Wir lernen in der Diözese stark von anderen kirchlichen oder anderen Orten der Weltkirche. Wir fahren zum Beispiel auf die Philippinen, wir fahren nach London, und wir erleben in der Diözese, dass wir Priester aus anderen Gegenden der Weltkirche in der Diözese haben.

Die Frage ist: Wie können wir auch die Gemeinden begleiten, sich einerseits auch auf manche kulturellen Unterschiede einzulassen? Auch auf manches, das vielleicht irritiert. Aber vor allen Dingen wollen wir schlussendlich in eine Haltung des gegenseitigen Lernens und des gegenseitigen Austausches kommen. Da sehe ich eine ganz gewaltige gesellschaftliche Chance inmitten einer Gesellschaft, die immer pluraler wird, wo Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammenleben.

Gerade als katholische Kirche wollen wir ein Ort sein, wo ein gegenseitiger Austausch und eine gegenseitige Inspiration stattfindet, auch wenn es da und dort vielleicht auch Irritierendes gibt, das vielleicht im nächsten Moment sich zu etwas wandeln kann, was befruchtend und inspirierend wird.

  • Zum fünften Bereich zählt die PfarrCaritas. Warum ist gerade Caritas unverzichtbar für das Leben der Kirche?

Wenn man auf das Wirken und Handeln Jesu schaut, dann fällt sofort auf, dass Jesus sich ganz stark den Menschen zugewendet hat. Er hat in einer Art und Weise geredet und gepredigt, die die Menschen aufgerichtet hat. Er hat Menschen geheilt. Er ist auf Menschen am Rand zugegangen, und hat sie die Nähe Gottes, hat sie Zuwendung erfahren lassen.

Menschen haben die Erfahrung gemacht, dass sie in der Nähe Jesu gesund werden. Insoferne setzt Caritas-Arbeit ganz unmittelbar am Handeln Jesu an, und deshalb ist sie für kirchliches Handeln ein existenzieller Bestandteil. Kirche hört auf Kirche zu sein, wenn die ganz konkrete Caritas außer Blick gerät.

Autor:

Stefan Kronthaler aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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